Rettung des Lotto-Prinzips

Milliarden für Vereine und Denkmäler auf der Kippe: Finanzminister Lorz und Verbände schlagen Alarm

Ob Sportplatz, Jugendclub, Denkmalpflege oder Sozialstation. Ohne die Erlöse aus dem staatlichen Lotto wären unzählige Angebote in Hessen schlichtweg nicht finanzierbar. Doch das bewährte Fördersystem steht durch einen rasant wachsenden Schwarzmarkt unter Druck. In der Wiesbadener Casino-Gesellschaft haben LOTTO Hessen, der Landessportbund, die Liga der Freien Wohlfahrtspflege und der Hessische Jugendring gemeinsam mit Finanzminister Alexander Lorz und prominenten Unterstützern wie Eintracht Frankfurt einen eindringlichen Appell unterzeichnet. Ihr Ziel, die Stärkung des legalen Glücksspielmarktes zur dauerhaften Sicherung der Gemeinwohlfinanzierung.

Von: |Erschienen am: 3. November 2026 21:01|

Symbolfoto

Ob der neue Kunstrasenbelag für den Sportverein um die Ecke, das soziale Hilfsangebot für Menschen in Not, Jugendfreizeiten oder die Sanierung denkmalgeschützter Wahrzeichen. Ein gewaltiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in Hessen basiert auf staatlichen Lottomitteln. Allein seit seiner Gründung im Jahr 1949 hat LOTTO Hessen über sechs Milliarden Euro für das Gemeinwohl erwirtschaftet.

Doch dieses Fundament gerät zunehmend ins Wanken. Aus diesem Anlass haben vier Spitzenorganisationen in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft unter dem Titel „Gemeinsam für Hessens Gemeinwohl“ einen richtungsweisenden Appell unterzeichnet: LOTTO Hessen, der Landessportbund Hessen, die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen sowie der Hessische Jugendring.

Dramatischer Schwarzmarkt-Zuwachs gefährdet Finanzierung

Hintergrund der Initiative ist die bevorstehende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags bis Ende 2026 sowie die ab 2028 anstehende Gesetzesnovellierung. Denn die Realität auf dem Markt schlägt Alarm: Schätzungen zufolge wandern mittlerweile bis zu 50 Prozent aller Glücksspielaktivitäten in unregulierte, illegale Kanäle ab.

Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von LOTTO Hessen, findet deutliche Worte. „Diese Schwarzmarktangebote kassieren den Spieleinsatz, geben aber nichts zurück: keine Steuern, keinen Jugend- und Verbraucherschutz, keine Gemeinwohlfinanzierung. Dieser gefährlichen Entwicklung möchte unser Bündnis aus gesellschaftlich engagierten Akteuren entgegenwirken.“

Über das staatliche Modell fließen rund 36 Prozent der Einsätze (inklusive Lotteriesteuern) direkt an soziale, kulturelle und sportliche Einrichtungen in Hessen zurück – Geld, das bei illegalen Online-Casinos und Anbietern ohne deutsche Lizenz restlos versickert.

Ohne das Lotto-Prinzip wäre Ehrenamt oft undenkbar“

Schirmherr des Bündnisses ist Hessens Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz (CDU), der die Dringlichkeit der Initiative in Wiesbaden unterstrich: „LOTTO Hessen verbindet verantwortungsvolles Glücksspiel mit einer verlässlichen Gemeinwohlförderung und stärkt gesellschaftliche Angebote, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Diese Lottomittel leisten einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenhalt in Hessen. Gerade ehrenamtliches Engagement wäre ohne dieses Lotto-Prinzip vielfach gar nicht denkbar. Ich danke den Initiatoren und Unterstützern, die sich gemeinsam für den Erhalt dieses jahrzehntelang bewährten Prinzips einsetzen.“

Stimmen aus Sport, Wohlfahrt und Jugendarbeit

Wie existenziell die Gelder für die Basis sind, machten die Vertreter der hessischen Dachverbände deutlich:

  • Sport in Hessen: Juliane Kuhlmann, Präsidentin des Landessportbundes Hessen, betonte, dass über 7.300 hessische Sportvereine unmittelbar profitieren – sei es beim Erhalt vereinseigener Sportstätten, bei bezahlbaren Ausbildungsangeboten oder der Förderung von Übungsleitenden.

  • Soziale Infrastruktur: Dr. Markus Juch, Vorstandsvorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen, wies darauf hin, dass die Mittel tagtäglich Hilfsangebote für bedürftige Menschen sichern, die sonst vor dem Aus stünden.

  • Jugendschutz & Bildung: Mario Machalett, Vorsitzender des Hessischen Jugendrings, warnte vor den Verlockungen des illegalen Marktes: Spielsucht und mangelnder Jugendschutz seien im Schwarzmarkt an der Tagesordnung. Nur ein starker, regulierter Markt schütze Heranwachsende und refinanziere außerschulische Jugendprojekte.

Prominente Allianz von Eintracht Frankfurt bis Rheingau Musik Festival

Der Appell stößt landesweit auf breite Resonanz. Neben den vier Kerninitiatoren unterstützen rund 20 namhafte Institutionen die Forderungen, darunter:

  • Eintracht Frankfurt

  • Das Rheingau Musik Festival

  • Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen

  • Die Sportstiftung Hessen

  • Die Bernd Reisig Stiftung „helfen helfen“

  • Die Deutschlandstiftung Integration

Das Bündnis versteht sich als offene Plattform, der sich weitere Vereine und Organisationen anschließen können.

Die Kernforderungen an die Politik:

  1. Konsequente Durchsetzung: Härteres Vorgehen und rigoroser Vollzug gegen illegale Glücksspiel- und Wettanbieter.

  2. Kanalisierung in legale Angebote: Ein zeitgemäßer Rechtsrahmen, der Spieler wirksam in den geschützten, legalen Markt leitet.

  3. Bürokratieabbau & faire Werberegeln: Stärkung lizenzierter Anbieter durch unkomplizierte Genehmigungsverfahren und zielgerichtete Werbemöglichkeiten.

  4. Forschung ausbauen: Stärkung einer unabhängigen, interdisziplinären Glücksspielforschung als Fundament für zukünftige Gesetzgebungen.

Wortlaut des Appells: Unter www.lotto-hessen.de/magazin/stories/gemeinsam-fuer-hessens-gemeinwohl-starkes-buendnis-setzt-zeichen-034482.

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