Smart City

Neue Deutschland‑App: Bund wählt Wiesbaden als Modellkommune aus

Wiesbaden gehört jetzt zu den ersten Städten, die die neue Deutschland‑App des Bundes in der Praxis testen. Die Anwendung soll Verwaltungswege vereinfachen und wird nun Schritt für Schritt unter realen Bedingungen erprobt.

Von: |Erschienen am: 5. Juni 2026 11:41|

Symbolfoto: Canva

Die Landeshauptstadt Wiesbaden gehört zu den sechs Städten, die als Pilotkommunen für die neue Deutschland‑App des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung ausgewählt wurden.

Neben der hessischen Landeshauptstadt beteiligen sich Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg und Nürnberg an dem Vorhaben. Ziel ist es, digitale Verwaltungsleistungen künftig einfacher, verständlicher und alltagstauglicher zu gestalten.

Testfeld für digitale Verwaltungswege

Mit der App soll erprobt werden, wie Bürger Verwaltungsleistungen direkt über eine Anwendung nutzen und Anträge digital stellen können. Erstmals kommt dabei auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz.

In der Testphase werden verschiedene Anwendungsfälle geprüft, darunter die Weiterbewilligung von Kindergeld und das Wohngeld. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen unmittelbar in die Weiterentwicklung des Prototyps einfließen.

Erfahrungen aus Wiesbaden fließen ein

„Dass Wiesbaden als Pilotkommune für die Deutschland-App ausgewählt wurde, ist ein starkes Signal. Wir konnten in der Vergangenheit zeigen, dass digitale Verwaltung dann funktioniert, wenn sie aus Sicht der Menschen gedacht wird. Es geht nicht darum, bestehende Formulare einfach auf ein Smartphone zu übertragen.

Verwaltung soll so gestaltet werden, dass sie verständlich, erreichbar und im Alltag wirklich hilfreich ist. Genau deshalb ist diese Pilotphase für Wiesbaden so wichtig: Wir bringen unsere praktische Erfahrung ein und helfen mit, digitale Services des Staates von Anfang an nutzenorientiert zu entwickeln“, sagt Maral Koohestanian (VOLT), Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

Digitale Vorreiterrolle ausgebaut

Die Stadt bringt umfangreiche Expertise aus eigenen Digitalisierungsprojekten ein. Wiesbaden war bundesweit die erste Behörde, die eine Online‑Anmeldung zur Eheschließung ermöglichte. Auch die digitale Wohnsitzmeldung mit Videoident wurde früh eingeführt und mit dem Digital‑Award 2024 ausgezeichnet.

Mit dem Zukunftswerk verfügt die Stadt zudem über einen Ort, an dem digitale Angebote gemeinsam mit Bürgern getestet und weiterentwickelt werden. Der Passierschein A38 zeigt darüber hinaus, wie digitale Verwaltung niedrigschwellig und mit einem Augenzwinkern erlebbar gemacht werden kann.

Bund setzt auf moderne Plattform

Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, betont: „Unser Ziel ist eine Verwaltung, die für die Menschen so einfach funktioniert wie ein moderner Online-Dienst: intuitiv, schnell und jederzeit erreichbar.

Mit einer KI-gestützten, modularen Plattform und der zugehörigen Deutschland-App schaffen wir dafür die Grundlage – offen, anschlussfähig und integriert in den Deutschland-Stack.“

Begrenzte Testphase geplant

Der erste Prototyp der App steht kurz vor der Fertigstellung. Anschließend soll er gemeinsam mit den Pilotkommunen unter realen Bedingungen getestet werden. Dabei handelt es sich ausdrücklich noch nicht um ein fertiges Produkt.

Zunächst wird die Anwendung nur einem kleinen Kreis von Nutzerinnen und Nutzern zugänglich sein. Die App ist derzeit nicht in App‑Stores verfügbar. Der Zugang bleibt zeitlich begrenzt und ausschließlich den Pilotkommunen vorbehalten. Ein konkreter Starttermin wird später gemeinsam mit dem BMDS festgelegt.

Bedeutung für die kommunale Praxis

„Für uns ist digitale Verwaltung kein Selbstzweck. Ein guter Service spart Zeit, nimmt Hürden und schafft Vertrauen. Bürgerinnen und Bürger sollen nicht wissen müssen, welches Amt, welche Ebene oder welche Zuständigkeit hinter einem Anliegen steht. Sie sollen einfach und sicher zu ihrem Ziel kommen.

Die besten digitalen Lösungen entstehen nicht am Reißbrett, sondern im echten Leben. Deshalb ist es richtig, Kommunen früh einzubinden. Genau diese Perspektive bringen wir als Wiesbaden ein“, so Koohestanian.

Handeln statt reden

Mit der Teilnahme am Pilotprojekt unterstreicht Wiesbaden erneut seinen Anspruch, Verwaltungsmodernisierung nicht nur zu diskutieren, sondern digitale Verwaltung aktiv zu gestalten.

Das Dezernat für Smart City, Europa und Ordnung wird den Prozess eng begleiten und die Erfahrungen aus der kommunalen Praxis in die Weiterentwicklung der Deutschland‑App einbringen.

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