Auszeichnung
Späte Ehre für eine Pionierin: Wiesbadener Kunstikone bekommt Ehrengrab
Sie gestaltete die Theaterkolonnaden, überwand Verfolgung sowie Vertreibung und prägte das kulturelle Leben der Landeshauptstadt wie kaum eine zweite Frau ihrer Zeit. Jahrzehnte nach ihrem Tod erhält die außergewöhnliche Malerin Gerda Stryi-Leitgeb nun eine ganz besondere Anerkennung der Stadt Wiesbaden, die ihr Schaffen für die Nachwelt sichert.
Symbolfoto
Die Grabstätte der verstorbenen Malerin Gerda Stryi-Leitgeb auf dem Wiesbadener Südfriedhof erhält offiziell den Status eines Ehrengrabes. Einen entsprechenden Beschluss fällten der Magistrat sowie der Ältestenrat der Landeshauptstadt. Die Sonderregelung gilt vorerst bis zum Februar 2055 und sichert das dauerhafte Andenken an die Künstlerin im Stadtbild.
Mende würdigt Lebenswerk
Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hob die Bedeutung der Verstorbenen für das örtliche Geistesleben hervor: „Gerda Stryi-Leitgeb war eine bedeutende Malerin des 20. Jahrhunderts, die über Jahrzehnte in Wiesbaden gewirkt und das künstlerisch-kulturelle Leben mitgeprägt hat.
Nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Lehrerin und in der Vereinsarbeit hat sich Stryi-Leitgeb engagiert. Mit der Zuerkennung als Ehrengrab würdigen wir die Lebensleistung dieser beeindruckenden Persönlichkeit“, erklärte das Stadtoberhaupt.
Von Breslau nach Wiesbaden
Die 1904 in Kattowitz geborene Gerda Johanna Stryi begann 1921 ihr Kunststudium an der Akademie in Breslau, wo sie schon ein Jahr später für ihre außergewöhnlichen Arbeiten ausgezeichnet wurde. In den Folgejahren schloss sie sich mehreren Künstlervereinigungen an und verfeinerte ihren Stil auf Europareisen gemeinsam mit ihrem Ehemann Erich Leitgeb.
Während des Nationalsozialismus geriet die Malerin ins Visier des Regimes: Trotz ihres Eintritts in die Reichskammer der bildenden Künste im Jahr 1934 wurden ihre Werke mit Ausstellungsverboten belegt und teilweise als sogenannte „entartete Kunst“ diffamiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung aus Breslau gelangte Stryi-Leitgeb über mehrere Zwischenstationen im Jahr 1948 schließlich nach Wiesbaden.
Prägende Spuren im Wiesbadener Stadtbild
In der hessischen Landeshauptstadt hinterließ die Künstlerin prägnante Spuren. Als ihr Ehemann 1950 kurz nach dem Gewinn des Wettbewerbs zur Neugestaltung der Wandelhalle an den Theaterkolonnaden überraschend verstarb, führte sie das Projekt eigenständig fort und erschuf elf Sopraporten in Freskotechnik. Im selben Jahr beteiligte sie sich an der Gründung der regionalen „Künstlergruppe 50“.
Neben ihrer freischaffenden Tätigkeit und weiteren öffentlichen Aufträgen unterrichtete die Künstlerin von 1953 bis 1955 als Kunsterzieherin am heutigen Elly-Heuss-Gymnasium. Später brachte sie ihr Fachwissen von 1972 bis 1980 ehrenamtlich in den Vorstand des Nassauischen Kunstvereins ein. Am 9. November 1992 verstab die Malerin Gerda Stryi-Leitgeb in Wiesbaden.
Kriterien für ein städtisches Ehrengrab
Mit der Vergabe von Ehrengräbern honoriert die Landeshauptstadt Wiesbaden ausnahmslos Persönlichkeiten, die sich durch ihr Wirken in besonderem Maße um die Stadt verdient gemacht haben. Dies umfasst herausragende Leistungen in Bereichen wie Kultur, Kunst, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft oder in sozialen Belangen.
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