Projekt
Gegen Hass und Hetze: Wiesbadener Schulen analysieren NS-Propagandafilm „Jud Süß“
Wie funktionierte die Manipulationsmaschine der Nationalsozialisten? Um Jugendliche für die Mechanismen von Propaganda und Antisemitismus zu sensibilisieren, startet in Wiesbaden ein außergewöhnliches Projekt. Im Murnau-Filmtheater werden exklusive Vorführungen des berüchtigten Vorbehaltsfilms "Jud Süß“ für Schulklassen angeboten – inklusive wissenschaftlicher Einordnung.
Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
In Zeiten von Fake News und zunehmendem Antisemitismus ist die Stärkung der Medienkompetenz wichtiger denn je. Das Medienzentrum Wiesbaden initiiert daher gemeinsam mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, dem Institut für Kino und Filmkultur sowie der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung ein besonderes Projekt: Von Dienstag, 9. Juni, bis Dienstag, 18. August, bietet das Medienzentrum erhalten Schülerinnen und Schüler die seltene Gelegenheit, den NS-Propagandafilm „Jud Süß“ unter pädagogischer Aufsicht zu sehen und kritisch zu hinterfragen.
Ein Instrument des Hasses – Was ist „Jud Süß“?
Der 1940 unter der Regie von Veit Harlan entstandene Film gilt als eines der bösartigsten Werke der nationalsozialistischen Filmgeschichte. Unter der direkten Aufsicht von Joseph Goebbels produziert, verzerrt das Werk die Biografie des jüdischen Bankiers Joseph Süß Oppenheimer bis zur Unkenntlichkeit.
Ziel des Films war es, antisemitische Stereotype tief im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern und Hass gegen die jüdische Bevölkerung zu schüren. Mit Erfolg: Schätzungsweise 20 Millionen Menschen sahen den als Unterhaltungskino getarnten Propagandastreifen. Heute gehört „Jud Süß“ zu den sogenannten Vorbehaltsfilmen, die in Deutschland nicht frei gezeigt werden dürfen, sondern nur im Rahmen kontextualisierter Bildungsveranstaltungen.
Demokratie-Kompetenz im Fokus
„Den Film ‚Jud Süß‘ anzuschauen und zu diskutieren, trägt dazu bei, die Muster zu erkennen, mit denen Propaganda arbeitet“, erklärt Christiane von Wahlert, Vorstand der Murnau-Stiftung. Das Ziel des Projekts ist es, den Blick der Jugendlichen für Manipulationsmethoden zu schärfen.
Der Ablauf der Veranstaltungen ist streng strukturiert:
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Einführung: Kompakte Analyse der NS-Filmpolitik und der Strategien Goebbels‘.
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Sichtung: Gemeinsames Anschauen des 90-minütigen Films mit gezielten Beobachtungsaufträgen.
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Auswertung: Ein moderiertes Gespräch mit dem Referenten Michael Kleinschmidt, bei dem die Schüler Fragen stellen und ihre Meinung äußern können.
Geschichte lebendig machen
Michael Elster, Leiter des Medienzentrums Wiesbaden und selbst Geschichtslehrer, sieht in dem Projekt eine große Chance: „So wird nicht nur Geschichte lebendig, sondern auch die politische Mündigkeit der Jugendlichen und deren Widerstandskraft gegenüber Beeinflussungsmethoden aller Art gefördert.“
Das Projekt richtet sich gezielt an Wiesbadener Schulen und findet jeweils ab 15:30 Uhr im Murnau-Filmtheater statt. Finanziell unterstützt wird die wichtige Bildungsarbeit durch die Nassauische Sparkasse.
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InfoBox
Termine und Anmeldung für Schulen:
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Zeitraum: Dienstag, 9. Juni bis Dienstag, 18. August 2026
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Ort: Murnau-Filmtheater, Murnaustraße 6, Wiesbaden
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Anmeldung & Details: Interessierte Lehrkräfte finden alle Informationen online unter www.wiesbaden.de/medienzentrum.


