Studie

ADAC-Monitor stellt Wiesbaden schlechtes Zeugnis aus: Autofahrer frustriert – Verkehrsdezernent kündigt Maßnahmen an

Gute Noten für Busse und Fahrräder, aber tiefer Frust bei Autofahrern und Fußgängern. Die Ergebnisse des aktuellen ADAC-Monitors „Mobil in Mittelgroßstädten“ offenbaren deutliche Schwachstellen im Wiesbadener Verkehrsnetz. Besonders der Pkw-Verkehr stürzt drastisch ab – Haupttreiber sind mangelhaftes Baustellenmanagement und Dauerstaus. Verkehrsdezernent Marc Dahlen sieht in den ernüchternden Zahlen jedoch eine Bestätigung der eingeleiteten Kurskorrekturen. Mit einem neu koordinierten Baustellenmanagement, optimierten Ampelschaltungen und flexiblen Geschwindigkeitsregelungen will die Stadt den Verkehr endlich wieder in Fluss bringen.

Von: |Erschienen am: 3. November 2026 11:45|

Symbolfoto

Wie mobil fühlen sich die Menschen in Wiesbaden und wie gut kommen sie im Alltag von A nach B? Die Antworten liefert die aktuelle Erhebung des ADAC-Monitors „Mobil in Mittelgroßstädten“ der am Dienstag, 3. November vorgestellt wurde. Für die hessische Landeshauptstadt zeichnet die Untersuchung ein zwiegespaltenes Bild. Während der öffentliche Personennahverkehr und das Radfahren vergleichsweise wohlwollend bewertet werden, schlägt dem Autoverkehr und der Baustellensituation massive Unzufriedenheit entgegen. Auch der Fußverkehr verliert im Vergleich zur letzten Erhebung spürbar an Boden.

Wiesbadens Verkehrsdezernent Marc Dahlen (CDU) reagiert selbstkritisch, sieht die Zahlen jedoch als klaren Handlungsauftrag: „Unterm Strich bin ich mit den Ergebnissen ganz zufrieden – aber eben nicht in allen Bereichen. Dass der ÖPNV und der Radverkehr positiv bewertet werden, ist eine sehr gute Nachricht. Beim Fußverkehr muss eine eingehende Prüfung der Kritikpunkte erfolgen. Und beim PKW-Verkehr sind die Resultate vollkommen unbefriedigend. Da müssen wir ran.“

Die ADAC-Zahlen im Detail – Absturz beim Autoverkehr

Der Mobilitäts-Index des ADAC spiegelt die Stimmungslage der Bürgerinnen und Bürger in den verschiedenen Mobilitätssparten wider:

  • Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV): Erreicht einen soliden Zufriedenheitswert von +25.

  • Radverkehr: Liegt mit einem Index von +15 ebenfalls im positiven Bereich.

  • Fußverkehr: Erreicht aktuell +29. Allerdings bedeutet dies einen herben Dämpfer: Im Jahr 2021 lag der Wert für Fußgänger noch bei +40 Punkten.

  • PKW-Verkehr: Hier stürzt die Stimmung dramatisch ab. Lag der Index 2021 bereits bei leicht negativen -3, sank er nun um weitere zehn Zähler auf -13.

Laut der ADAC-Treiberanalyse ist vor allem das Baustellenmanagement das größte Ärgernis für Pendler und Autofahrer – es beeinflusst die Gesamtzufriedenheit überproportional negativ.

5.000 Baustellen pro Jahr: Neues Baustellenmanagement soll greifen

Rund 5.000 Baustellen zählt das Stadtgebiet von Wiesbaden jedes Jahr. Für das Verkehrsnetz bedeutet dies Dauerstress. Gleichzeitig seien die Eingriffe oft alternativlos, so Dahlen: Trinkwasserrohre und Stromleitungen müssen erneuert, Glasfasernetze verlegt und die Fernwärmeversorgung für die Wärmewende ausgebaut werden.

Um den Verkehr nicht vollends zum Erliegen zu bringen, setzt das Dezernat auf spürbare Nachbesserungen bei der Koordinierung.

  • Keine Baustellen auf Umleitungsstrecken: Es soll strikt verhindert werden, dass sich parallele Baumaßnahmen und Umleitungen gegenseitig blockieren.

  • Zentrales Baustellenmanagement: Die bereits beschlossene Einführung einer übergeordneten Koordinierungsstelle steht kurz vor dem Start.

  • Kürzere Bauzeiten: Wo immer möglich, sollen Bauabläufe gestrafft und Beschleunigungsmaßnahmen ergriffen werden. Erste Vorhaben konnten zuletzt bereits vor dem geplanten Fristende freigegeben werden.

Dass ein schnelles Eingreifen Wirkung zeigt, habe sich laut Verkehrsdezernat unter anderem Mitte September bei der unvorhergesehenen Sperrung der A 643 rund um die Schiersteiner Brücke gezeigt, als ein drohendes Verkehrschaos durch gezieltes Gegensteuern abgewendet werden konnte.

Pförtnerampeln, Sanierungen und flexible Tempolimits

Um den Verkehrsfluss auf den Hauptachsen zu verbessern, nimmt das Verkehrsdezernat weitere Stellschrauben ins Visier.

  • Intelligente Ampelsteuerung: Die Steuerung über Pförtnerampeln soll weiter optimiert werden, um den Zufluss in überlastete Bereiche dosierter und flüssiger abzuwickeln.

  • Angepasste Geschwindigkeiten: Die Stadt plant differenzierte Geschwindigkeitskonzepte. Dabei gehe es nicht pauschal um Tempo 50, sondern situations- und umfeldbezogen auch um Tempo 40 oder Tempo 30 – passend zum jeweiligen Straßencharakter.

  • Fahrbahnsanierungen: Viele Straßenbeläge sind marode. Schritt für Schritt sollen Asphaltschäden beseitigt und Decken erneuert werden.

„Wir geben Gas“ – Ziel sind kürzere Staus

Dass sich der Verkehr in einer dicht bebauten Stadt nicht von heute auf morgen völlig neu erfinden lässt, betont Dahlen unumwunden: „Wir wissen, wo die Probleme liegen. Der Monitor bestärkt uns in dem, was wir bereits angepackt haben. Unser Ziel ist, dass der Verkehr in Wiesbaden wieder besser fließt und Staus kürzer werden. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns jeden Tag stellen – gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Dezernat, in den Ämtern und mit unseren Bauleuten. Wir arbeiten mit Nachdruck daran. Wir geben Gas.“

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