Rote Karte für Raser
Hochmotorisierter Autokorso bremst Verkehr auf der A66 und dem Ersten Ring aus
Gefährliche Szenen und massive Verkehrsbehinderungen im dichten Feierabendverkehr am vergangenen Freitag. Mehrere, zum Teil extrem hochmotorisierte Sportwagen und Luxusautos haben auf der Autobahn 66 und im Wiesbadener Stadtgebiet für Chaos gesorgt. Ein illegaler Autokorso drängte unbeteiligte Autofahrer ab, vollführte riskante Manöver und schwenkte während der Fahrt großflächig Fahnen. Am Ersten Ring machte die Polizei dem Spuk schließlich ein jähes Ende. Auf die Fahrer warten nun empfindliche Strafverfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr.
Symbolfoto
Auf der vielbefahrenen Pendlerstrecke der Autobahn 66 von Frankfurt in Richtung Wiesbaden kam es am späten Freitagnachmittag zu gefährlichen Beinahe-Unfällen. Um etwa 16:50 Uhr ging bei der Autobahnpolizei Wiesbaden die erste Alarmmeldung ein. Auf der A66 in Höhe der Anschlussstelle Wiesbaden-Nordenstadt blockierte eine Kolonne aus teuren Nobelkarossen die Fahrspuren in Fahrtrichtung der hessischen Landeshauptstadt.
Riskante Manöver im Berufsverkehr – Fahrer mussten Vollbremsungen einlegen
Die Teilnehmer des Korsos gingen bei ihrer Fahrt absolut rücksichtslos vor. Aus den Fenstern der fahrenden Autos heraus wurden großflächig Flaggen geschwenkt. Um die Kolonne künstlich zusammenzuhalten und sich gegenseitig Platz zu verschaffen, wechselten die Fahrzeugführer permanent und in aggressiver Weise die Fahrstreifen. Auf den vorschriftsmäßigen Einsatz des Blinkers wurde dabei komplett verzichtet, ebenso wie auf den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsabstand.
Dieses rücksichtslose Verhalten hatte im dichten Berufsverkehr unweigerlich dramatische Folgen: Mehrere unbeteiligte Verkehrsteilnehmer wurden von den Luxuswagen regelrecht geschnitten und mussten teils heftige Vollbremsungen einlegen, um schwerwiegende Unfälle auf der Autobahn zu verhindern.
Großkontrolle am Ersten Ring: Polizei stoppt die Nobelkarossen
Die Fluchtwege der PS-Protze blieben jedoch überschaubar. Die Leitstelle der Wiesbadener Polizei koordinierte umgehend mehrere Streifenwagen, um den Autokorso beim Verlassen der Autobahn im Stadtgebiet abzufangen. Mit Erfolg: Auf dem Ersten Ring in der Wiesbadener Innenstadt schlugen die Beamten zu und stoppten die gesamte Kolonne mitten auf der Straße.
Die Polizisten riegelten den Bereich ab und unterzogen alle beteiligten Fahrzeuge sowie deren Insassen einer umfassenden Kontrolle. Dabei wurden sowohl die amtlichen Kennzeichen der teilweise gemieteten oder getunten Boliden als auch die Personalien aller Fahrzeugführer lückenlos erhoben und dokumentiert.
Strafverfahren eingeleitet – Zeugen und Geschädigte dringend gesucht
Die Quittung für den illegalen Feierabend-Korso folgte noch vor Ort. Die Beamten fertigten eine umfangreiche Strafanzeige wegen gefährlicher Nötigung im Straßenverkehr gegen die jeweiligen Fahrer aus. Neben empfindlichen Geldstrafen drohen den Beschuldigten nun auch Fahrverbote oder der temporäre Entzug der Fahrerlaubnis.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht zur Rekonstruktion der Fahrtstrecke dringend nach weiteren Augenzeugen. Die Ermittler fragen: Wer war am Freitagnachmittag auf der A66 zwischen Nordenstadt und Wiesbaden oder später auf dem Ersten Ring unterwegs und wurde von den Fahrzeugen des Korsos gefährdet, ausgebremst oder genötigt? Wer hat Fotos oder Dashcam-Aufnahmen von den beteiligten Wagen und den geschwenkten Fahnen gemacht?
Sachdienliche Hinweise und Zeugenaussagen werden unter der zentralen Rufnummer 0611 / 345-0 entgegengenommen.
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