Lindenkerb in Wiesbaden-Igstadt am Samstag, 20. Juni 2026 Teil I
Es war ein Kerbsamstag, der den Besucherinnen und Besuchern in Wiesbaden-Igstadt noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird – nicht nur wegen der Highlights auf der Bühne, sondern vor allem wegen des tiefen, spürbaren Zusammenhalts im gesamten Ort. Nach einem plötzlichen, tragischen Todesfall innerhalb der Kerbegesellschaft und der Dorfgemeinschaft war die Stimmung auf dem Festplatz am Samstag spürbar gedämpft. Die Trauer saß tief, und so begann der Kerbsamstag weit weniger unbeschwert als in den Vorjahren – aber mit einem unbezahlbaren Gefühl von Gemeinschaft. Doch anstatt das Fest abzusagen, entschieden sich die Veranstalter für einen bemerkenswerten Weg: Es war ein Abend des respektvollen Erinnerns, an dem intensiv an den jungen Menschen gedacht und das Traditionsfest unter dem Motto „Bagger(n) an der Linde“ in seinem Sinne würdevoll, aber gemeinschaftlich stark weitergeführt wurde. Trotz schwülheißer Tropentemperaturen strömten die Gäste zahlreich auf den Platz. Der Abend startete mit dem traditionellen Einmarsch der Kerbegesellschaft, der Rede des Kerbevadders und dem Fassbieranstich. Bei der liebevoll inszenierten Mini-Playbackshow zeigten die jüngsten Nachwuchsstars des Ortes ihr ganzes Können und zauberten den Gästen trotz der gedämpften Grundstimmung ein erstes Lächeln ins Gesicht. Als danach die Aktiven die Bühne übernahmen und den Platz unter dem Motto „Malle-Party“ in eine bunte Playback-Arena verwandelten, feierten die Zuschauer nicht einfach nur ausgelassen, sie feierten mit einem Gefühl der Dankbarkeit für den Moment. Die schrillen Kostüme und Ballermann-Klassiker brachten den dicht gefüllten Bereich um die Linde zum Beben, während im Hintergrund stets der tiefe Respekt vor dem Verlust spürbar blieb. Ab 22:00 Uhr verlagerte sich der Fokus des Festgeländes auf die sportliche Bühne. Das WM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste wurde per modernem Tageslichtbeamer live auf der Großbildleinwand sowie auf zusätzlichen Monitoren an der Linde übertragen. Bei fast tropischen Temperaturen in der Sommernacht, entwickelte sich das Spiel zu einem echten Nervenkrieg. Die ohnehin hochemotionale Grundstimmung auf dem Platz spiegelte sich in jeder Spielminute wider: Zwischen bangem Schweigen, lautem Aufstöhnen und dem kollektiven Daumendrücken lag eine fast greifbare Spannung in der Luft. Umso größer war die Erleichterung, als der erlösende Schiedsrichterpfiff den verdienten Sieg der deutschen Elf besiegelte. Dieser sportliche Erfolg setzte einem schweren, aber unendlich würdevollen und erfolgreichen Kerbsamstag die Krone auf. Igstadt hat bewiesen, dass Trauer und Lebensfreude, Tradition und tiefer Respekt Hand in Hand gehen können.