Junge Mitsprache

Neuer Kiezi-Rucksack lässt Wiesbadener Grundschüler mitreden

Ausgerüstet mit Kamera, Greifer und einem interaktiven Mitmachheft schwärmen Wiesbadener Kids aus, um ihren Kiez ganz neu unter die Lupe zu nehmen. Was Lieblingsorte, der Schulweg und die eigene Post an den Ortsbeirat damit zu tun haben und welches neue Projekt im Stadtteil Mainz-Kastel Kindern jetzt sogar eine echte Stimme in der Politik gibt, erfahren Sie im Bericht.

Von: |Erschienen am: 10. August 2026 12:10|

Fotos: Stadt Wiesbaden

Welche Wahrnehmung haben Kinder von ihrem eigenen Quartier? Auf welche Orte legen sie Wert, wo fühlen sie sich wohl und an welchen Stellen sehen sie Handlungsbedarf? Um diesen Fragen nachzugehen, haben das Amt für Soziale Arbeit und die Abteilung Schulsozialarbeit Kinder das Projekt „Kiezi-Rucksack“ ins Leben gerufen.

Das Angebot soll den Nachwuchs motivieren, das eigene Wohnumfeld eigenständig zu erkunden, Beobachtungen festzuhalten und Konzepte für die Weiterentwicklung des Stadtteils zu erarbeiten. Die offizielle Präsentation des Kiezi-Rucksacks übernahm Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) am Samstag, 8. August, im Rahmen des Aktionstags der Superblock-Initiative im Rheingauviertel.

Mitmachheft und Ausrüstung für Detektive

Als zentrales Element des Rucksacks dient das sogenannte „Kiezi-Workbook“. Das interaktive Heft regt die Mädchen und Jungen dazu an, als Stadtteildetektive aktiv zu werden. Sie erforschen ihr Quartier, identifizieren Positivbeispiele sowie verbesserungswürdige Bereiche und entwickeln Vorstellungen für ein kinderfreundliches Umfeld.

Das Arbeitsheft deckt dabei verschiedene Themenfelder ab: Eine Fotorallye führt zu prägnanten Punkten, während bei einem Schulweg- und Spielplatz-Test die Infrastruktur aus Sicht der Kinder bewertet wird.

Direkter Draht zur Politik

Zusätzlich behandeln Aufgaben wie eine Müll-Challenge sowie die Abschnitte „Grüner Stadtteil“ und „Klima-Helden“ die Themenbereiche Umwelt, Mobilität und Klimaschutz. Über eine enthaltene Briefvorlage können sich die Kinder zudem direkt an den zuständigen Ortsbeirat wenden.

Neben Schreib- und Spielmaterialien umfasst das Set auch praktische Werkzeuge wie eine Sofortbildkamera zur visuellen Dokumentation sowie einen Müllgreifer.

Demokratieförderung

Das Vorhaben ist Teil des Projekts „Auf die Plätze los“ im Kontext der World Design Capital und zeigt Wege auf, wie Wünsche von Kindern in die Gestaltung des öffentlichen Raums einfließen können. Einen zentralen Schritt stellt in diesem Zusammenhang die Etablierung des Kinderparlaments in Mainz-Kastel dar.

Die Teilnehmer erhalten dort die Gelegenheit, ihre Anliegen zu beraten und unmittelbar in die Beratungen des Ortsbeirats einzubringen. Auf diese Weise werden frühzeitig demokratische Prozesse vermittelt. Es ist vorgesehen, dieses Modell schrittweise auf weitere Stadtteile auszuweiten.

Bedeutung der Kinderperspektive

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher unterstreicht die Relevanz des Vorhabens: „Kinder wissen sehr genau, was in ihrem Stadtteil gut funktioniert und wo Veränderungen notwendig sind. Sie erleben täglich, welche Orte ihnen wichtig sind und was ihnen fehlt.

Diese Perspektive ist für eine kinderfreundliche Stadtentwicklung unverzichtbar. Mit dem Kiezi-Rucksack schaffen wir einen niedrigschwelligen Zugang zur Beteiligung.“

Einbindung in allen Stadtteilen

Die Sozialdemokratin hob bezüglich des weiteren Verlaufs hervor: „Mit dem Kinderparlament in Mainz-Kastel haben wir in diesem Jahr einen wichtigen Schritt gemacht: Kinder erleben dort ganz konkret, dass ihre Ideen gehört werden und sie ihre Stadt mitgestalten können. Mein Ziel ist, dass Kinder in allen Stadtteilen diese Erfahrung machen und Beteiligung als festen Bestandteil ihres Lebensumfelds erleben.“

Nachhaltige Verankerung

Auch Heike Richter, kommissarische Leiterin des Amtes für Soziale Arbeit, schätzt die Initiativen als langfristig bedeutsam ein:

„Mit dem Kinderparlament in Kastel und dem Kiezi-Rucksack sind zwei nachhaltige Projekte der Abteilung Schulsozialarbeit Kinder entstanden, die über das Jahr 2026 hinaus fortbestehen. Sie schaffen feste Strukturen, um die Beteiligung von Kindern dauerhaft zu stärken und in den Stadtteilen zu verankern.“

Beratung für neue Kinderparlamente

Schulen, Ortsbeiräte sowie sonstige Institutionen sind dazu aufgerufen, in ihren jeweiligen Stadtteilen ebenfalls ein Kinderparlament aufzubauen. Die Abteilung Schulsozialarbeit Kinder bietet hierzu Unterstützung und Beratung an. Interessierte können per E-Mail unter kinderparlament@wiesbaden.de Kontakt aufnehmen.

Ausleihe und digitales Angebot

Der Kiezi-Rucksack im Rahmen der Mitbestimmung und Kinderbeteiligung in Wiesbaden richtet sich vorrangig an Grundschulkinder ab der dritten Klasse. Er kann von Einrichtungen der Schulsozialarbeit, der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie von weiteren Gruppen für Erkundungen angefordert werden. Anfragen zur Ausleihe werden unter schulsozialarbeit-kinder@wiesbaden.de entgegengenommen.

Neben der gedruckten Form steht das Workbook künftig auch als interaktive digitale Version für Smartphones und Tablets zur Verfügung. Damit lassen sich die Aufgaben direkt während der Tour bearbeiten. Die digitale Ausführung wird in Kürze auf der Webseite der Schulsozialarbeit Kinder unter www.wiesbaden.de/leben-wohnen/gesellschaft-soziales/soziale-dienste/Schulsozialarbeit-Kinder abrufbar sein.

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