Kriminalität

Tatort Telefon: Warnung vor perfiden Schockanrufen

Die Maschen werden immer skrupelloser: Telefonbetrüger erbeuteten im vergangenen Jahr allein in Hessen fast 4,6 Millionen Euro. Besonders Senioren stehen im Visier der Banden, die mit Schockgeschichten über tödliche Unfälle oder Notsituationen Druck ausüben. Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen und das Landeskriminalamt geben nun dringende Verhaltenstipps.

Von: |Erschienen am: 16. April 2026 12:54|

Symbolfoto: Canva

Es beginnt oft mit einem weinenden Kind oder einer vermeintlich offiziellen Stimme am Telefon: „Mama, ich habe einen schrecklichen Unfall verursacht!“ Was folgt, ist ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, an dessen Ende oft der Verlust der gesamten Ersparnisse steht. Der Landesvorsitzende des VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann, sieht die Entwicklung mit großer Sorge: „Die Machenschaften der Betrüger verunsichern unsere Mitglieder zunehmend.“

Erschreckende Bilanz – Millionen-Schäden und hohe Dunkelziffer

Die Zahlen des Hessischen Landeskriminalamts (HLKA) für das Jahr 2025 zeichnen ein düsteres Bild:

  • 228 Fälle wurden offiziell erfasst, die Tendenz ist steigend.

  • Der finanzielle Schaden beläuft sich auf knapp 4,6 Millionen Euro.

  • Die Dunkelziffer ist laut Experten riesig, da viele Opfer aus Scham keine Anzeige erstatten oder gescheiterte Versuche nicht gemeldet werden.

Die Ermittler der Frankfurter Kriminalpolizei berichten von bandenmäßig organisierten Tätern, die bis zu 150 Anrufe am Tag tätigen. Besonders Frauen über 60 Jahre geraten dabei häufig ins Visier der Kriminellen.

Die Masche – Druck, Schock und Isolation

Die Strategie der Täter ist immer dieselbe: Das Opfer soll in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt werden.

  1. Die Schock-Geschichte: Es wird behauptet, ein naher Angehöriger sitze nach einem tödlichen Unfall in Haft und könne nur gegen eine hohe Kaution (Bargeld, Gold oder Schmuck) freikommen. Alternativ wird Geld für eine lebensnotwendige Operation verlangt.

  2. Die Isolation: Die Betrüger halten ihre Opfer teilweise stundenlang am Handy in der Leitung. So wird verhindert, dass die Betroffenen zwischendurch bei den echten Verwandten nachfragen oder die Polizei verständigen können.

  3. Die Übergabe: Die Beute wird meist an einen „Boten“ übergeben, der angeblich im Auftrag der Staatsanwaltschaft oder Polizei handelt.

So schützen Sie sich und Ihre Angehörigen

Die polizeiliche Kriminalprävention stellt klar: Die Polizei oder Staatsanwaltschaft verlangt niemals Kautionen in bar oder Sachwerten am Telefon!

Die wichtigsten Verhaltensregeln:

  • Auflegen: Sobald am Telefon Geld verlangt wird – legen Sie sofort auf!

  • Rückruf: Rufen Sie Ihre Angehörigen unter der Ihnen bekannten, gewohnten Nummer zurück.

  • Keine Details: Geben Sie niemals am Telefon Auskunft über Ihre finanziellen Verhältnisse oder Wertsachen im Haus.

  • Keine Übergabe: Übergeben Sie niemals Bargeld oder Schmuck an Unbekannte.

  • Notruf: Wählen Sie im Verdachtsfall immer die 110.

Der VdK greift das Thema verstärkt in Informationsveranstaltungen vor Ort in Wiesbaden und Umgebung auf, um die Mitglieder zu sensibilisieren. „Aufklärung ist der beste Schutz gegen diese skrupellosen Banden“, so Weimann abschließend.

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