Bildung
Schulplatz-Losverfahren in der Kritik: Viele Familien fühlen sich im Stich gelassen
In Wiesbaden sorgt das neue Vergabeverfahren für weiterführende Schulen für wachsende Unruhe. Obwohl genügend Plätze vorhanden wären, landen zahlreiche Kinder nicht dort, wo sie eigentlich hinwollen. Gewerkschaften sehen in dem Losverfahren viel Sprengkraft und gehen in die Diskussion.
Symbolfoto: Canva
Im Schulamtsbezirk Wiesbaden haben rund 10 Prozent der Schüler ihren Erstwunsch für eine weiterführende Schule nicht erhalten. Was zunächst nach einer kleinen Quote klingt, wirkt bei genauerem Hinsehen deutlich gravierender.
grundsätzlich verfügt Wiesbaden über ausreichend Plätze, um allen Kindern einen Schulplatz zu ermöglichen. Dass dennoch so viele Erstwünsche scheitern, zeigt, wie problematisch die gewählte Bezugsgröße ist.
Hunderte Kinder betroffen
Rechnet man anders, ergibt sich ein deutlich anderes Bild: Unter denjenigen, deren Erstwunsch nicht erfüllt wurde, erhielten 60 Prozent zumindest ihren Zweit- oder Drittwunsch. Umgekehrt bedeutet dies jedoch, dass 40 Prozent weder an ihrer Erst-, Zweit- noch Drittwunschschule aufgenommen wurden.
Für die betroffenen Familien bleibt die statistische Darstellung ohne Trost. In absoluten Zahlen sind es Hunderte Kinder.
Reaktionen und Kritik
Das Staatliche Schulamt lobt das neue Verfahren und verweist auf die Mitwirkung der Eltern. Doch diese Darstellung deckt sich nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Kreisverband Wiesbaden-Rheingau nicht mit der Realität vieler Betroffener.
Dort melden sich zunehmend Eltern, die sich gegen die Entscheidungen wenden. Manche Familien hätten sich sogar bewusst für eine Privatschule entschieden, um der „Lotterie“ des staatlichen Verfahrens zu entgehen. Immer wieder sei von Hilflosigkeit die Rede, die das neue System auslöse.
Glück oder Pech
Das neu eingeführte Losverfahren wird von Kritikern als Aufgabe jeder nachvollziehbaren Entscheidungsgrundlage bewertet. Weder Schulweg noch Schulprofil oder bestehende Freundschaften spielten eine Rolle. Stattdessen entscheide reines Glück oder Pech.
„Staatliches Handeln verabschiedet sich zugunsten eines Glücksspielverfahrens!“, so Manon Tuckfeld vom Vorstand der GEW Wiesbaden-Rheingau. Das Verfahren sei nicht überprüfbar, kaum kritisierbar und solle offenbar einfach hingenommen werden.
Verteilung nach dem Losverfahren
Laut Medien wurden jene vier beziehungsweise vierzig Prozent der Schüler, die nicht über das Losverfahren vermittelt werden konnten, anschließend in einem Abstimmungsprozess unter den Schulleitungen verteilt. Ob dabei pädagogische Kriterien eine Rolle spielten, bleibt offen.
Forderung nach nachvollziehbaren Entscheidungen
Eine funktionierende Schulaufsicht müsse Entscheidungen zur Schulplatzvergabe für weiterführende Schulen transparent und pädagogisch begründet treffen können und zwar für jeden einzelnen Fall.
Die Wiesbadener Schulaufsicht hingegen feiere das Losverfahren als endgültige Lösung. Aus Sicht der GEW ist das ein Armutszeugnis. Die Folgen tragen nun Eltern und Kinder.
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