Restaurierung

Kulturerbe auf dem Nordfriedhof gerettet: Historische Grabstätte von Bildhauer Carl Jung erstrahlt im neuen Glanz

Ein herausragendes Zeugnis der Wiesbadener Kunst- und Friedhofskultur erstrahlt in neuem Glanz. Nach mehr als zwei Monaten akribischer Restaurierungsarbeit ist die denkmalgeschützte Grabstätte des renommierten Bildhauers Carl Jung auf dem Nordfriedhof wiederhergestellt. Dank des bürgerschaftlichen Engagements von Dr. Werner Behrendt sowie der finanziellen Unterstützung der Bernhard-von-Wiesen-Stiftung und des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen konnten der kunstvolle Sandstein-Sarkophag und die gusseiserne Einfassung vor dem Verfall bewahrt werden. Alle Hintergründe zu dem Neorenaissance-Denkmal am Hauptweg zur Trauerhalle lesen Sie in unserem Artikel.

Von: |Erschienen am: 6. November 2026 16:06|

Foto: Stadt Wiesbaden

Friedhöfe sind weit mehr als letzte Ruhestätten – sie sind Freilichtmuseen der Stadtgeschichte, steinerne Archive des Handwerks und Orte gelebter Erinnerungskultur. Ein besonders markantes Zeugnis dieser Tradition auf dem Wiesbadener Nordfriedhof wurde nun erfolgreich vor dem Verfall gerettet. Nach über zwei Monaten aufwendiger Facharbeit ist die historische Grabstätte des bekannten Bildhauers Carl Jung vollständig restauriert und wiederhergestellt.

Möglich wurde die rund 30.000 Euro teure Instandsetzung durch eine vorbildliche Allianz aus bürgerschaftlichem Engagement, Stiftungsmitteln und öffentlicher Hand.

Hinninger lobt privates Engagement für Wiesbadens Kulturerbe

Wiesbadens Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Die Grünen) hob die Bedeutung des Zusammenspiels hervor: „Die gelungene Restaurierung zeigt, welchen wichtigen Beitrag privates Engagement für den Erhalt unseres kulturellen Erbes leisten kann. Historische Grabstätten sind Orte des Gedenkens, Zeugnisse der Stadtgeschichte sowie der Handwerks- und Friedhofskultur. Mein Dank gilt Dr. Werner Behrendt, der Bernhard-von-Wiesen-Stiftung und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen.“

Das persönliche Engagement von Dr. Werner Behrendt gab den entscheidenden Anstoß für das Projekt. Den Löwenanteil der Kosten trug die unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verwaltete Bernhard-von-Wiesen-Stiftung mit 25.000 Euro. Weitere 3.000 Euro steuerte das Landesamt für Denkmalpflege Hessen bei, die restlichen Kosten übernahm die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Meisterwerk der Neorenaissance aus rotem Mainsandstein

Die Anlage zählt zu den bedeutendsten Beispielen der Sepulkralkunst – der Grab- und Bestattungskunst – in der Landeshauptstadt. Entstanden in den Anfangsjahren nach der Eröffnung des Nordfriedhofs, gilt sie als das historisch erste Grabdenkmal für einen Bildhauer auf diesem Areal.

Das Denkmal im Stil der Neorenaissance besteht aus charakteristischem rotem Mainsandstein und ruht auf einem schlichten Sockel innerhalb einer eingefriedeten Fläche. Vor allem der reiche, fein gearbeitete Reliefschmuck verleiht dem Sarkophag seine außergewöhnliche künstlerische Strahlkraft.

Restauratoren arbeiteten in den vergangenen zwei Monaten sowohl den witterungsgeschädigten Sarkophag als auch die kunstvolle gusseiserne Grabeinfassung fachgerecht auf, sodass die ursprüngliche gestalterische Harmonie wieder vollständig zur Geltung kommt.

Prominente Lage direkt am Hauptweg

Besucherinnen und Besucher müssen nicht lange suchen, um das Denkmal in Augenschein zu nehmen: Die restaurierte Grabstätte liegt direkt am Hauptweg zur Trauerhalle und fällt Spaziergängern sofort ins Auge.

Die engagierte Bernhard-von-Wiesen-Stiftung setzt sich seit Jahren schwerpunktmäßig für die Rettung historischer Grabstätten in Wiesbaden ein – vor allem auf dem Nordfriedhof und dem Friedhof Biebrich. Neben Carl Jung stehen dabei bedeutende lokale Meister der Bildhauerei und Steinmetzkunst im Fokus, darunter Werke von Carl Wilhelm Bierbrauer, Franz Grünthaler, Carl Keil, Jacob Meuldermans, Carl und Fritz Roth sowie Hermann Schies.

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