Betrug

Über Telegram in die Falle gelockt: Falsche Polizisten erbeuten nachts Bargeld von Seniorin

Eine neue, perfide Variante des Telefonbetrugs hat in Wiesbaden ein Opfer gefordert. Kriminelle setzten eine Seniorin zunächst am Telefon unter Druck und lotsten sie anschließend in den Messenger-Dienst Telegram. Dort gab sich ein Betrüger als Mitarbeiter der Bundesbank aus und drohte mit einer Hausdurchsuchung. Aus Angst übergab die Frau am späten Montagabend ihr Bargeld an der Haustür an zwei angebliche Polizisten. Die echte Kriminalpolizei sucht nun nach Zeugen und einem russisch sprechenden Abholer.

Von: |Erschienen am: 23. September 2026 13:34|

Symbolfoto

Die Methoden von Telefonbetrügern werden immer dreister und psychologisch ausgefeilter. Am späten Montagabend, 21. September, fiel eine Wiesbadener Seniorin in der Schiersteiner Straße einer skrupellosen Bande zum Opfer, die sich als Bankmitarbeiter und Kriminalbeamte ausgab.

Der Betrug begann klassisch über das Festnetz. Die Geschädigte erhielt einen Anruf, in dem ihr weisgemacht wurde, es gebe Probleme mit einem vermeintlich auf ihren Namen beantragten Kredit. Die Betrüger setzten die Frau massiv unter Druck und verwickelten sie in ein dichtes Netz aus Lügen.

Weiterleitung zu Telegram – Die Legende von der Bundesbank

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wendeten die Täter eine neuere Taktik an. Sie brachten die Seniorin dazu, die Kommunikation auf den Messengerdienst Telegram zu verlagern. Dort übernahm ein Mittäter, der sich als Mitarbeiter der Bundesbank ausgab.

Er erklärte der verängstigten Frau, dass ihre Ersparnisse in Gefahr seien und die Polizei ihr Bargeld umgehend in Verwahrung nehmen müsse, um eine sonst drohende Hausdurchsuchung abzuwenden. Die Seniorin glaubte der professionell inszenierten Täuschung und bereitete das Geld zur Abholung vor.

Geldübergabe in der Nacht – Polizei fahndet nach russisch sprechendem Täter

Gegen 23:30 Uhr tauchten schließlich zwei Männer an der Wohnanschrift in der Schiersteoner Straße der Frau auf. Sie gaben sich als zivile Polizeibeamte aus, nahmen das Bargeld entgegen und flüchteten anschließend zu Fuß in die Dunkelheit.

Zu einem der beiden Abholer liegt der Kriminalpolizei eine detaillierte Beschreibung vor: Etwa 18 bis 22 Jahre alt, circa 1,80 Meter groß, kurze, gepflegte dunkle Haare, und glattrasiert. Dieser trug eine braune Jacke. Der Mann sprach akzentfrei Russisch.

Das Fachkommissariat der Wiesbadener Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeuginnen und Zeugen, die am späten Montagabend im Bereich der Schiersteiner Straße verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt haben, werden dringend gebeten, sich unter der Rufnummer 0611 / 345-0 zu melden.

Wichtige Warnhinweise der Polizei – So schützen Sie sich

Aus aktuellem Anlass warnt das Polizeipräsidium Westhessen eindringlich vor dieser und ähnlichen Betrugsmaschen (wie dem Enkeltrick oder Schockanrufen) und gibt konkrete Verhaltenstipps:

  • Echte Polizisten fordern niemals Bargeld: Weder die Polizei noch die Bundesbank oder die Staatsanwaltschaft werden Sie jemals auffordern, Bargeld oder Wertsachen an Boten zu übergeben oder auf der Straße zu hinterlegen.

  • Das Gespräch aktiv beenden: Wenn angebliche Amtspersonen am Telefon nach Vermögenswerten fragen, legen Sie sofort aktiv auf.

  • Gefahr durch offene Leitungen: Vertrauen Sie nicht darauf, dass der Anrufer aufgelegt hat! Betrüger halten die Leitung oft offen. Drücken Sie die Aus-Taste oder legen Sie den Hörer fest auf. Warten Sie kurz und wählen Sie erst dann selbst den Notruf 110 oder die Nummer Ihres örtlichen Reviers.

  • Selbst recherchieren: Verwenden Sie für Rückrufe bei Behörden ausschließlich Telefonnummern, die Sie selbst im Telefonbuch oder im Internet herausgesucht haben.

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