Rotation statt Konkurrenz

Neuer Kurs im Schiersteiner Ortsbeirat – David Iolin setzt auf Zusammenarbeit

Im Wiesbadener Stadtteil Schierstein weht ein neuer politischer Wind. Statt Konkurrenzkampf setzen CDU und SPD auf eine ungewöhnliche Kooperation. Während SPD-Urgestein Urban Egert zunächst im Amt bleibt, soll der erst 22-jährige Jurastudent David Iolin das Zepter im Jahr 2029 übernehmen. Ein Modell, das Sachpolitik über Parteigrenzen stellt.

Von: |Erschienen am: 21. April 2026 12:07|

Foto: Petra Schumann

CDU und SPD gehen im Schiersteiner Ortsbeirat künftig einen neuen Weg: Das Amt des Ortsvorstehers wird im Rotationsprinzip vergeben. Dem altgedienten SPD-Ortsvorsteher Urban Egert folgt in der Legislaturperiode der CDU-Politiker David Iolin, der das Amt ab 2029 übernehmen soll. Beide bewertet dieses Modell als Chance für eine sachorientierte Zusammenarbeit.

Zwei Ortsvorsteher, ein gemeinsames Modell – und mittendrin ein 22-jähriger Jurastudent, der sich bewusst Zeit lässt: David Iolin (CDU) wird das Amt erst 2029 übernehmen. Bis dahin will er vor allem eines – lernen, zuhören und Schierstein voranbringen.

Dass er diesen Weg geht, ist kein Zufall. „Die Frage war für mich nicht ob, sondern wann“, sagt Iolin über seinen Einstieg in die Politik. Erst Ende 2023 trat er in die Junge Union ein, kurz darauf in die CDU. Der Antrieb: Themen, die aus seiner Sicht zu lange liegen geblieben sind.

Zuhören statt Vorgaben

Sein Ansatz wirkt ungewöhnlich – zumindest für klassische Politikmuster. Statt fertiger Programme setzte Iolin im Wahlkampf auf Gespräche: „Ich bin auf die Leute zugegangen und habe gefragt: Was soll sich hier konkret verbessern?“

Aus diesen Gesprächen sei letztlich auch das Wahlprogramm entstanden. Themen wie die Zukunft der Erich-Kästner-Schule, die Entwicklung der Hafenpromenade oder mehr Freizeitangebote – gerade für jüngere Menschen – nennt er als Beispiele.

„Am Ende geht es nicht um Parteien, sondern um die Inhalte“, sagt Iolin. Ein Satz, der sich durch viele seiner Antworten zieht.

Rotation als Chance – oder Risiko?

Kern der neuen Zusammenarbeit im Ortsbeirat ist das Rotationsmodell: Zunächst bleibt Urban Egert (SPD) Ortsvorsteher, Iolin übernimmt 2029. Für den CDU-Politiker ist das kein Nachteil – im Gegenteil.

„Ich nutze die Zeit, um mich einzuarbeiten und so viel Wissen wie möglich zu sammeln“, sagt er. Entspannen wolle er sich dabei aber nicht. Die klare Aufteilung der Amtszeit sieht er als Vorteil: „Die Verhältnisse sind klar, man weiß, wann die Übergabe stattfindet.“

Ob das Modell auch langfristig trägt, wenn es politisch schwieriger wird? Iolin setzt auf Verlässlichkeit: „Man wird sich daran halten, da bin ich mir sicher.“

Zwischen Studium, Politik und Tanz

Privat bleibt da nicht viel Zeit. Iolin studiert Jura und bereitet sich auf das erste Staatsexamen vor. „Wenn man etwas wirklich will, nimmt man sich die Zeit“, sagt er.

Ausgleich findet er unter anderem beim Standardtanz – und in Schierstein selbst. Besonders der Hafen hat es ihm angetan: „Das ist für mich ein Ort mit unglaublich viel Potenzial.“

Klare Kante – aber nicht immer

Politisch sieht sich Iolin als jemand, der beides kann: Kompromisse eingehen – und klare Positionen vertreten. „Bei Themen, die die Menschen klar entschieden haben wollen, muss man auch mal klare Kante zeigen“, sagt er. Gleichzeitig betont er: „Mit Einigkeit erreicht man mehr.“

Dass Prozesse in der Politik oft länger dauern, merkt er bereits jetzt – und nennt seine eigene Ungeduld als eine seiner Schwächen.

Mehr junge Stimmen im Ortsbeirat

Auffällig: Mit ihm sitzen künftig gleich mehrere jüngere Mitglieder im Ortsbeirat. Für Iolin ein wichtiges Signal. „Meine Generation soll stärker gehört werden“, sagt er – und will gleichzeitig andere junge Menschen motivieren, sich selbst zu engagieren.

Akzeptanzprobleme habe er bislang kaum erlebt: „Viele haben mich als Person gesehen und nicht nur mein Alter.“

Erwartungen – und ein klares Ziel

Für die kommenden Jahre formuliert Iolin konkrete Ziele: eine attraktivere Hafenpromenade, Verbesserungen bei Spielplätzen, neue Freizeitangebote und sichtbare Fortschritte bei zentralen Projekten wie der Erich-Kästner-Schule. Ein besonderes Augenmerk will der junge Schiersteiner auf den nördlichen Teil des Wiesbadener Vororts richten.

Woran er sich messen lassen will? „Dass ich genau die Themen angesprochen habe, die die Menschen wirklich verbessert sehen wollen.“ Und vielleicht noch etwas: Dass junge Politik in Schierstein nicht als Risiko wahrgenommen wird – sondern als Chance.

„Ein Ortsvorsteher sollte sich als kleiner Diener und nicht als großer König verstehen“, sagt Iolin. Ein Satz, den er einmal in der Politik gehört hat und der gut zusammenfasst, wie der 22-Jährige seine künftige Rolle sieht.

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