Kriminalität

Coup gegen die Callcenter-Mafia: Anklage gegen 22-jährigen Logistiker nach 245.000-Euro-Betrug in Wiesbaden erhoben

Nach einem spektakulären Ermittlungserfolg im vergangenen Winter hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden nun offiziell Anklage gegen einen 22-jährigen Mann vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Wiesbaden erhoben. Der Angeschuldigte war im Dezember nach einem hinterhältigen Schockanruf in der Landeshauptstadt festgenommen worden, bei dem Einsatzkräfte die Rekordsumme von rund 245.000 Euro Bargeld sicherstellen konnten. Die folgenden, monatelangen Ermittlungen der Kriminalpolizei deckten nun das ganze, erschreckende Ausmaß auf: Der junge Mann soll als Kopf und Logistiker eines bundesweiten, aus dem Ausland gesteuerten Betrüger-Netzwerks agiert haben. Neben gewerbs- und bandenmäßigem Betrug wiegt ein weiterer Vorwurf besonders schwer – die Verabredung zu einem Mord.

Von: |Erschienen am: 26. Juni 2026 10:01|

Symbolfoto: Canva

Es war ein filmreifer Zugriff, der am Mittwoch, 10. Dezember letzten Jahres, gegen 13:53 Uhr die Handschellen klicken ließ. Eine Seniorin aus Wiesbaden war zuvor von skrupellosen Telefonbetrügern massiv unter Druck gesetzt worden. Nach der Übergabe von fast einer vierten Million Euro in bar griffen die alarmierten Einsatzkräfte der Wiesbadener Polizei zu und nahmen den damals 22-jährigen Mann, der aus dem Raum Dormagen stammt, direkt am Tatort fest. Seit diesem Fahndungserfolg sitzt der mutmaßliche Geldabholer ununterbrochen in Untersuchungshaft.

Führende Rolle in Deutschland – Logistiker rekrutierte weitere Bandenmitglieder

Die umfangreichen Ermittlungen, die unter der Federführung der Kriminalpolizei Wiesbaden und der Staatsanwaltschaft geführt wurden, zeichnen das Bild einer hochprofessionell organisierten Bande. Die Ermittler sind sich sicher: Der 22-Jährige war kein kleiner Laufbursche, sondern nahm innerhalb Deutschlands eine absolute Schlüsselposition in der kriminellen Bandenstruktur ein.

Als sogenannter Logistiker leitete er das inländische Netzwerk einer aus dem Ausland agierenden Betrügerbande und war aktiv dafür zuständig, weitere Bandenmitglieder für die kriminellen Machenschaften anzuwerben. Die Anklage wirft ihm nun gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in mehreren Fällen vor.

Bundesweite Opfer – 680.000 Euro Beute mit perfiden Maschen erzielt

Die Gruppierung ging nach den bekannten und psychologisch extrem raffinierten Maschen vor:

  • Der falsche Polizeibeamte: Am Telefon gaben sich Mittäter als Polizisten aus und behaupteten, das Ersparte der Opfer sei in Gefahr. Es müsse dringend an Beamte übergeben oder auf ein vermeintlich sicheres Konto transferiert werden.

  • Der falsche Rechtsanwalt: In anderen Fällen tarnten sich die Betrüger als Anwälte und forderten hohe Summen, um angeblich unmittelbar bevorstehende Zwangsvollstreckungen abzuwenden.

Im Zuge der akribischen Ermittlungsarbeit konnten der Gruppierung zahlreiche weitere Taten im gesamten Bundesgebiet zugeordnet werden. Betroffen waren unter anderem Opfer aus Köln, Bonn, Neuss, München, Gera, Coburg, Nordhorn und Neukirchen im Erzgebirge. Insgesamt soll die Bande allein im Zeitraum von Juni bis Dezember des vergangenen Jahres Vermögenswerte in Höhe von rund 680.000 Euro ergaunert haben.

Schockierender Zusatzvorwurf – Verabredung zum Mord in Köln

Der Fall nimmt durch die neue Anklageschrift eine noch düstere Wendung, weshalb der Prozess auch vor der Schwurgerichtskammer – die für Kapitalverbrechen zuständig ist – verhandelt wird. Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, sich im vergangenen Jahr mit weiteren Mittätern nicht nur zu einem Wohnungseinbruchsdiebstahl, sondern auch zu einem Mord in Köln verabredet zu haben.

Zur Ausführung dieses geplanten Tötungsdelikts kam es letztlich glücklicherweise nicht. Weitere Details zu den Hintergründen dieser Mordpläne hält die Staatsanwaltschaft Wiesbaden aufgrund des laufenden Verfahrens derzeit noch unter Verschluss.

Wichtiger Appell Ihrer Polizei – So schützen Sie sich vor den Tätern

Das Polizeipräsidium Westhessen und die Staatsanwaltschaft Wiesbaden nehmen diesen Fall zum Anlass, um die Bevölkerung in Wiesbaden und der Region erneut eindringlich zu warnen:

  1. Keine Wertübergabe: Die Polizei, Staatsanwaltschaften oder andere Behörden werden Sie niemals dazu auffordern, Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände an unbekannte Personen zu übergeben oder auf Konten zu überweisen.

  2. Keinen Druck zulassen: Lassen Sie sich am Telefon unter keinen Umständen unter Druck setzen.

  3. Auflegen und Wählen: Legen Sie im geringsten Zweifel einfach sofort auf und verständigen Sie die echte Polizei selbst über den Notruf 110.

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