Wirtschaftslage
Zwischen Dauerkrise und neuen Risiken: Unternehmen im IHK-Bezirk bleiben zurückhaltend
Der Optimismus auf einen wirtschaftlichen Neustart war groß, doch der neue Konjunkturbericht zeigt ein anderes Bild. Zwischen globalen Spannungen, schwacher Nachfrage und wachsender Unsicherheit geraten viele Betriebe zunehmend unter Druck. Welche Entwicklungen besonders ins Gewicht fallen und warum die Stimmung trotz einzelner Lichtblicke gedämpft bleibt, offenbart ein aktueller Bericht der IHK Wiesbaden.
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Die wirtschaftliche Lage im IHK-Bezirk Wiesbaden bleibt zum Jahresbeginn 2026 angespannt. Der neue Konjunkturbericht zeigt, dass sich die Hoffnungen auf einen Aufschwung nicht erfüllt haben.
Der Geschäftsklimaindex fällt auf 96 Punkte und liegt damit unter der Wachstumsschwelle. Trotz kleiner Verbesserungen im Jahresvergleich überwiegt die Unsicherheit und viele Unternehmen halten sich weiterhin zurück. Der Wirtschaftsrat hat vor einigen Tagen wichtigen Kommunalpolitikern in Wiesbaden einen Forderungskatalog zur Verbesserung der Situation vorgelegt.
Erste Maßnahmen greifen nicht
Zum Jahreswechsel traten verschiedene Entlastungs- und Investitionsprogramme der Bundesregierung in Kraft. Doch laut IHK zeigen diese Schritte bislang kaum Wirkung.
Sinkende Energiepreise und steuerliche Impulse kommen in den Betrieben nur begrenzt an. Investitionen und Personalentscheidungen bleiben verhalten, Aufbruchstimmung ist nicht in Sicht.
Internationale Konflikte belasten zusätzlich
Neue geopolitische Spannungen verschärfen die Lage. Besonders die jüngsten zollpolitischen Drohungen der USA im Zusammenhang mit der Eskalation um Grönland treffen exportorientierte Unternehmen.
Die weltwirtschaftliche Unsicherheit prägt die Erwartungen deutlich, wie zahlreiche Rückmeldungen aus der IHK-Umfrage zeigen.
Dauerkrisen treffen auf neue Probleme
„Unsere Wirtschaft steht von zwei Seiten unter Druck: alte Dauerprobleme und neuer internationale Krisen“, sagt IHK-Präsident Jörg Brömer. „Viele Betriebe wollen nach vorne schauen, blicken dabei aber in eine unsichere Zukunft.
Gerade jetzt braucht es Verlässlichkeit und Berechenbarkeit, damit Unternehmen wieder Vertrauen fassen und wirtschaftliche Perspektiven entwickeln können.“
Branchen entwickeln sich unterschiedlich
Die Dienstleistungsbranche bleibt mit einem Geschäftsklimaindex von 107 Punkten der stabilste Bereich, verliert jedoch an Schwung. Industrie und Einzelhandel liegen mit jeweils 81 Punkten erneut am unteren Ende. Der Großhandel zeigt sich mit 95 Punkten etwas robuster, bleibt aber ebenfalls unter der Wachstumsschwelle.
Risiken nehmen weiter zu
Erstmals steht die schwache Inlandsnachfrage an der Spitze der Geschäftsrisiken. Auch wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und steigende Arbeitskosten bereiten vielen Unternehmen Sorgen. Bürokratie, fehlende Planungssicherheit und globale Unsicherheiten bleiben zentrale Belastungsfaktoren.
Investitionen verschieben sich
Die geopolitische Lage beeinflusst auch die Auslandsinvestitionen. Eine Sonderauswertung zeigt, dass Unternehmen ihre Zielmärkte neu gewichten. Investitionen in Nordamerika sind stark rückläufig, von 17 auf 8 Prozent. Gleichzeitig gewinnt die Eurozone an Bedeutung: 77 Prozent der Unternehmen planen dort Investitionen.
„Investitionen entstehen nicht aus Ankündigungen, sondern aus Vertrauen“, betont Fabian Lauer, Leiter Wirtschaftspolitik der IHK Wiesbaden. „Wenn Unternehmen protektionistische Tendenzen, neue Zölle und unsichere Rahmenbedingungen einkalkulieren müssen, verschieben sie Investitionen oder lassen sie ganz. Verlässliche Regeln, Fairness im internationalen Handel und Planungssicherheit sind entscheidend, damit Betriebe wieder investieren und Wachstum ermöglichen.“
Arbeitsmarkt zeigt erste Warnsignale
Die Zurückhaltung der Unternehmen wirkt sich zunehmend auf die Beschäftigungserwartungen aus. Besonders Industrie und Einzelhandel rechnen mit rückläufigen Entwicklungen. Zwar zeigt sich der regionale Arbeitsmarkt noch stabil, doch die sinkende Bereitschaft zu Neueinstellungen deutet auf mögliche Belastungen hin.
Weitere Informationen zum Bericht
Der vollständige Konjunkturbericht der IHK Wiesbaden mit detaillierten Analysen und Grafiken ist kostenfrei unter www.ihk.de/wiesbaden/konjunkturbericht.
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