Zivilgesellschaft

Mut, der bewegt: Vier Persönlichkeiten im Rathaus ausgezeichnet

Im Wiesbadener Rathaus standen jetzt Menschen im Mittelpunkt, die in schwierigen Momenten Haltung bewiesen haben. Zwei Frauen, die sich trotz politischer Repression für Freiheit einsetzen, und zwei Männer, die im entscheidenden Augenblick nicht wegsahen, wurden ausgezeichnet. Welche Geschichten hinter ihrem Mut stehen und warum die Ehrung weit über den Festsaal hinausstrahlt, zeigt die diesjährige Preisverleihung.

Von: |Erschienen am: 24. Januar 2026 09:34|

Foto: Stadt Wiesbaden

Im Festsaal des Rathauses sind am Freitag, 23. Januar, der Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage und der Preis für Bürgermut der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen worden.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr (CDU) überreichten die Auszeichnungen an insgesamt vier Preisträgerinnen und Preisträger.

Auszeichnung für Zivilcourage

Der Ludwig-Beck-Preis 2025 ging an die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie an die Aktivistin Julia Nawalnaja. Scherbakowa wurde für ihr jahrzehntelanges Engagement in der Menschenrechtsorganisation Memorial geehrt, die sich der Aufarbeitung politischer Gewalt in der Sowjetunion widmet. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine lebt sie im Exil in Deutschland.

Julia Nawalnaja erhielt die Auszeichnung für ihre langjährige Unterstützung ihres Mannes, des verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. Sie setzt dessen Einsatz für Freiheit, Demokratie und Frieden fort und nimmt dabei erhebliche persönliche Risiken in Kauf.

Bürgermut ohne Applaus

In seiner Ansprache würdigte Oberbürgermeister Mende die Preisträgerinnen: „Dies ist eine besonderen Stunde der Würdigung von Zivilcourage und Bürgermut. Zivilcourage beginnt selten mit Applaus. Sie beginnt oft im Zweifel, im Risiko, im Alleinstehen. Mit ihrem unbeirrbaren Engagement für Freiheit, Menschenwürde und Wahrheit verkörpern Dr. Irina Scherbakowa und Julia Nawalnaja den Geist des friedlichen Widerstands.“

Der Ludwig-Beck-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt Menschen und Institutionen, die sich weltweit für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und das Gemeinwohl einsetzen.

Lebensrettende Zivilcourage

Mit dem Preis für Bürgermut wurden 2025 Johann Zernickel und Andrej Belosludov ausgezeichnet. Beide hatten im April 2024 einer Nachbarin das Leben gerettet, als diese Opfer eines Messerangriffs wurde. Zernickel überwältigte den Angreifer und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest, während Belosludov das Messer sicherte und Erste Hilfe leistete.

Oberbürgermeister Mende betonte die Bedeutung ihres Handelns: „Ihr Handeln war weder geplant noch inszeniert, es war spontan, selbstlos und lebensrettend. Es steht exemplarisch für einen Bürgermut, der unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält: leise, entschlossen, ohne nach Anerkennung zu fragen.“

Ehrung seit 2011

Auch Wiesbadens Stadtverordnetenvorsteher Obermayr hob die Vorbildfunktion hervor: „Menschen, die Zivilcourage und Bürgermut zeigen, verdienen unsere Aufmerksamkeit und Anerkennung. Diese Haltung dient dem Gemeinwohl.“

Der Ludwig‑Beck‑Preis für Bürgermut ist mit 2.500 Euro dotiert und wird seit 2011 an Personen aus Wiesbaden verliehen, die sich in besonderer Weise für andere eingesetzt haben.

Würdigung stiller Helden

In seiner Laudatio unterstrich der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Björn Gutzeit, die Bedeutung alltäglicher Zivilcourage: „Der Preis für Bürgermut ist kein Preis der Lautstärke. Er würdigt eine Haltung und Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten.  Aktiv einzuschreiten erfordert Mut. Genau diesen Mut haben Sie bewiesen. Vorbildlich, entschlossen und zutiefst menschlich.“

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