Cyberkriminalität
Land reagiert auf digitale Gewalt: Polizei und Justiz bauen Schutz aus
Sexualisierte Deepfakes verbreiten sich rasant und die Folgen für Betroffene sind oft verheerend. Die Landesregierung reagiert nun in Wiesbaden mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen, das Polizei und Justiz deutlich schlagkräftiger machen soll. Welche Strukturen entstehen, welche Technik zum Einsatz kommt und warum Hessen jetzt besonders entschlossen handelt, zeigt die Vorstellung der neuen Strategie.
Foto: Frank Zinn / HMdI
Das Land Hessen reagiert mit einem umfassenden Maßnahmenpaket auf die zunehmende Verbreitung sexualisierter Deepfakes und anderer KI-basierter Manipulationen.
Innenminister Roman Poseck (CDU) und Justizminister Christian Heinz (CDU) stellten in Wiesbaden gemeinsam mit LKA-Präsident Daniel Muth und ZIT-Leiter Benjamin Krause die neuen Schritte vor, die Polizei, Justiz und Opferschutz stärken sollen.
Neue Form digitaler Gewalt
Sexualisierte Deepfakes verletzen Persönlichkeitsrechte und können für Betroffene schwerwiegende Folgen haben. Innenminister Roman Poseck machte deutlich, wie ernst die Lage ist:
„Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz ist es mittlerweile möglich, täuschend echte Bild- und Videoinhalte zu erzeugen. Innerhalb kürzester Zeit können Personen ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung in pornografische oder sexualisierte Inhalte eingefügt werden. Dabei handelt es sich nicht um geschmacklose Streiche.“ Die Folgen reichten von Rufschädigung über Erpressung bis hin zu sozialer Ausgrenzung.
Zentrale Ansprechstelle im LKA
Zum 1. April richtet das Landeskriminalamt eine zentrale Ansprechstelle für Deepfakes ein. Sie soll die polizeiliche Bearbeitung bündeln, Fachwissen koordinieren und den Austausch mit der Justiz stärken.
Parallel entsteht bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) eine neue Einheit zur Bekämpfung digitaler Gewalt.
Lagebild und Kompetenzaufbau
Ein landesweites Lagebild soll künftig einen Überblick über Fälle sexualisierter Deepfakes liefern und die Ermittlungsarbeit strukturieren. Zudem baut das LKA internes Fachwissen aus, stellt einheitliche Informationen für Einsatzkräfte bereit und entwickelt Empfehlungen zur Beweissicherung und Löschung manipulierter Inhalte.
Technische Unterstützung
Die Polizei prüft aktuell Analyse-Tools zur Erkennung von Deepfakes. Ziel ist es, Ermittler mit moderner Technik auszustatten, um Manipulationen schneller identifizieren zu können.
Stärkung von Prävention und Opferschutz
Betroffene sollen künftig noch umfassender betreut werden. Die Beratungsstelle für Hass und Hetze im Netz erweitert ihre Expertise insbesondere im Bereich digitaler Frauenfeindlichkeit. Gleichzeitig baut das LKA ein landesweites Kompetenznetzwerk „Deepfake“ auf.
Präventionsprogramme wie „Digital Native“ oder Veranstaltungen des Netzwerks gegen Gewalt werden um das Thema ergänzt. Auch über soziale Medien sollen verstärkt Aufklärung und Warnhinweise verbreitet werden.
Justiz baut Expertise aus
Justizminister Christian Heinz kündigte weitere Schritte an: „Wir handeln schon jetzt. Die neue Einheit ‚Digitale Gewalt‘ wird konsequent gegen digitale Gewalttäter vorgehen und ihre Expertise weiter ausbauen.“ Die Staatsanwaltschaften sollen geschult und stärker vernetzt werden.
Zudem wird die bisherige Beauftragte für Catcalling-Fälle zur „Beauftragten für die Verfolgung von Straftaten mit frauenfeindlichem Hintergrund“ erweitert. Sie soll als zentrale Ansprechpartnerin für alle Formen von Gewalt gegen Frauen fungieren.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Hessen unterstützt außerdem Initiativen zum besseren strafrechtlichen Schutz vor Deepfakes. Ein Gesetzentwurf zur IP-Adressdatenspeicherung, der eine dreimonatige Speicherpflicht vorsieht, wird von der Landesregierung ausdrücklich begrüßt. Er soll Ermittlungen erleichtern und Täter schneller identifizierbar machen.
Konsequente Reaktion auf digitale Bedrohungen
Mit dem Maßnahmenpaket gegen Deepfakes und digitale Gewalt will Hessen in Wiesbaden ein deutliches Signal setzen: Digitale Gewalt wird ernst genommen, und Betroffene sollen künftig besser geschützt werden. Polizei und Justiz bauen ihre Kompetenzen aus, um Deepfakes schneller zu erkennen, Täter zu verfolgen und Prävention nachhaltig zu stärken.
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