Wissenschaftsehrung

Forscher-Elite geehrt: Carol‑Nachman‑Preis 2026 geht nach Harvard und Colorado

In Wiesbaden sind am vergangenen Freitag herausragende Persönlichkeiten der internationalen Rheumatologie ausgezeichnet worden. Die Verleihung des Carol‑Nachman‑Preises 2026 würdigte Forschung, Engagement und neue Perspektiven für Patienten und offenbarte zugleich, welche Entwicklungen die Zukunft der Rheumamedizin prägen könnten.

Von: |Erschienen am: 21. Juni 2026 10:42|

Foto: Stadt Wiesbaden

Im Großen Festsaal des Wiesbadener Rathauses sind am Freitag, 19. Juni, der Carol‑Nachman‑Preis für Rheumatologie 2026 sowie die Carol‑Nachman‑Medaille verliehen worden.

Oberbürgermeister Gert‑Uwe Mende (SPD) und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr überreichten die Auszeichnungen im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung.

Dank an die Preisträger

In seiner Ansprache würdigte Mende das Engagement der Geehrten: „Vielen Dank für den unermüdlichen Einsatz für die Menschen mit rheumatischen Erkrankungen, die dank ihrer Forschungen neue Hoffnung schöpfen können. Danke dafür, dass sie mit ihrer Arbeit die Grenzen des Wissens erweitern und den Weg für bessere Therapien ebnen.“

Herausragende Forschung

Mit dem Carol‑Nachman‑Preis, der mit 37.500 Euro dotiert ist, wurden in diesem Jahr Prof. Daniel Solomon und Prof. Michael Holers ausgezeichnet. Prof. Solomon, tätig an der Harvard Medical School, erhielt die Ehrung für seine grundlegenden wissenschaftlichen Beiträge zum Verständnis des erhöhten kardiovaskulären Risikos bei entzündlich‑rheumatischen Erkrankungen.

Seine epidemiologischen Studien belegten, dass chronische Entzündungsprozesse maßgeblich zur Entstehung atherosklerotischer Erkrankungen beitragen. Zu seinen bedeutenden Leistungen zählen unter anderem die Entwicklung spezifischer Risikomodelle für rheumatische Erkrankungen sowie umfangreiche pharmakoepidemiologische Untersuchungen zur Sicherheit antirheumatischer und antiinflammatorischer Therapien. Darüber hinaus gelang ihm eine enge Verzahnung von klinischer Versorgung, Versorgungsforschung und Präventionsmedizin, die weltweit Einfluss auf die Behandlung rheumatischer Erkrankungen genommen hat.

Neue Perspektiven in der Autoimmunforschung

Prof. Michael Holers wurde für seine wegweisenden Arbeiten zur Komplement‑Immunbiologie und zu den frühen Stadien der rheumatoiden Arthritis geehrt. Seine Forschung hat das Verständnis von Autoimmunität nachhaltig geprägt. Holers untersuchte insbesondere das Zusammenspiel von angeborener und adaptiver Immunität sowie die Rolle der komplementvermittelten B‑Zell‑Aktivierung. Als Leiter der Rheumatologie an der University of Colorado School of Medicine baute er eines der international führenden Zentren für translationale Autoimmunforschung auf.

Seine Erkenntnisse zur gewebespezifischen Komplementhemmung beeinflussen bis heute die Entwicklung moderner Therapiekonzepte.Besonders bedeutsam war sein Beitrag zur Neubewertung der rheumatoiden Arthritis: Lange bevor Prävention ein zentrales Thema wurde, zeigte Holers, dass die Erkrankung bereits viele Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome beginnt. Damit legte er wichtige Grundlagen für Präzisionsmedizin und moderne Präventionsstrategien.

Engagement für die Patientenperspektive

Mit der Carol‑Nachman‑Medaille, die mit 2.500 Euro dotiert ist, wurden Maarten de Wit und Neil Betteridge ausgezeichnet. Maarten de Wit erhielt die Ehrung für sein jahrzehntelanges Engagement in der internationalen Patientenvertretung. Seit dem Jahr 2000 setzt er sich auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene für die Belange von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen ein.

Als Vizepräsident der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) im Auftrag von PARE sowie durch seine Mitwirkung bei OMERACT trug er entscheidend dazu bei, Ergebnisparameter in der Forschung stärker an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten auszurichten. Zudem schulte er mehr als 600, Patientenvertreter und Forscher für die aktive Beteiligung an kooperativen Forschungsprozessen.

Einsatz für internationale Patientengemeinschaft

Neil Betteridge wurde für sein langjähriges und unermüdliches Engagement für Menschen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen ausgezeichnet. Als Vizepräsident der EULAR im Namen der PARE prägte er die Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung der Organisation maßgeblich.

Mit großer Überzeugungskraft und Weitblick setzt er sich bis heute für strategische Gesundheitsfragen aus Sicht der Patienten ein und stärkte die internationale Patientengemeinschaft nachhaltig.

Geschichte und Bedeutung des Preises

Der Carol‑Nachman‑Preis und die Carol‑Nachman‑Medaille erinnern an ihren Stifter, den langjährigen Spielbank‑Konzessionär und Wiesbadener Ehrenbürger Carol Nachman. Gemeinsam mit dem Rheumatologen Prof. Klaus Miehlke und Bürgermeister Alfred Herbel rief er den Medizinpreis für Forschung vor 54 Jahren ins Leben.

Seit 1972 wurden mehr als 80 international renommierte Wissenschaftler geehrt. Die Spielbank Wiesbaden finanziert den Preis bis heute und stellte im Laufe der Jahre über 2,1 Millionen Euro bereit, um die Forschung gegen rheumatische Erkrankungen zu unterstützen. Der Carol‑Nachman‑Preis und das begleitende Symposium werden von AbbVie Deutschland unterstützt, einem patientenzentrierten BioPharma‑Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!