Fastnacht / Fotostrecke

Ein närrisches Spektakel voller Lacher und Emotionen – DACHO-Prunksitzung feiert Jubiläen im Kurhaus

Ein prachtvolles Spektakel in historischer Kulisse: Die DACHO-Prunksitzung im Wiesbadener Kurhaus bot am Wochenende ein Programm der Extraklasse. Doch zwischen Ehrungen für Andreas Taschler und stehenden Ovationen für den „Deutschen Michel“ wurden auch kritische Töne laut: Wie viel Tradition verträgt die Fastnacht der Zukunft, um auch die junge Generation wieder in die Säle zu locken?

Von: |Erschienen am: 25. Januar 2026 23:49|

Fotos: Joshua Ziß

Mit zehn Minuten vor 16.00 Uhr leicht verfrüht und vor nicht ganz vollem Haus begann der Einzug der Garden und Aktiven bei der DACHO-Prunksitzung im Wiesbadener Kurhaus. Ein wie immer prachtvolles Spektakel, auch wenn sich gefühlt zunächst mehr Menschen auf als vor der Bühne versammelten. Im Laufe des Abends füllten sich die Plätze dann doch, sodass einem abwechslungsreichen Fastnachtsabend nichts mehr im Wege stand.

Ein Abend der Jubiläen – Ehrenplakette für Andreas Taschler

Auch in diesem Jahr hatte die DACHO einiges zu feiern: Neben 7 x 11 Jahren Fastnachtsumzug wurde Sitzungspräsident Andreas Taschler für elf Jahre im Amt sowie für sein langjähriges, kreatives Engagement in der Wiesbadener Fastnacht – für seinen Verein „Die Fidelen Narren“ und die DACHO – mit der Ehrenplakette ausgezeichnet.

Natürlich durfte auch das Kinderprinzenpaar nicht fehlen. Prinz Noah und Victoria stellten sich gut gelaunt und fehlerlos vor. Dass der Dank an die Sponsoren traditionell in Versform erfolgte, erinnerte einmal mehr daran, wie sehr die Fastnacht auf ehrenamtliches Engagement und Unterstützung aus der lokalen Wirtschaft angewiesen ist. Anschließend begrüßte Taschler das Prinzenpaar aus Gießen, André II. und Sabrina III., die auch abseits der Kampagne ein Paar sind.

Ein Klassiker in der Bütt

Nach den Ehrungen startete das Programm mit der Büttenrede des deutschen Michel, gespielt von Bernhard Knab. Wie gewohnt nahm er Politik und Gesellschaft pointiert aufs Korn – von Putin über Trump bis hin zur AfD – und mahnte, Politik müsse für das Volk gemacht werden. Sein rund 15-minütiger Auftritt, frei vorgetragen und mit dem traditionellen Michel-Rapp beendet, wurde vom Publikum mit Standing Ovations gefeiert – bereits zum 21. Mal in der DACHO-Bütt.

Gardetanz und Stimmungsmusik durften natürlich nicht fehlen. Die närrische Stadtgarde mit Aktiven aus sechs Wiesbadener Vereinen sorgte für Begeisterung, ebenso Sängerin Julia Döring, die mit schwungvollen Liedern Schunkelstimmung ins Kurhaus brachte und mit „Im Schatten des Doms“ auch einen sentimentalen Moment setzte.

Ein Juwel der Fastnacht

Als Märchenonkel überzeugte Peter Kuhn von der „Schwarzen Elf Schweinfurt“ mit einem humorvollen Politmärchen rund um „Friedrich und seine (Partei-)Freunde“. Mit feinen Wortspielen traf er den Nerv des Publikums und erntete großen Jubel. Märchenhaft ging es auch tänzerisch weiter: Die Gruppe Impressive erzählte in zauberhaften Kostümen die Geschichte von Schneewittchen und den sieben Zwergen auf der närrischen Rostra.

Hoher Besuch aus Köln

Für weitere Höhepunkte sorgte der Tanzcorps der Kölner Schmunzelhasen – die Jugendgruppe der Fidelen Sandhasen – mit einer atemberaubenden Gardetanznummer. Der Auftritt war ein Geschenk an Sitzungspräsident Taschler zu seinem elfjährigen Jubiläum. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer standen der Erwachsenengarde, die später ebenfalls begeisterte, in nichts nach. Das Publikum feierte ausgelassen – Kölle Alaaf!

In der Bütt ging es mit Hansi Greb alias „Hobbes“ weiter, der humorvoll aus dem Ehealltag berichtete und zugleich seinen Abschied ankündigte – ein weiterer Hinweis auf den schwierigen Generationenwechsel bei den Büttenrednern. Auch Jürgen Wiesmann als „Ernst Lustig“ sorgte mit dem traditionsreichen Wortgefecht rund um „Sören“ für Lacher.

Zum Abschluss brachte Stimmenimitator Mr. Tomm zahlreiche Prominente „live“ auf die Bühne – eine Nummer, die sich das Publikum mit einer Zugabe belohnte.

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Fastnacht 3.0 – Die Herausforderung der Generationen

Es war ein schöner und gelungener Abend für Fastnachtstraditionalisten. Aber die Fastnacht in Wiesbaden tut sich mittlerweile bei manchen Veranstaltungen schwer die Karten zu verkaufen. Während die Vereine in den Vororten oft volle ausverkaufte Säle melden, fehlt mancherorts offensichtlich der Bezug zu den traditionellen Fremdensitzungen. Schade für die zahlreichen Aktiven vor und hinter den Bühnen, die sich mit vollem Einsatz für Ihre Fastnacht engagieren. Aber vielleicht braucht die Tradition einen Twist hin zu den kommenden Generationen, die bis zu 36 Euro für eine Karte im Kurhaus ausgeben sollen. Vor Ort kommen noch Speise- und Getränke von 4 bis über 30 Euro hinzu. Welche Art der Fastnachtskultur würde diesen Zielgruppen jenseits von Herrenwitzen, Humba Tätärä und der Lobpreisung und Ehrung von ihnen vermutlich völlig unbekannten städtischen Promis Spaß, Lust und gute Laune machen?

Die Saalfastnacht der Landeshauptstadt hat offensichtlich den Kontakt zu vielen Wiesbadenerinnen und Wiesbadener verloren, wenn man in Zukunft also nicht ganz unter sich feiern möchte, muss ein Plan für die Fastnacht 3.0 her, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Man darf in den kommenden Jahren gespannt sein, ob die DACHO-Prunksitzung und andere Vereine den Kommunikationssprung in das Lebens- und Feiergefühl der Generationen Insta, TikTok und Co. schaffen werden.

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