Statistik

Wiesbadener Ausbildungsmarkt crasht: Angebote brechen um 31 Prozent ein

In Wiesbaden zeigt sich der Ausbildungsmarkt im April von einer Seite, die viele junge Menschen vor neue Fragen stellt. Während das Interesse an beruflichen Einstiegen wächst, bleibt das Angebot überraschend knapp. Welche Entwicklungen sich daraus ergeben könnten, deutet sich bereits an.

Von: |Erschienen am: 30. April 2026 14:37|

Symbolfoto: Infraserve Wiesbaden

Bis April ist die Zahl der Jugendlichen, die sich im Agenturbezirk Wiesbaden für eine Ausbildung oder ein duales Studium gemeldet haben, weiter gestiegen. Viele junge Menschen beschäftigen sich intensiv mit ihrer beruflichen Zukunft und suchen aktiv nach einem passenden Einstieg.

Gleichzeitig bleibt das Angebot an gemeldeten Ausbildungs- und Studienplätzen deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Weniger Stellen, viele Suchende

Von den bislang registrierten 2.009 Bewerbern suchen aktuell noch 1.167 aktiv nach einem Ausbildungsplatz oder einem dualen Studium. Damit befindet sich der Ausbildungsmarkt in einer entscheidenden Phase: Die Nachfrage ist hoch, das Angebot jedoch spürbar reduziert.

Besonders auffällig ist, dass sich die Berufswünsche vieler Jugendlicher auf eine begrenzte Auswahl bekannter Ausbildungsberufe konzentrieren, darunter Büromanagement, Kfz-Mechatronik, Verkauf, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte sowie IT-Berufe.

Schwerpunkte auf beiden Seiten

Auch auf der Angebotsseite zeigen sich klare Muster. Viele gemeldete Ausbildungsstellen stammen aus dem Einzelhandel, dem kaufmännischen Bereich, der öffentlichen Verwaltung sowie aus gewerblich-technischen Berufen. Die Herausforderung bleibt, Bewerberinnen und Bewerber mit passenden Betrieben zusammenzubringen und gleichzeitig Alternativen aufzuzeigen.

„Wir sehen im Agenturbezirk Wiesbaden ein spürbar gestiegenes Interesse an Ausbildung“, sagt Dr. Martin Stallmann, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Wiesbaden. „Gleichzeitig liegt das gemeldete Ausbildungsstellenangebot deutlich unter dem Vorjahresniveau. Für viele junge Menschen heißt das: Sie müssen ihre Möglichkeiten frühzeitig ausloten und offen für Alternativen sein.“

Beratung und Austausch im Fokus

Stallmann betont zudem die Bedeutung direkter Gespräche: „Wer sich informiert, beraten lässt und mit Betrieben ins Gespräch kommt, verbessert seine Chancen auf einen passenden Ausbildungsplatz.“ Eine zusätzliche Gelegenheit dafür bietet die Veranstaltung „Meet your Future“ am 27. Mai 2026 auf dem Parkdeck der Agentur für Arbeit. Dort können Jugendliche und Arbeitgeber unmittelbar miteinander ins Gespräch kommen und konkrete Perspektiven besprechen.

Die Agentur für Arbeit unterstützt Jugendliche mit Berufsberatung, Vermittlung und Förderinstrumenten wie der Einstiegsqualifizierung oder der assistierten Ausbildung. Auch Betriebe erhalten Unterstützung bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze.

Zahlen für den Agenturbezirk

Im gesamten Agenturbezirk Wiesbaden, bestehend aus der Stadt Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis, waren bis April 2.009 Interessenten gemeldet, 159 mehr als im Vorjahr. 1.167 von ihnen suchen weiterhin aktiv. Die beliebtesten Berufswünsche reichen von Büromanagement über Kfz-Mechatronik bis hin zu IT-Berufen.

Die Unternehmen meldeten bislang 1.404 Ausbildungs- und duale Studienplätze, rund 27 Prozent weniger als im Vorjahr. Rein rechnerisch kommen damit auf 100 Stellen 144 Bewerber. 779 Plätze sind aktuell noch unbesetzt.

Situation in Wiesbaden

In der Landeshauptstadt Wiesbaden haben sich bis April insgesamt 1.250 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit als Bewerber für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium registrieren lassen. Damit liegt die Zahl spürbar über dem Vorjahreswert: 84 junge Menschen mehr als im April 2025 suchten aktiv den Kontakt zur Berufsberatung, was einem Anstieg von rund sieben Prozent entspricht.

Von den gemeldeten Jugendlichen befinden sich derzeit 701 weiterhin auf der Suche nach einem passenden Ausbildungs- oder Studienplatz. Die übrigen Bewerberinnen und Bewerber haben sich bereits für ein Angebot entschieden oder eine alternative Perspektive gefunden – etwa durch schulische Wege, Praktika oder andere Übergangslösungen.

Absturz bei Ausbildungsmöglichkeiten

Die Berufswünsche der Jugendlichen konzentrieren sich stark auf einige besonders gefragte Bereiche. Dazu zählen kaufmännische Berufe wie Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement, technische Ausbildungen wie Kfz-Mechatronik, Anlagenmechanik oder Elektronik sowie medizinische und IT-nahe Berufe. Auch Immobilienkaufleute und Elektroniker für Betriebstechnik gehören zu den häufig genannten Zielen.

Auf der Angebotsseite zeigt sich ein deutlich reduziertes Bild: Die Unternehmen in Wiesbaden haben bislang 958 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet – rund 31 Prozent weniger als im Vorjahr. Rechnerisch kommen damit auf 100 gemeldete Stellen 132 Bewerberinnen und Bewerber. Trotz des geringeren Angebots sind aktuell noch 535 Ausbildungs- und Studienplätze unbesetzt. Besonders viele freie Stellen gibt es im Einzelhandel, im Verkauf, im Bankwesen, im Versicherungsbereich sowie in der Lagerlogistik.

Lage im Rheingau-Taunus-Kreis

Auch im Rheingau-Taunus-Kreis zeigt sich ein deutlicher Anstieg beim Interesse an Ausbildung. Bis April wurden 759 Jugendliche als Bewerber bei der Berufsberatung gemeldet, 75 mehr als im Vorjahresmonat, was einem Zuwachs von rund elf Prozent entspricht.

Von diesen Jugendlichen suchen aktuell 466 weiterhin aktiv nach einem Ausbildungsplatz oder einem dualen Studium. Die übrigen Bewerberinnen und Bewerber haben sich bereits für eine konkrete Option entschieden oder eine alternative Lösung gefunden.

Parallelen zu Wiesbaden

Die Berufswünsche im Kreis ähneln denen in der Stadt Wiesbaden, weisen jedoch einige zusätzliche Schwerpunkte auf. Besonders häufig genannt werden kaufmännische Berufe, Kfz-Mechatronik, medizinische Fachangestellte, IT-Berufe sowie Tätigkeiten im Einzelhandel. Darüber hinaus interessieren sich viele Jugendliche für Berufe wie Friseur, Automobilkaufmann oder Hotelfachmann, die im Rheingau-Taunus-Kreis traditionell stärker vertreten sind.

Die Unternehmen im Kreis haben bislang 446 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet, rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit kommen rein rechnerisch auf 100 Stellen 170 Bewerber, was die angespannte Lage verdeutlicht. Von den gemeldeten Plätzen sind aktuell 244 noch unbesetzt. Besonders viele freie Stellen gibt es im Einzelhandel, im Verkauf, im Handel, in der Kommunalverwaltung sowie in der Gastronomie, etwa im Beruf Koch oder Köchin.

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