Feuerwehreinsätze
Großer Wohnungsbrand, Lkw-Crash auf der A3 und weggespülte Riesen-Rohre im Rhein
Das war ein absoluter Ausnahmezustand für die Wiesbadener Rettungskräfte am Dienstag. Ein heftiges Unwetter gegen Mittag sorgte in Kombination mit schweren Unfällen und Bränden für eine dramatische Einsatzwelle im gesamten Stadtgebiet. Die Leitstelle meldete zeitweise den Notstand bei den Führungskräften, sodass zusätzliche Kapitäne aus der Freizeit alarmiert werden mussten. Zwischen Wohnungsbränden und überfluteten Kellern kam es auf dem Rhein zudem zu einer filmreifen Bergungsaktion von weggespülten Riesen-Rohren.
Foto: Feuerwehr WIesbaden
Wenn alles auf einmal kommt: Von der Mittagszeit bis in den späten Nachmittag am Dienstag, 2. Juni, hinein liefen die Telefone in der Wiesbadener Rettungsleitstelle heiß. Insgesamt 19 Feuerwehr- und stolze 140 Rettungsdiensteinsätze mussten die Retter allein zwischen 07:00 und 17:30 Uhr koordinieren. Das Zusammenspiel aus schweren Unglücksfällen und plötzlich einsetzendem Starkregen forderte sowohl der Berufsfeuerwehr als auch zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren alles ab.
Stundenlanger Großeinsatz in Dotzheim – Flammen im 5. Obergeschoss
Der heftigste Zwischenfall ereignete sich um 12:24 Uhr im Stadtteil Dotzheim. Dort schlug ein Brand im fünften Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses Alarm. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte der Feuerwache 1 und der Freiwilligen Wehr Dotzheim drang bereits dichter, rabenschwarzer Brandrauch aus den Fenstern und flutete den gesamten Flurbereich.
Unter schwerem Atemschutz kämpfte sich ein Trupp mit einem Strahlrohr in die Brandwohnung vor, in der Möbel und Einrichtungsgegenstände lichterloh brannten. Die giftigen Gase hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits über das sechste bis in das siebte Obergeschoss ausgebreitet. Glück im Unglück, niemand wurde verletzt. Die aufwendigen Nachlösch-, Entrauchungs- und Belüftungsarbeiten zogen sich jedoch bis kurz nach 16:00 Uhr hin.
Balkonbrand in der Wiesbadener Landstraße
Während dieser Einsatz in Dotzheim noch lief, wurden Kräfte der Feuerwachen 2 und 3 sowie die Freiwilligen Wehren Kastel und Biebrich zu einem Brand auf einem Balkon in der Wiesbadener Landstraße in Amöneburg alarmiert. Dort hatte im 3. Obergeschoss eine Fritteuse Feuer gefangen.
Die Feuerwehr brachte eine tragbare Leiter in Stellung und führte Nachlöscharbeiten durch. Die betroffene Wohnung blieb trotz gekippter Fenster von dem Brand weitgehend verschont.
Geruch in der Prinzessin-Elisabeth-Straße
Ein weiterer Einsatz folgte um 13:49 Uhr in der Prinzessin-Elisabeth-Straße in Mainz-Kastel. Anwohner hatten dort einen beißenden Geruch im Keller bemerkt. Zunächst wurde eine größere weiße Rauchwolke festgestellt, die sich später als Wasserdampfabgabe einer Montagefirma herausstellte.
Bei den Bauarbeiten am Kanalsystem waren Epoxidharzdämpfe im Gebäude freigesetzt worden. Die Feuerwehr überprüfte den Bereich mit Atemschutz und Messgeräten, wobei geringe Konzentrationen von Gasen nachgewiesen wurden. Das Gebäude wurde belüftet. Da beide Einsatzleitdienste bereits gebunden waren, kam zusätzlich der Direktionsdienst der Berufsfeuerwehr zum Einsatz. Der Einsatz war um 15:30 Uhr beendet.
Brummi-Crash auf der A3 und Geister-Unfall auf der Gegenfahrbahn
Kaum waren die ersten Brände gelöscht, krachte es um 13:42 Uhr auf der Autobahn A3. Zwischen der Anschlussstelle Wiesbaden und dem Frankfurter Kreuz waren zwei Lastwagen ineinandergekracht. Die Wachen 2 und 3 sicherten die Unfallstelle ab, während ein leicht verletzter Lkw-Fahrer vom Rettungsdienst versorgt wurde.
Kurios: Auf dem Rückweg von diesem Unfall entdeckten die Feuerwehrleute auf der Gegenfahrbahn einen weiteren, frischen Crash. Nach einer kurzen Überprüfung konnte die Feuerwehr hier jedoch Entwarnung geben – die Autobahnmeisterei übernahm die Absicherung.
Große Jagd auf dem Rhein – Riesen-Rohre im Salzbach weggespült
Eine absolut nicht alltägliche und hochkomplexe Hilfeleistung musste zeitgleich auf dem Rhein abgearbeitet werden. Der sintflutartige Starkregen spülte auf einer Großbaustelle am Salzbach in Biebrich zehn massive Kunststoffrohre weg. Jedes dieser Rohre war stolze sechs Meter lang und hatte einen Durchmesser von 80 Zentimetern.
Die tonnenschweren Rohre wurden durch die Wassermassen ungebremst in den Salzbach und schließlich in den Rhein geschwemmt – eine lebensgefährliche Barriere für die Berufsschifffahrt. Die Werkfeuerwehr der InfraServ Wiesbaden entdeckte die Rohre auf einer Videoüberwachung und schlug um 13:31 Uhr Alarm.
In einer groß angelegten Gemeinschaftsaktion rückten die Berufsfeuerwehr, die Freiwilligen Feuerwehren aus Schierstein und Kostheim mit einem Mehrzweckboot sowie die Wasserschutzpolizei aus. Zusammen mit einem Kranschiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes und dem großen Feuerlöschboot Mainz/Wiesbaden gelang es den Einsatzkräften unter hohem Kraftaufwand, alle zehn Rohre aus den Fluten zu bergen und sicher an Land zu bringen. Die Revierzentrale Oberwesel musste die Schifffahrt auf dem Rhein währenddessen permanent warnen.
Unwetter-Flut – Freiwillige Feuerwehren pumpen im Dauertakt
Als wäre das nicht genug, sorgte das Unwetter am Nachmittag im gesamten Stadtgebiet für Land unter. Zahlreiche Keller liefen voll, Straßen wurden überschwemmt und Äste blockierten die Fahrbahnen. Um das Chaos zu bewältigen, wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Frauenstein, Biebrich und der Stadtmitte alarmiert. Um die Koordination der dutzenden zeitgleichen Einsätze zu gewährleisten, wurden sogar zusätzliche Feuerwehr-Führungskräfte aus ihrer Freizeit direkt in den Dienst gerufen.
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