Reichtums-Check
Wiesbaden und seine zwei Welten: 154 Millionäre treffen auf 151.000 Malocher
Wiesbaden gilt als wohlhabend, doch die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Neue Zahlen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zeigen: Während 154 Einkommensmillionäre in der Landeshauptstadt residieren, kämpft die breite Masse der Beschäftigten mit der Steuerlast. Die NGG fordert nun ein radikales Umdenken von der Bundespolitik.
Foto: privat
In der hessischen Landeshauptstadt treffen Welten aufeinander, die im Alltag oft kaum noch Berührungspunkte haben. Auf der einen Seite stehen 154 Menschen, die ein Jahreseinkommen von mindestens einer Million Euro versteuern. Auf der anderen Seite erwirtschaften 151.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Handwerk, Industrie und Dienstleistung das Bruttosozialprodukt der Stadt. Statistisch gesehen kommt damit in Wiesbaden auf 982 Arbeitnehmer genau ein Einkommensmillionär.
Soziale Schieflage – Arbeit wird bestraft, Kapital belohnt
Hendrik Hallier, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Rhein-Main, sieht in diesen Zahlen eine alarmierende Entwicklung. „Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, so Hallier. Die Gewerkschaft beruft sich bei ihrer Analyse auf aktuelle Daten des Hessischen Landesamts für Statistik und der Bundesagentur für Arbeit.
Die Kritik der NGG zielt vor allem auf die ungleiche Steuerlast ab. Während Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Aktiendividenden pauschal mit lediglich 25 Prozent Abgeltungsteuer belegt werden, zahlt ein Durchschnittspaar laut Hallier rund 43 Prozent an Steuern und Abgaben. „Es darf nicht sein, dass Arbeit stärker besteuert wird als Kapital“, fordert der Gewerkschafter.
Gefahr für die Demokratie – „Gold-Statuslevel“ vs. Existenzkampf
Die NGG warnt davor, dass die zunehmende Kluft den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Es gehe nicht um bloßen Neid, sondern um die Frage der Gerechtigkeit. Wenn Menschen trotz eines Vollzeitjobs kaum noch Miete, Sprit und Lebensmittel bezahlen können, während eine kleine Elite im „Gold-Statuslevel“ lebt, gerate die Gesellschaft aus den Fugen. „Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, warnt Hallier eindringlich.
Besonders im Fokus stehen dabei Erbschaften und große Vermögen, die aktuell nur mickrige 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens in Deutschland ausmachen. Die Hauptlast tragen hingegen die Lohn- und Mehrwertsteuerzahler – also die breite Mehrheit der Wiesbadener Bevölkerung.
Appell an die Politik – Reformpaket muss „sozialen Kurs“ halten
Angesichts der aktuellen Reformpläne im Bund appelliert die NGG Rhein-Main direkt an die Wiesbadener Bundestagsabgeordneten der Koalition aus CDU und SPD. Die Regierung müsse den Mut haben, Tabus zu brechen. Konkret fordert die Gewerkschaft:
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Einführung einer Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz für Top-Verdiener.
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Abschaffung des Ehegattensplittings, da dieses veraltete Rollenbilder fördere und Jobs für Frauen unattraktiv mache.
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Entlastung für Durchschnittsverdiener, um den Abstand zwischen Normal- und Spitzenverdienern zu verringern.
Für die Landeshauptstadt sei es entscheidend, dass die anstehenden Reformen bei Rente, Gesundheit und Steuern die Kluft überwinden, statt sie weiter zu vergrößern. Die arbeitende Mitte dürfe nicht weiter abgehängt werden, während das oberste Prozent der Einkommensskala unverhältnismäßig profitiert.
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