Bildungsprojekt

Ritterschlag fürs Lesen: Kinder zeigen, wie stark Geschichten machen

185 Wiesbadener Kinder haben im Rathaus einen ganz besonderen Ritterschlag erhalten, nicht für Tapferkeit im Kampf, sondern für Mut, Stimme und Fantasie. Beim Abschluss des Projekts „Leseritter“ zeigten sie, wie lebendig Geschichten werden können.

Von: |Erschienen am: 12. Juni 2026 16:58|

Symbolfoto: Canva

Im Wiesbadener Rathaus sind am Mittwoch 185 Kinder aus fünf Grundschulen sowie einer weiterführenden Schule feierlich zu Leserittern ernannt worden.

Die Auszeichnung markierte den Abschluss des Leseförderprojekts der Wiesbaden Stiftung, das darauf abzielt, Lesekompetenz, Ausdrucksstärke und Selbstvertrauen junger Schüler zu stärken. Den traditionellen Ritterschlag übernahm Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD).

Bedeutung des Lesens hervorgehoben

Mende erinnerte die Kinder an die besondere Kraft des Lesens: „Wenn man liest, entstehen eigene Bilder im Kopf, anders als wenn man Videos anschaut,“ sagte er. „Das fördert die Fantasie und das ist eine wichtige Fähigkeit im Leben.“

Er rief die Schüler dazu auf, die Angebote der Schul- und Stadtbibliotheken zu nutzen. Auch Alrun Schößler, Vorsitzende der Wiesbaden Stiftung, unterstrich die Zielsetzung des Projekts: „Natürlich wünschen wir uns, dass die neuen Leseritter ihre gewonnenen Kompetenzen auch weiter ausbilden und zum Beispiel in den Sommerferien die Zeit finden zu lesen. Dranbleiben ist jetzt wichtig.“

Acht Einheiten  Geschichten und Übungen

Das Projekt wird gemeinsam mit Lehrkräften und Schulen umgesetzt. Über acht Unterrichtseinheiten à 45 Minuten lernen die Kinder, Texte lebendig vorzutragen und Geschichten mit ihrer Stimme zum Leben zu erwecken.

Die Klassen werden dafür in drei Gruppen aufgeteilt und nacheinander von angehenden Schauspielerinnen und Schauspielern der Wiesbadener Schule für Schauspiel, den sogenannten Vorlesecoaches, betreut. Gleichzeitig werden die Lehrkräfte entlastet.

Feierlicher Höhepunkt im Rathaus

Der Abschluss im Rathaus gehört für viele Kinder zu den eindrucksvollsten Momenten: Auf einem roten Teppich kniend und begleitet von Trompetenklängen erhalten sie ihren symbolischen Ritterschlag.

Dazu gibt es eine Urkunde und eine kleine Überraschung. Besonders beliebt ist die Lesevorführung der Kinder. In diesem Jahr las unter anderem Elisa Grimble von der Grundschule Nordenstadt aus dem Buch Die Sockensuchmaschine von Knister.

Mehr Selbstvertrauen durch gemeinsames Üben

Niclas Brück, der an der Goetheschule und der Hafenschule eingesetzt war, schilderte seine Eindrücke:
„Während einige zu Beginn noch Hemmungen hatten, vor anderen laut vorzulesen, sind alle im Verlauf des Projekts zunehmend selbstbewusster geworden. Am Ende waren dann alle sicherer und haben frei und offen vorgetragen.“

Freude am Spiel mit Sprache

Alina Lieverz, die die Johannes-Maaß-Schule und die Grundschule Nordenstadt betreute, hob die spielerische Herangehensweise hervor. Bewertungsdruck spiele keine Rolle, stattdessen stünden Methoden wie Lesetheater, Stimm- und Sprechübungen im Mittelpunkt.

„Besonders auf die Spiele haben die Kinder sich immer sehr gefreut. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit den Kindern zu arbeiten. Wir sind richtig zusammengewachsen.“

Projekt mit nachhaltiger Wirkung

Die Wiesbaden Stiftung hat das Projekt ins Leben gerufen, um Kindern den Zugang zu Sprache und Bildung zu erleichtern. Studien zeigen seit Jahren, dass viele Schüler Schwierigkeiten beim Lesen haben.

Das Programm setzt genau dort an: Es fördert Lesefreude, Sprachkompetenz und Selbstbewusstsein gleichermaßen. Zudem erfahren die Kinder, dass ihre Stimme zählt und Vorlesen Spaß machen kann.

Beteiligte Schulen und Finanzierung

In diesem Jahr nahmen die Goetheschule, die Hafenschule, die Blücherschule, die Johannes-Maaß-Schule, die Grundschule Nordenstadt sowie die Lese-AG der Gutenbergschule teil.

Finanziert wird das Leseförderprojekt durch Spenden von Wiesbadener Bürgern, dem Inner Wheel Club Wiesbaden sowie der vrm Stiftung. Eine Fortführung des Leseritter-Projekts zur Förderung der Lesekompetenz von Kindern ist geplant, hängt jedoch von weiteren Spenden ab. Pro Klasse entstehen Kosten von rund 1.400 Euro.

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