Weinfest 2026

Aus für Weinfest-Kult: Warum „Krüger Rockt!“ dieses Jahr überraschend fehlt

Über zwei Jahrzehnte gehörte „Krüger Rockt!“ zu den festen Größen des Wiesbadener Weinfests. Umso größer ist die Überraschung, dass die Kultband 2026 nicht mehr Teil des Programms ist. Für viele Besucher bedeutet dies den Verlust eines vertrauten Höhepunkts. Bleibt es bei einer Pause oder endet damit eine langjährige Tradition?

Von: |Erschienen am: 13. Juli 2026 12:01|

Fotos: Krüger Rockt!

Zu den besonderen Momenten der Rheingauer Weinwoche gehörten für viele Besucher die Auftritte von „Krüger Rockt!“. Mit energiegeladenem Rock’n’Roll der 50er- und 60er-Jahre und einer leidenschaftlichen Bühnenshow riss die Band Jahr für Jahr die Menschen vor dem Wiesbadener Rathaus mit.

Menschen verbinden

Wenn die Musiker zum Abschluss traditionell „Que Sera“ von Doris Day anstimmten, verwandelte sich der Platz regelmäßig in einen vielstimmigen Chor. Fremde und Freunde, Jung und Alt, Wiesbadener und Gäste aus aller Welt lagen sich in den Armen und ließen mit Schlagzeuger Walt Bender als Taktgeber ihrer Lebensfreude freien Lauf.

Bei diesen Erlebnissen konnte man spüren, welche einzigartige Energie und Ausgelassenheit eine Band bei den Menschen entfalten kann und mit welcher Hingabe die Musiker um Pianist Harald Krüger jeden einzelnen Song zum Leben erwecken. Sie spielten ihre Stücke nicht einfach nur herunter. Sie lebten sie auf der Bühne. Das machte ihre Auftritte so besonders.

Ein Stück Weinfest-Geschichte endet

Mit ihrer unverwechselbaren Performance haben sich die Musiker über viele Jahre in die Herzen zahlreicher Wiesbadener gespielt und Kultstatus erreicht. Viele Stammbesucher der Weinwoche hatten den Auftrittstag von „Krüger Rockt!“ fest in ihrem Kalender vermerkt, um sich mit Freunden zu treffen und gemeinsam diesen besonderen Moment zu erleben. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Während des Biebricher Höfefests Ende Mai, bei dem die Band im Hof der Familie Döcke auftrat, wurde überraschend bekannt, dass „Krüger Rockt!“ in diesem Jahr nicht mehr Teil des Weinfestprogramms sein wird. Damit geht für viele Besucher mehr verloren als nur ein Programmpunkt: Ein Stück gelebte Weinfest-Tradition fehlt.

Was ist passiert?

Verantwortlich für die Organisation des Weinfests ist die Wiesbaden Congress & Marketing GmbH (WICM). Die Leistungen für Bühnen- und Musiktechnik sowie die Verpflichtung der Künstler werden von ihr öffentlich ausgeschrieben. „Den Zuschlag erhält der Anbieter mit dem günstigsten Angebot“, erläutert Frank Wistuba, Geschäftsführer der bei der Ausschreibung erfolgreichen Agentur Palast Promotion. Die WICM behält sich dabei jedoch ein Mitspracherecht in Bezug auf die Programmgestaltung vor.

Wistuba weiter: „Wir konnten uns in diesem Jahr mit Krüger Rockt! nicht einigen, weil wir die Gage mit dem von uns veranschlagten Budget nicht realisieren konnten. Es hat wirtschaftliche Gründe.“ Ob das von der WICM für das Weinfest zur Verfügung gestellte Gesamtbudget im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben ist, reduziert oder erhöht wurde, möchte Wistuba aus geschäftspolitischen Gründen nicht offenlegen.

Platz für neue Bands

Gesine Ziemer von WICM erklärt auf unsere Bitte um Stellungnahme: „Uns ist bewusst, dass „Krüger Rockt!“ über viele Jahre hinweg fester Bestandteil des Programms war und von vielen Besucherinnen und Besuchern geschätzt wurde. Wenn wir mal die Perspektive wechseln, dann ist es so, dass wir jedes Jahr zahlreiche Bewerbungen von Bands, darunter auch viele aus Wiesbaden und der Region, erhalten, die ebenfalls gerne die Chance hätten, auf unseren Veranstaltungen aufzutreten. Wenn bestehende Programmslots dauerhaft unverändert bleiben, entstehen kaum Möglichkeiten, neue Künstlerinnen und Künstler einzubinden.

Gleichzeitig möchten wir bei unseren Festen auch eine musikalische Vielfalt ermöglichen und das Programm regelmäßig weiterentwickeln. Das ist quasi die andere Seite der Medaille. Deshalb ist es uns wichtig, neben bewährten Formaten auch wechselnde Programmpunkte zuzulassen und dadurch ein abwechslungsreiches Angebot für unterschiedliche Zielgruppen zu schaffen.“

Budget entscheidet Programm

Weiter erklärt Ziemer: „Das ist aber in diesem Fall nicht der ausschlaggebende Grund, sondern eher als Randnotiz zu verstehen. Der Grund ist, dass die Bedingungen in Bezug auf Budget und Auftrittlot nicht überein gestimmt haben.

Wir können die Enttäuschung über die Entscheidung gut nachvollziehen, bitten aber zugleich um Verständnis, dass bei der Zusammenstellung des Musikprogramms viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, insbesondere bei steigenden Ausgaben und angespanntem Budget. Ziel ist es, ein abwechslungsreiches und gutes Musikprogramm für Jedermann weiterhin und auch in den kommenden Jahren zu gewähren.“

Enttäuschung bei „Krüger Rockt!“

Die Band teilt auf unsere Anfrage mit: „Wir bedauern außerordentlich, dass man Krüger Rockt! in diesem Jahr nicht bei der Programmgestaltung der Rheingauer Weinwoche berücksichtigt hat. Sehr gerne wären wir aufgetreten, auch weil sich über die vielen Jahre eine ganz besondere Beziehung zu dem Wiesbadener Publikum entwickelt hat. Dies gilt übrigens auch für den mittlerweile schon traditionellen Auftritt von Harald Krüger (Solo) vor der Marktkirche..“

Weiter erklären die Musiker: „Als Berufsmusiker, die ausschließlich von unseren Auftritten leben, überlassen wir nichts dem Zufall: Jede Show und jeder Ton sind zu 100 Prozent handgemacht, hochprofessionell und präzise durchdacht, um uns ein klares Alleinstellungsmerkmal zu sichern. Das positive Publikumsfeedback bestätigt unseren Kurs, dennoch bleiben wir in jedem Moment extrem selbstkritisch. Für uns zählt maximale Qualität, denn sie ist das einzige Fundament, um sich dauerhaft und nachhaltig Bühnen zu erspielen.“

DJ statt Liveband

Zu den Ursachen des Ausscheidens aus dem Programm erklärt Harald Krüger: „Als Gründe für die Nichtberücksichtigung in diesem Jahr wurde uns gegenüber zu erkennen gegeben, dass man seitens der Stadt und der ausschenkenden Winzer mehr auf DJs und auf neue Acts, bevorzugt Wiesbadener Bands setzen wolle. Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen können wir die Aussage in Bezug auf die Weingüter nicht nachvollziehen. Wir stehen mit zahlreichen Standbetreibern in engem Austausch und erhalten nach unseren Auftritten regelmäßig äußerst positives Feedback. Dabei hören wir immer wieder, dass sich unsere Konzerte auch positiv auf die Umsätze ausgewirkt haben.“

Weiter teilt der Pianist mit: „Seitens unsere Anhängerschaft geht gerade ein regelrechtes Bombardement von Nachrichten auf uns nieder, warum wir nicht auf der Rheingauer Weinwoche spielen, und es fällt mir offengesagt schwer, hier eine passende Antwort zu finden, außer „es tut uns leid“, „ich verstehe es auch nicht“, „man will andere Wege gehen“, „man will mehr DJs“ … . Alles keine Antworten, die unsere Freunde auch nur im Ansatz zufriedenstellen. Aber es ist leider so“, zeigt sich der Kopf der Band enttäuscht.“

Komplexe Kommunikation

„Ob auch wirtschaftliche oder finanzielle Erwägungen eine Rolle gespielt haben, kann ich nicht beurteilen. Uns gegenüber wurden sie jedenfalls nicht als ausschlaggebender Grund genannt. Derartige, etwaige Probleme hätten mit uns auf kürzestem Dienstweg schnell beseitigt werden können, nicht zuletzt da wir gerade mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der Palast Promotion, Frank Wistuba, ein sehr gutes, vertrauensvolles Verhältnis haben. Wann immer in der Vergangenheit Handlungsbedarf bestand, konnten wir offene und konstruktive Gespräche führen und gemeinsam Lösungen finden, die für beide Seiten tragfähig waren.

In diesem Jahr verlief die Kommunikation jedoch über mehrere Ansprechpartner innerhalb der Palast Promotion. Aus unserer Sicht hat dies den Abstimmungsprozess erschwert. Wir können uns vorstellen, dass dadurch ein abschließendes Gespräch letztlich nicht zustande kam und möglicherweise nicht zu jedem Zeitpunkt allen Beteiligten sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen in vollem Umfang vorlagen.“

Hoffen auf 2027

„Sollte sich dieser neue Trend bei der Programmgestaltung in den kommenden Jahren fortsetzen, wäre das aus unserer Sicht eine äußerst bedauerliche Entwicklung. Wir wünschen uns, dass künftig wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, was die langjährige Zusammenarbeit und das gegenseitige Miteinander auszeichnet. Deshalb blicken wir trotz allem mit Zuversicht nach vorn, vielleicht schon mit Blick auf das Jahr 2027“, erklärt die Band abschließend.

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