Aktionsreihe / Zivilcourage

„MUTausbrüche – Laut. Kraftvoll. Unbequem.“ – Rund 130 Gäste feiern Eröffnung von „WIR in Wiesbaden“

Laut werden, Haltung zeigen und füreinander einstehen: Am Montagabend, 26. Oktober, feierte die Veranstaltungsreihe „WIR in Wiesbaden“ ihren Auftakt im voll besetzten WerkRaum. Unter dem kraftvollen Leitmotiv „MUTausbrüche – Laut. Kraftvoll. Unbequem.“ kamen rund 130 Gäste, Stadtvertreter und Engagierte zusammen, um ein deutliches Signal für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen Diskriminierung zu setzen. Bis zum 15. Dezember bieten über 30 Initiativen nun insgesamt 57 Lesungen, Workshops, Filme und Diskussionsrunden in der ganzen Stadt. Die Höhepunkte des Eröffnungsabends gibt es in unserem Artikel.

Von: |Erschienen am: 29. Oktober 2026 16:20|

Fotos: Matthias Gathof

Wie begegnet man einer Zeit, in der menschenfeindliche Töne lauter werden und gesellschaftliche Risse spürbar zunehmen? Die Antwort der Landeshauptstadt lautet: mit Entschlossenheit, Haltung und gelebter Zivilcourage. Am Montagabend, 26. Oktober, fiel im WerkRaum Wiesbaden der Startschuss für die diesjährige Ausgabe der traditionsreichen Veranstaltungsreihe „WIR in Wiesbaden“.

Knapp 130 Gäste folgten der Einladung zum Eröffnungsabend, der in diesem Jahr unter dem pointierten Motto „MUTausbrüche – Laut. Kraftvoll. Unbequem.“ steht. Bereits am Nachmittag hatte die Gugge-Band „Die Räubers“ mit schallenden Klängen in der Fußgängerzone für Aufsehen gesorgt, während ehrenamtliche Helfer Programmhefte an Passanten verteilten. Durch das facettenreiche Bühnenprogramm führten Andrea Gotzel (Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden e.V.) und Gabriele Reiter (Demokratie leben! Wiesbaden), die gemeinsam für den Trägerkreis und das Gesamtprojekt verantwortlich zeichnen.

„Mut schlummert in uns allen“

In ihrer Eröffnungsrede ging Andrea Gotzel direkt auf den Kern des diesjährigen Mottos ein. Mut bedeute keineswegs die Abwesenheit von Angst oder Zweifel, sondern das entschlossene Handeln trotz aller Widerstände: „Mut ist keine Eigenschaft, die manche haben und andere nicht. Er schlummert in uns allen – und wartet darauf, ausbrechen zu dürfen.“

Gerade angesichts zunehmender Ausgrenzung gelte es, handlungsfähig zu bleiben, klare Grenzen zu ziehen und sich im demokratischen Miteinander gegenseitig den Rücken zu stärken.

OB Mende und Dezernentin Georgi fordern Wachsamkeit

Auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) fand in seinem Grußwort deutliche Worte gegen demokratiefeindliche Tendenzen: „Hass und Hetze dürfen sich nicht als vermeintlich neue Normalität durchsetzen. Sie dürfen nicht zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden. Und das gilt natürlich nicht nur für die sozialen Medien, sondern generell.“

Mende dankte dem Team von Spiegelbild, dem breiten Trägerkreis sowie allen teilnehmenden Vereinen für ihr Engagement: Sie sorgten dafür, dass Fragen des fairen Zusammenlebens und der demokratischen Verantwortung dauerhaft auf der Tagesordnung der Stadt bleiben.

Wiesbadens Dezernentin Daniela Georgi (CDU) griff den Leitgedanken ebenfalls auf und erinnerte daran, dass Zivilcourage nicht immer laut sein muss: „Ja, MUTausbrüche können und sollten laut, kraftvoll und unbequem sein. Aber Mut muss nicht immer unbedingt laut sein. Manchmal reicht der eine Satz, die eine Nachfrage, die trotz der leisen Töne sowohl kraftvoll als auch unbequem ist.“

Mut-Talk – Vom Protest auf der Straße bis zu den Schultoiletten

Wie facettenreich sich beherztes Handeln im praktischen Alltag äußert, erörterte anschließend ein engagierter „Mut-Talk“. Auf dem Podium diskutierten Monika Steinmeier (Omas gegen Rechts), Kulturschaffende Lilli Suckfuell, Musiker Kai Uwe Gebert und die Lehrerin Hatice Canday.

Dabei ging es nicht nur um große politische Debatten, sondern um handfeste Missstände vor Ort: Einen handfesten „MUTausbruch“, den die Kommunalpolitik sofort anpacken könne, forderte Monika Steinmeier für den Schulalltag: „Es wäre dringend nötig, die Schultoiletten aller Schulen der Stadt instand zu setzen.“ Viele Kinder und Jugendliche könnten diese sanitären Anlagen kaum noch benutzen – auch hier brauche es entschiedenen Willen zur Abhilfe.

Die musikalische Gestaltung von Silvia Willecke und Claus Weyrauther unterstrich die emotionale Bandbreite zwischen berechtigter Wut über Ungerechtigkeiten und dem Willen zum Aufbruch. Sabine Philipp, Direktorin des sam – Stadtmuseum am Markt, richtete als Gastgeberin des WerkRaums nachdenkliche Worte an das Publikum. Der temporäre Begegnungsort mitten in der Innenstadt schließt seine Pforten planmäßig am 31. Oktober – die Resonanz des Abends unterstrich jedoch nachhaltig den immensen Wert solch offener Diskussionsräume.

57 Veranstaltungen bis Mitte Dezember

Mit der Auftaktfeier hat eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Initiativen Wiesbadens Fahrt aufgenommen: Bis zum 15. Dezember 2026 stehen insgesamt 57 Veranstaltungen auf dem Kalender. Mehr als 30 lokale Institutionen, Vereine und Bildungsträger beteiligen sich mit Workshops, Filmvorführungen, Lesungen, Vorträgen und Mitmach-Aktionen.

Das komplette Programmheft und sämtliche Veranstaltungsdetails sind online unter www.wir-in-wiesbaden.de abrufbar.

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