Statistik

Verkehrsunfallbilanz 2025: Mehr Unfälle durch wachsende Mobilitätsvielfalt

In Wiesbaden stellt das Innenministerium die Verkehrsunfallbilanz 2025 vor, mit deutlichen Zuwächsen bei E‑Scooter‑Unfällen, jungen Fahrern und Verstößen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Welche Entwicklungen besonders ins Gewicht fallen, zeigt der Bericht.

Von: |Erschienen am: 11. Mai 2026 14:44|

Foto: Frank Zinn / HMdI

Die hessische Polizei hat im Jahr 2025 insgesamt 150.286 Verkehrsunfälle registriert. Das entspricht einem Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während die Zahl der Schwerverletzten nahezu konstant blieb, stieg die Zahl der Leichtverletzten leicht an. 199 Menschen kamen im Straßenverkehr ums Leben. Mehr als die Hälfte aller Unfälle ereignete sich innerorts.

Innenminister Roman Poseck (CDU) ordnete die Zahlen in Wiesbden ein: „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Die Zahlen zeigen besorgniserregende Entwicklungen bei jungen Fahrern, E-Scooter-Nutzern und unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehenden Verkehrsteilnehmern.“

Ursachen und Herausforderungen

Poseck verwies auf die zunehmende Vielfalt der Verkehrsmittel, die steigende Zahl zugelassener Fahrzeuge und eine Infrastruktur, die mit dieser Entwicklung nicht immer Schritt hält. Hinzu kommen klassische Unfallursachen wie zu geringer Abstand und überhöhte Geschwindigkeit. Auch Alkohol- und Drogeneinfluss bleibt ein relevanter Risikofaktor.

Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit setzt die Polizei auf modernisierte Messtechnik, neue ViNAS-Fahrzeuge und regelmäßige Schwerpunktkontrollen. Zudem wurden spezialisierte Einheiten zur Bekämpfung illegaler Autorennen eingerichtet.

Deutlicher Anstieg bei E‑Scooter-Unfällen

Besonders auffällig ist der starke Zuwachs an E‑Scooter-Unfällen. 1.505 Fälle wurden registriert, ein Plus von 39,2 Prozent. 1.011 Menschen wurden verletzt, fünf starben. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders betroffen. Poseck betonte: „E-Scooter sind kein Spielzeug. Sie sind Elektrokleinstfahrzeuge, für die alle Regeln und Risiken des Straßenverkehrs zu beachten sind.“

Die Polizei setzt auf eine Kombination aus baulichen Maßnahmen, Aufklärung und Kontrollen. Eine bereits gestartete Präventionskampagne wird fortgeführt.

Risiken junger Fahrer

Die Unfallzahlen junger Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren steigen seit fünf Jahren. 2025 wurden 27.338 Unfälle registriert, 26 junge Menschen starben. Hauptursachen sind nicht angepasste Geschwindigkeit und fehlender Sicherheitsabstand. Mit dem Programm „CrashKurs Hessen“ sollen junge Menschen gezielt sensibilisiert werden.

Alkohol und Drogen im Straßenverkehr

2025 ereigneten sich 3.399 Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. 18 Menschen kamen ums Leben. Nach der Teillegalisierung von Cannabis verzeichnet die Polizei mehr Unfälle unter THC-Einfluss. Poseck erklärte: „Wer bekifft oder betrunken fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere.“

Unfälle mit Kindern

Sieben Kinder verloren im vergangenen Jahr ihr Leben. Insgesamt kam es zu 1.710 Unfällen mit Kinderbeteiligung. Häufigste Ursache war das Betreten der Fahrbahn ohne Beachtung des Verkehrs. Die Polizei setzt auf Prävention in Schulen und Jugendverkehrsschulen.

Fahrrad- und Pedelec-Unfälle

Die Zahl der Fahrradunfälle stieg auf 4.373. Bei Pedelecs gab es 1.488 Unfälle, acht Menschen starben. Häufige Ursachen sind falsche Fahrbahnbenutzung und eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit.

Motorradfahrer weiterhin gefährdet

36 Motorradfahrer kamen 2025 ums Leben. Die Zahl der Schwerverletzten stieg auf 435. Überhöhte Geschwindigkeit bleibt die häufigste Ursache. Mit dem „Bike-Konzept Hessen“ setzt die Polizei auf Aufklärung und Kontrollen.

Verkehrsunfallflucht bleibt Problem

45.447 Fälle von Unfallflucht wurden registriert, 1.992 davon mit Personenschaden. Poseck betonte: „Fahrerflucht ist inakzeptabel. Wer einen Unfall verursacht, muss helfen, die Polizei informieren und die Konsequenzen tragen.“

Statistische Einordnung

Gemäß Verkehrsunfallbilanz Hessen registriert die Polizei im Durchschnitt 2025 alle 3,5 Minuten einen Unfall, alle 20 Minuten eine verletzte Person und vier Verkehrstote pro Woche. Vier E‑Scooter-Unfälle pro Tag und alle 19 Minuten ein Unfall mit einem jungen Fahrer verdeutlichen die Schwerpunkte der aktuellen Verkehrssicherheitslage.

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