Feierstunde
Zehn Jahre Rettungsdienst bei der Berufsfeuerwehr: Wie Wiesbaden die Notfallversorgung zukunftssicher gemacht hat
Ein rundes und geschichtsträchtiges Jubiläum im Zeichen der Sicherheit. Seit nunmehr zehn Jahren sind der öffentliche Rettungsdienst und die Medizinische Gefahrenabwehr in der hessischen Landeshauptstadt organisatorisch unter dem Dach der Berufsfeuerwehr Wiesbaden gebündelt. Was im Vorfeld politisch intensiv diskutiert wurde, feierte am Freitag ein stolzes Jubiläum. Im Rahmen einer feierlichen Stunde im Wiesbadener Rathaus zog Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende zusammen mit Spitzenvertretern aus dem Gesundheitswesen und der Gefahrenabwehr eine rundum positive Bilanz. Die damalige Zusammenlegung gilt heute als wegweisendes Fundament für eine moderne, zukunftsfähige Notfallversorgung der Bürger.
Symbolfoto
Es war eine der weitreichendsten Strukturreformen im städtischen Sicherheitsapparat. Im Jahr 2016 entschied der Wiesbadener Magistrat, den Rettungsdienst aus der Trägerschaft des Gesundheitsamtes zu lösen und ihn direkt mit der Feuerwehr zu vereinen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Aufgaben auf zwei völlig unterschiedliche Dezernate aufgeteilt.
„Damals wurde intensiv diskutiert, ob die Bündelung von Feuerwehr und Rettungsdienst der richtige Weg ist. Heute können wir sagen: Diese Entscheidung war richtig. Das Ziel war nie eine reine Organisationsänderung. Das Ziel war und ist eine leistungsfähige, moderne und zukunftsfähige Notfallversorgung für die Menschen in Wiesbaden. Und mit dieser Zusammenlegung wurde der Weg dafür geebnet“, betonte Wiesbaden Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende am Freitagm 26. Juni, vor den geladenen Gästen aus Politik, Kliniken, Verwaltung und Hilfsorganisationen in Rathaus.
Von „Mobile Retter“ bis „Hebamme vor Ort“ – Die Erfolgs-Projekte im Blick
Wie lebendig und innovativ diese enge Verknüpfung in der Praxis ist, verdeutlichte Mende anhand verschiedener, erfolgreicher Projekte, die in der vergangenen Dekade realisiert werden konnten:
In enger Kooperation mit dem Bereich „Selbstständiges Leben im Alter” des Amtes für Soziales wurde ein standardisiertes Verfahren entwickelt. Stellt die Besatzung eines Rettungswagens vor Ort bei Patienten akute soziale Bedarfe fest, können diese direkt an das Sozialamt gemeldet werden.
Mit der Einführung der Ersthelfer-App „Mobile Retter“ wurde ein digitales System etabliert. Es alarmiert bei Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand qualifizierte Ersthelfer in der direkten Umgebung, damit diese noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe leisten können.
Um die Versorgungssicherheit für werdende Mütter in der Landeshauptstadt weiter zu verbessern, startet noch im Sommer dieses Jahres das zukunftsweisende Projekt „Hebamme vor Ort“.
Mobile Spitzenmedizin und einheitlicher Look
Auch im Bereich der absoluten Hochleistungsmedizin wurden maßgebliche Impulse gesetzt. Durch das städtische Intensivtransportfahrzeug und die Kooperation mit den Helios HSK Kliniken wurde ein mobiles ECMO-Team ins Leben gerufen, das eine flexible medizinische Spitzenversorgung ermöglicht. Die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist eine technische Methode, um das Blut von Patienten mit schweren Lungen- oder Kreislaufbswegen künstlich über eine externe Maschine mit Sauerstoff anzureichern und die Kreislauffunktion zeitweise zu übernehmen.
Sichtbar wird die enge Allianz der Retter zudem im einheitlichen und professionellen Erscheinungsbild im Wiesbadener Stadtgebiet: Alle Rettungsmittel verfügen über ein identisches Fahrzeugdesign, die Einsatzkräfte tragen einheitliche Rückenschilder und das gemeinsame Logo „Rettungsdienst Wiesbaden“ stärkt das Vertrauen der Bürger sowie die Identifikation.
„Besonders in außergewöhnlichen Lagen zeigt sich die Stärke der integrierten Strukturen. Ob Großschadensereignisse, Pandemie oder komplexe Einsatzlagen: Eingespielte Abläufe, kurze Entscheidungswege und ein gemeinsames Lageverständnis sind in solchen Situationen von unschätzbarem Wert“, unterstrich auch Norbert Hagner, Leiter des Sachgebiets Rettungsdienst/Medizinische Gefahrenabwehr.
Zum Abschluss dankte OB Mende allen Beteiligten bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst, in der Zentralen Leitstelle, den Kliniken und Partnerorganisationen, deren tagtägliches Engagement das Fundament dieses Erfolges bilde.
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