Ermittlungen

Großrazzia gegen Kindesmissbrauch in Hessen: Ermittler durchsuchen drei Wohnungen in Wiesbaden

Hessenweiter Schlag gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen: Bei einer großangelegten Aktion haben hessische Strafverfolgungsbehörden in der vergangenen Woche 84 Wohnungen durchsucht und hunderte Datenträger beschlagnahmt. Auch in Wiesbaden schlugen die Einsatzkräfte zu. Gleich drei Wohnungen im Stadtgebiet wurden durchsucht. Im Fokus der Ermittler stehen drei Wiesbadener, die sich eventuell strafbar gemacht haben. Alle Hintergründe zur Razzia in unserem Beitrag.

Von: |Erschienen am: 28. Oktober 2026 10:30|

Symbolfoto

Es ist ein konsequenter Schritt zum Schutz der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Die hessischen Strafverfolgungsbehörden haben in einer fünftägigen, landesweiten Schwerpunktaktion erneut massiven Druck auf Täter und Konsumenten von Missbrauchsdarstellungen ausgeübt. Wie das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main (Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität – ZIT) gemeinsam am Mittwoch, 28. Oktober, mitteilten, richteten sich die Maßnahmen gegen insgesamt 87 Beschuldigte in ganz Hessen.

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden schlugen die Ermittlerinnen und Ermittler gezielt zu. Im Wiesbadener Stadtgebiet wurden drei Wohnungsdurchsuchungen vollstreckt.

Drei Beschuldigte in Wiesbaden im Fokus

Bei den Wiesbadener Durchsuchungen standen drei Männer im Visier der Kriminalpolizei. Ein 23-jähriger und ein 58-jähriger Wiesbadener stehen unter dem dringenden Tatverdacht des Besitzes sowie der Verbreitung von Kinderpornografie.

Bei einem weiteren, 27 Jahre alten Wiesbadener standen die Einsatzkräfte vor der Tür, da gegen ihn wegen des Verdachts auf Besitz und Verbreitung von Jugendpornografie ermittelt wird.

Die Beamten stellten in den durchsuchten Wiesbadener Objekten diverse Speichermedien und elektronische Geräte sicher. Diese werden nun akribisch forensisch ausgewertet, um weiteres Beweismaterial zu sichern und mögliche Netzwerke aufzudecken.

Landesweite Bilanz – 84 Durchsuchungen und ein Haftbefehl

Die Schwerpunktaktion, die vom 19. bis 23. Oktober hessenweit stattfand, zeigt das erschreckende Ausmaß der Delikte. Insgesamt wurden 84 Wohnungen und Häuser wurden in kreisfreien Städten – unter anderem Wiesbaden, Frankfurt, Offenbach, Hanau, Kassel, Gießen, Fulda – sowie in 18 Landkreisen: Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Gießen, Groß-Gerau, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Kassel, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, Main-Taunus, Marburg-Biedenkopf, Odenwald, Offenbach, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner und Wetterau durchsucht.

Die insgesamt 87 Beschuldigten (83 Männer, 4 Frauen) sind zwischen 15 und 81 Jahre alt. Nach bisherigen Erkenntnissen stehen sie untereinander nicht in direktem Kontakt, teilte Laura Kaufmann-Conrad vom Hessisches Landeskriminalamt in Wiesbaden mit.

Zehn sexuelle Missbrauchs Vorwürfe

In den allermeisten Fällen geht es um die Herstellung, den Besitz und die Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie. In zehn Fällen ermitteln die Behörden zudem wegen des konkreten Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen.

476 deliktsspezifische Gegenstände, vor allem Laptops, Smartphones, Festplatten und andere Speichermedien, wurden beschlagnahmt. Elf Beschuldigte wurden vorübergehend auf Polizeidienststellen vernommen; gegen eine Person wurde ein bestehender Haftbefehl vollstreckt.

Feste Strukturen im Kampf gegen das Dunkelfeld – Einheit „FOKUS“

Die Durchsuchungen sind Teil der dauerhaften Strategie der hessischen Polizei. Die spezialisierte Einheit „FOKUS“, die im Oktober 2020 als Besondere Aufbauorganisation (BAO) ins Leben gerufen wurde, ist seit Februar 2024 fester Bestandteil der Regelorganisation der sieben hessischen Polizeipräsidien – darunter auch das für Wiesbaden zuständige Polizeipräsidium Westhessen – und des HLKA.

Mit über 300 Spezialistinnen und Spezialisten verfolgt die Polizei Hessen gezielt Sexualstraftaten an Minderjährigen. Parallel dazu arbeiten bei allen hessischen Staatsanwaltschaften eigens eingerichtete Sonderdezernate, um sichergestellte Datenmengen schnell juristisch aufzuarbeiten und Täter zeitnah vor Gericht zu bringen.

Mehr aktuelle Blaulichtmeldungen, Polizeiberichte und Gerichtsentscheidungen aus der Landeshauptstadt finden Sie täglich in unseren Rubriken auf wiesbadenaktuell.de.

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