Ortsbeirat Schierstein

„Eine logische Konsequenz“ – Urban Egert sieht Rotation als Chance für Schierstein

Generationswechsel am Hafen: Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze bereitet Schiersteins Urgestein Urban Egert seinen Abschied vor. In einem ungewöhnlichen Rotationsmodell soll der 22-jährige David Iolin übernehmen. Im Interview erklärt Egert, warum Verlässlichkeit wichtiger ist als persönliche Nähe und weshalb er sich auf den „frischen Blick“ seines Nachfolgers freut.

Von: |Erschienen am: 25. April 2026 11:20|

Foto: privat

Nach dem Interview mit dem künftigen Ortsvorsteher David Iolin kommt nun sein Amtskollege zu Wort: Urban Egert (SPD) bewertet das Rotationsmodell im Schiersteiner Ortsbeirat als folgerichtigen Schritt – und setzt dabei vor allem auf Verlässlichkeit und Zusammenarbeit.

Nachdem der designierte Nachfolger David Iolin bereits seine Sicht auf das Rotationsmodell im Ortsbeirat geschildert hat, ordnet nun Amtsinhaber Urban Egert die Vereinbarung ein. Für den langjährigen Ortsvorsteher ist die Aufteilung der Amtszeit kein Bruch, sondern eine konsequente Entwicklung: „Nach 19 Jahren ist es eine logische Konsequenz, dass irgendwann ein Wechsel kommt.“

Bemerkenswert am Schiersteiner Rotationsmodel ist, dass Egert einen künftigen Nachfolger David Iolin bislang nicht näher kennt. „Ich kenne ihn tatsächlich noch nicht richtig – das ist ungewöhnlich, aber kein Problem“, sagt er nüchtern.

Für ihn zählt weniger persönliche Nähe als Verlässlichkeit. „Unsere Vereinbarung gilt zwischen uns beiden – nicht zwischen Parteien.“ Dass Iolin bei der Wahl ein starkes Ergebnis erzielt hat, wertet Egert als klares Signal: „Wenn jemand so viele Stimmen bekommt, muss da auch etwas dran sein.“

Keine Doppelspitze, klare Rollen

Das Rotationsmodell versteht Egert ausdrücklich nicht als geteilte Führung. „Der Ortsvorsteher spricht für den Ortsbeirat – und damit für alle, nicht für eine Partei“, betont er.

Bis zur geplanten Übergabe will er seinen Nachfolger Schritt für Schritt einbinden: „Ich werde ihn mitnehmen und einarbeiten – aber entscheiden muss am Ende der Ortsvorsteher.“ Ziel sei ein nahtloser Übergang ohne Brüche.

Erfahrung trifft neuen Blick

Unterschiede zwischen ihm und Iolin sieht Egert durchaus – im Alter, im beruflichen Hintergrund und im persönlichen Stil. Während der frühere leitende Polizeibeamte tief im Schiersteiner Vereinsleben verwurzelt ist, bringt der 22-jährige Jurastudent neue Perspektiven ein.

Gerade darin sieht Egert eine Chance: „Ich hoffe, dass er Dinge einfach nochmal ausprobiert – auch wenn wir sie schon fünfmal erfolglos versucht haben.“

Unabhängigkeit als Grundprinzip

Ein zentrales Anliegen ist für Egert die Rolle des Ortsvorstehers selbst. „Man darf sich nicht abhängig machen – weder von Personen noch von Interessen“, sagt er.

Parteipolitik müsse im Ortsbeirat in den Hintergrund treten: „Als Ortsvorsteher bin ich für alle da – nicht nur für meine Partei.“

Erfolg misst sich an Zusammenarbeit

Ob das Modell funktioniert, wird sich aus seiner Sicht erst mit der Zeit zeigen. Für Egert ist entscheidend, dass der Ortsbeirat weiterhin geschlossen arbeitet: „Ein Erfolg wäre, wenn wir gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten und möglichst viele Themen umsetzen, die die Bürger an uns herantragen.“

Und auch wenn er das Amt perspektivisch abgibt, ist für ihn klar: Die Verantwortung für Schierstein bleibt – unabhängig von der Person an der Spitze.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!