Sanierung

Wahrzeichen kehrt zurück: Kirchturmspitze über den Dächern von Dotzheim thront wieder

Ein spektakulärer Anblick im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim. Mit Präzisionsarbeit und der Hilfe eines Schwerlastkrans kehrte die sanierte Turmspitze der Evangelischen Kirche Dotzheim an ihren angestammten Platz zurück. Damit ist ein entscheidender Meilenstein der aufwendigen Kirchensanierung geschafft – doch bis zum großen Erntedankfest im September bleibt noch viel zu tun.

Von: |Erschienen am: 21. April 2026 18:14|

Fotos: Andrea Wagenknecht

Über drei Jahrhunderte prägt die Dotzheimer Kirche bereits das Ortsbild, doch in den letzten Monaten bot sich den Bürgern ein ungewohntes Bild. Der markante Turm des zwischen 1716 und 1718 erbauten Gotteshauses war „geköpft“. Am Dienstag, 21. April, kehrte nun das tonnenschwere Bauteil samt frisch vergoldetem Wetterhahn und Wetterkreuz zurück in die Höhe.

Massive Schäden im Gebälk erzwangen Rückbau

Dass die Spitze im Februar überhaupt abgenommen werden musste, war einer unangenehmen Entdeckung geschuldet. Während laufender Dacharbeiten am historischen Dachstuhl traten massive Schäden zutage. Undichte Stellen und Feuchtigkeit hatten tragende Holzelemente morsch werden lassen. Zudem hatten die Befestigungen der Schieferdeckung nach Jahrzehnten ihre Tragfähigkeit verloren.

In enger Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege wurde entschieden: Eine vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist unumgänglich, um die historische Bausubstanz von Architekt Johann Jacob Bager für die Zukunft zu sichern.

Ein Kraftakt zahlreicher Gewerke

Das Aufsetzen der Spitze markiert das Ende der gröbsten Arbeiten am Turm, ist aber längst nicht der Abschluss der Baustelle. In den kommenden Tagen wird die Konstruktion mit speziellen Zugverankerungen gesichert. Parallel dazu werden erneuerte Schall-Luken eingesetzt und die Glocken für ihren künftigen Einsatz hergerichtet.

Die Liste der beteiligten Handwerker ist lang: Zimmerleute, Dachdecker, Maler, Elektriker, Blitzschutzexperten und Orgelbauer arbeiten Hand in Hand. Das Architekturbüro „asp Architekten Spuhler“ rechnet damit, dass die Dacharbeiten noch bis Ende Mai oder Anfang Juni andauern werden.

Innenraum-Sanierung – Orgel schweigt vorerst noch

Während im Außenbereich das Gerüst voraussichtlich bis Ende Juli das Bild prägt, wird auch im Inneren der Kirche gearbeitet. Da über der Orgel eine Wand aufgrund der Dachschäden neu verputzt und gestrichen werden muss, bleibt die „Königin der Instrumente“ vorerst zum Schutz vor Staub und Dreck eingehaust. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, wird der Orgelbauer das Instrument reinigen, neu zusammensetzen und stimmen. Gottesdienste finden weiterhin statt – vorerst allerdings ohne Orgelklang.

Kosten steigen – Fassade stärker belastet als gedacht

Der finanzielle Rahmen des Projekts ist indessen ins Wanken geraten. Pfarrer Peter Harigel-Poralla geht davon aus, dass die ursprünglich kalkulierten 1,95 Millionen Euro überschritten werden. Grund dafür ist die Fassade, die durch die umfassenden Dacharbeiten stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde als zunächst angenommen und nun ebenfalls saniert werden muss. Während die Landeskirche (EKHN) den Löwenanteil trägt, ist die Gemeinde weiterhin auf Unterstützung angewiesen.

Ausblick: Wenn alles nach Plan läuft, wird das Außengelände ab August neu gestaltet. Zum Erntedankfest im September soll die Sanierung mit einem großen Festgottesdienst feierlich abgeschlossen werden.

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InfoBox

Unterstützung für den Turm

Wer die Sanierung unterstützen möchte, kann dies per Spende tun:

  • Empfänger: Evangelische Kirchengemeinde Dotzheim

  • IBAN: DE77 5105 0015 0121 0358 71

  • Verwendungszweck: „Kirchturm“