Neujahrsempfang

„Starkmacher der Region“: IHK-Präsident Brömer fordert Kurskorrektur der Politik

Klartext beim Jahresauftakt der Wirtschaft in Wiesbaden. Vor 400 geladenen Gästen mahnte IHK-Präsident Jörg Brömer beim Neujahrsempfang 2026 tiefgreifende Reformen an. Trotz Rezession und Rekord-Insolvenzen sendete der Abend eine kämpferische Botschaft. Die Lage ist ernst, aber die „Starkmacher“ der Region sind bereit für den Aufbruch.

Von: |Erschienen am: 15. Januar 2026 15:17|

Foto: Josh Schlasius / IHK Wiesbaden

Es war ein Plädoyer für Zusammenarbeit und Entschlossenheit, das Jörg Brömer am Mittwochabend, 14. Januar, im Rahmen des IHK-Neujahrsempfangs hielt. Vor einem Publikum aus Unternehmertum, Politik und Gesellschaft kritisierte der IHK-Präsident die aktuelle innenpolitische Lage und forderte ein Umfeld, das langfristige Planungssicherheit statt zögerlicher Entlastungen bietet.

Die Wirtschaft als tragende Säule

Unter dem Motto „Starkmacher der Region“ verdeutlichte Brömer die Bedeutung der 36.000 Mitgliedsunternehmen. Mit rund 200.000 Arbeitsplätzen und über 500 Millionen Euro Gewerbesteuer finanzieren sie das Rückgrat der Städte und Gemeinden in Wiesbaden, Hochheim und dem Rheingau-Taunus-Kreis. Doch der Druck wächst. Nach zwei Jahren Rezession und einem bundesweiten Rekord bei Insolvenzen reichten die bisherigen Maßnahmen der Regierung nicht aus.

„Stärken Sie denen den Rücken, die sich für unsere Region stark machen“, lautete Brömers klarer Appell an die Politik auf allen Ebenen. In kurzen Videos wurden neun Unternehmen – von „digitalMACHERn“ bis „sicherMACHERn“ – vorgestellt, die trotz gigantischer Herausforderungen Innovationen vorantreiben.

Kommunen am Limit – Kreativität gegen leere Kassen

In zwei Talk-Runden berichteten lokale Spitzenpolitiker über die prekäre Finanzlage der Städte. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Landrat Sandro Zehner (Rheingau-Taunus-Kreis) forderten eine strukturelle Neuordnung der Kommunalfinanzen. Mende bezeichnete die Kommunen als „Bastionen der Demokratie“ – wenn dort nichts mehr funktioniere, drohe Politikverdrossenheit.

Landrat Zehner warnte angesichts eines bundesweiten kommunalen Defizits von 32 Milliarden Euro davor, auf Kredit zu leben. Er forderte eine ehrliche Debatte darüber, was sich der Staat künftig noch leisten könne, und mahnte eine Abkehr von rein konsumtiven Ausgaben an.

Kritik an Flächenplanung und Bürokratie

Ein konkreter Kritikpunkt des IHK-Präsidenten betraf die Flächenpolitik in Wiesbaden. Dass die 40 Hektar für den Neubau des Bundeskriminalamtes im Ostfeld voll auf das ohnehin knappe Gewerbeflächenkontingent angerechnet werden sollen, bezeichnete Brömer als „absurd und inakzeptabel“.

Auch das Tempo bei Unternehmensgründungen müsse drastisch steigen. Das Ziel der IHK: Eine Gründung innerhalb von 24 Stunden – statt der derzeitigen Wartezeiten von bis zu sechs Wochen bei GmbHs.

Lichtblicke – World Design Capital und Ehrenamt

Trotz der kritischen Töne gab es auch optimistische Signale. Staatssekretär Umut Sönmez mahnte, Deutschland nicht „schlechtzureden“, da man international weiterhin um die wirtschaftliche Stärke beneidet werde. Als Hoffnungsmedium für das Jahr 2026 gilt das Großprojekt World Design Capital 2026. Unter dem Motto „Design for Democracy“ soll die RheinMain-Region zeigen, wie Innovation das gesellschaftliche Zusammenleben verbessern kann.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder betonte zudem die Kraft des Ehrenamts: Über 1.000 Freiwillige stützen die Arbeit der IHK Wiesbaden und machen die Wirtschaft resilient gegenüber geopolitischen Krisen.

 Wahl-Check der Wirtschaft

Mit Blick auf die kommenden Kommunalwahlen am 15. März lud Brömer bereits jetzt zum „Wahl-Check der Wirtschaft“ am 3. März in die IHK ein. Dort sollen die Weichen für die künftige Standortpolitik gestellt werden.

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