Arbeitszeit

Überstunden, Spätschichten und Jobtreue: So arbeitet Deutschland und die Region Wiesbaden

Wie lange arbeiten die Menschen im Land wirklich, wie sieht es mit Frauen in Führungspositionen aus und wie steht es um die Jobzufriedenheit? Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein detailliertes Bild der aktuellen Arbeitswelt. Von überlangen Arbeitszeiten bei Selbstständigen bis hin zu überraschend hoher Arbeitstreue – wir haben die wichtigsten Fakten für Wiesbaden und ganz Deutschland zusammengefasst.

Von: |Erschienen am: 23. Juli 2026 12:06|

Symbolfoto: Canva

Der Arbeitsmarkt bewegt sich in einem stetigen Wandel. Zwischen Fachkräftemangel, dem Wunsch nach Work-Life-Balance und flexiblen Arbeitszeitmodellen zeigt eine aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) mit Sitz in Wiesbaden, unter welchen Bedingungen Erwerbstätige in Deutschland tatsächlich arbeiten. Die Ergebnisse verdeutlichen. Während ein Großteil der Arbeitnehmer geregelte Zeiten genießt, tragen Selbstständige und Führungskräfte eine besonders hohe zeitliche Belastung.

Überlange Arbeitszeiten – Vor allem Selbstständige schieben Überstunden

Im Durchschnitt arbeiteten Vollzeiterwerbstätige in Deutschland im vergangenen Jahr 40,2 Stunden pro Woche. Doch für viele bleibt es nicht bei der regulären Arbeitszeit: Rund 7,1 Prozent der knapp 30 Millionen Vollzeitbeschäftigten arbeiteten gewöhnlich 49 Stunden und mehr pro Woche – was offiziell als überlange Arbeitszeit eingestuft wird.

Besonders drastisch zeigen sich die Unterschiede je nach Erwerbsform:

  • Selbstständige mit Beschäftigten: Hier arbeiteten fast die Hälfte (44,5 Prozent) überlang.

  • Solo-Selbstständige: Bei den Einzelunternehmern lag der Anteil bei 23,0 Prozent.

  • Angestellte: Von den vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern arbeiteten lediglich 4,1 Prozent regelmäßig 49 Stunden oder mehr.

Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle: Während bei den 15- bis 24-jährigen Vollzeitkräften nur 1,4 Prozent überlang arbeiteten, lag dieser Wert in der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren bei 9,6 Prozent. Ein Grund hierfür ist die höhere Dichte an Führungskräften in den älteren Jahrgängen.

Führungspositionen weiterhin primär männlich geprägt

Trotz jahrelanger Debatten um Gleichberechtigung und Quote bleibt die Führungsebene in deutschen Unternehmen und Behörden mehrheitlich in männlicher Hand.

Der Frauenanteil an Führungspositionen lag im Jahr 2025 bei lediglich 30,3 Prozent. Zwar bedeutet dies einen leichten Anstieg im Vergleich zu 1992 (damals 25,8 Prozent), doch gemessen am Gesamtfrauenanteil an allen Erwerbstätigen (47,1 Prozent) sind Frauen in den Chefetagen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Fast sieben von zehn Führungskräften sind somit weiterhin Männer.

Feierabend erst am Spätabend – Selbstständige arbeiten häufiger spät

Auch beim Thema Abendarbeit zeigen sich deutliche Klüfte zwischen Angestellten und Selbstständigen:

  • Abendarbeit (18:00 bis 23:00 Uhr): Fast ein Drittel (30,8 Prozent) der Selbstständigen mit Angestellten arbeitete 2025 regelmäßig in den Abendstunden. Bei Arbeitnehmern betraf dies nur etwa jede siebte Person (13,4 Prozent).

  • Nachtarbeit (23:00 bis 06:00 Uhr): Hier unterscheidet sich das Bild kaum. Jeweils gut 4,2 Prozent der Selbstständigen und 4,3 Prozent der Arbeitnehmer verdienten ihr Geld, während der Großteil der Bevölkerung schlief.

Positiver Trend bei Teilzeit und Blick auf die Jobtreue

Nicht nur zu viele, sondern auch zu wenige Arbeitsstunden können belasten – etwa durch damit verbundene Gehaltseinbußen. Hier zeigt die Statistik jedoch eine erfreuliche Entwicklung:

  • Teilzeit als Notlösung: Nur noch 4,9 Prozent der rund 13 Millionen Teilzeitbeschäftigten gaben an, unfreiwillig in Teilzeit zu arbeiten, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnten. Vor zehn Jahren (2015) lag dieser Anteil noch bei 12,9 Prozent – die Zahl hat sich somit mehr als halbiert.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor im Berufsleben ist die Befristung von Arbeitsverträgen. In Deutschland gaben 7,2 Prozent der Arbeitnehmer ab 25 Jahren an, in einem befristeten Arbeitsverhältnis zu stecken. Mehr als die Hälfte dieser Verträge (52,4 Prozent) hatte eine Laufzeit von unter einem Jahr.

Überraschend hohe Loyalität zum Arbeitgeber: Trotz dynamischer Arbeitsmärkte zeigt sich die Mehrheit der Beschäftigten bodenständig und treu. Ein Blick auf die Betriebszugehörigkeit verrät:

  • 41,3 Prozent der Erwerbstätigen ab 25 Jahren sind bereits seit mindestens zehn Jahren beim selben Arbeitgeber beschäftigt.

  • 20,1 Prozent halten ihrem Betrieb seit fünf bis zehn Jahren die Treue.

  • 38,6 Prozent sind weniger als fünf Jahre bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig.

Die Daten verdeutlichen, dass neben Flexibilität und Arbeitsbelastung für viele Arbeitnehmer in der Region und bundesweit Beständigkeit und ein verlässliches Arbeitsumfeld nach wie vor einen hohen Stellenwert besitzen.

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