Entwicklungsplan

Mehr als Trauerorte: Wiesbaden stellt Zukunftskonzept für alle 21 Friedhöfe vor

Vom reinen Ort des Abschieds hin zur grünen Klimaoase und zum ruhigen Erholungsraum. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat erstmals ein umfassendes Entwicklungskonzept für ihre 21 kommunalen Friedhöfe erarbeiten lassen. Bürgermeisterin Hinninger stellte die Pläne vor, die auf einen spürbaren Wandel der Bestattungskultur reagieren. Weil Urnenbeisetzungen inzwischen rund 80 Prozent ausmachen, werden Grabflächen frei. Diese sollen künftig als Blühwiesen, Rückzugsorte und für behutsame Kulturangebote wie Lesungen oder Konzerte genutzt werden. Preise sollen stabil bleiben.

Von: |Erschienen am: 21. September 2026 14:52|

Symbolfoto

Friedhöfe erfüllen im städtischen Gefüge eine unverzichtbare Funktion – primär als würdevoller Raum der Trauer und des Gedenkens. Doch die Art und Weise, wie Menschen Abschied nehmen und wie Grabstätten heute nachgefragt werden, hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. Um die Weichen für die kommenden Jahrzehnte zu stellen, hat die Stadt Wiesbaden am Montag, 21. September, nun einen richtungsweisenden Friedhofsentwicklungsplan für alle 21 kommunalen Standorte vorgelegt.

Die zentrale Botschaft vorweg: Alle 21 Friedhöfe im Stadtgebiet bleiben erhalten. Gleichzeitig sollen sie ökologisch aufgewertet, wirtschaftlich konsolidiert und enger in die städtischen Grünzüge eingebunden werden.

Urnen-Boom schafft Freiflächen – 80 Prozent flächensparende Bestattungen

Zwar wird die Gesamtzahl der Bestattungen durch den demografischen Wandel bis zum Jahr 2040 leicht ansteigen, der Flächenbedarf sinkt jedoch drastisch. Bereits heute liegt der Anteil flächensparender Urnenbeisetzungen in Wiesbaden bei stolzen 80 Prozent – Tendenz weiter steigend. Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich zudem pflegefreie oder pflegearme Grabarten.

Werden Reihen- oder Wahlgräber nach Ablauf der Ruhefristen aufgelassen, entstehen zusammenhängende Freiräume. Das Konzept sieht vor, diese Flächen gezielt umzugestalten:

  • Klimaanpassung & Ökologie: Durch unversiegelte Böden, den Schutz des alten Baumbestands, klimaangepasste Neupflanzungen und naturnahe Blühwiesen leisten Friedhöfe einen messbaren Beitrag zum Stadtklima und zur Artenvielfalt.

  • Erholung & Aufenthaltsqualität: Neue Bänke, ruhige Rückzugsorte und parkähnliche Wegeführungen laden zum Verweilen ein – ohne die Stille zu stören, die Trauernde für ihren Abschied benötigen.

„Friedhöfe sind wichtige Erinnerungsorte für Angehörige, aber auch grüne Rückzugsorte mitten in unserer Stadt. Sie bieten Raum für Erholung, für Artenvielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung. Gleichzeitig müssen die Friedhofsgebühren, mit denen Pflege, Gebäude und Ausstattung finanziert werden, dauerhaft bezahlbar bleiben“, unterstrich Bürgermeisterin Christiane Hinninger bei der Vorstellung.

Trauerhallen im Fokus – Raum für Lesungen und Konzerte

Auch der bauliche Zustand der Trauerhallen und Nebengebäude wurde gründlich unter die Lupe genommen. Je nach Stadtteil und Substanz empfiehlt das Planungsbüro gezielte Sanierungen, bauliche Anpassungen oder sogar neue, ergänzende Nutzungen.

So ist denkbar, historische oder selten genutzte Trauerhallen künftig für kulturelle und bildende Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte zu öffnen – stets unter der Voraussetzung, dass das Format mit der Würde und dem Charakter des jeweiligen Standorts vereinbar bleibt. Wie welches Gebäude genutzt wird, soll standortbezogen und individuell entschieden werden.

Bürgerbeteiligung zeigt: Friedhöfe als Parks geschätzt

Die Wiesbadener Bevölkerung konnte sich bereits 2025 aktiv an der Erstellung des Papiers beteiligen. Über Online-Befragungen sowie digitale Terminals auf fünf Friedhöfen und im Bürgerbüro gingen zahlreiche Rückmeldungen ein. Das Ergebnis bestätigt den Kurs der Stadt: Friedhöfe werden von den Bürgerinnen und Bürgern längst nicht mehr nur zur Grabpflege aufgesucht, sondern bewusst als ruhige Oasen zum Durchatmen geschätzt.

Nächste Schritte in den Gremien

Der vorgelegte Entwicklungsplan ist noch kein rechtskräftiger Beschluss, sondern bildet das strategische Leitbild für die kommenden Jahre. In den nächsten Wochen werden die Ergebnisse zunächst den jeweiligen Ortsbeiräten in gesonderten Runden vorgestellt, bevor die politischen Gremien beraten. Konkrete Einzelprojekte, Investitionen oder künftige Gebührenanpassungen werden separat und nach Priorität geordnet entschieden.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Der vollständige Friedhofsentwicklungsplan steht online unter www.friedhoefe-wiesbaden.de zum Abruf bereit.

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InfoBox

Die Kernpunkte der Friedhofsplanung im Überblick:

  • Projekt: Umfassender Friedhofsentwicklungsplan der Landeshauptstadt Wiesbaden.

  • Umfang: Alle 21 kommunalen Friedhöfe im Stadtgebiet werden planerisch betrachtet und bleiben ausnahmslos erhalten.

  • Hintergrund: Starker Trend zur Urnenbestattung (rund 80 Prozent) führt zu sinkendem Flächenbedarf.

  • Zukunftsausrichtung: Ausbau zu parkartigen Grünzügen, naturnahe Blühwiesen, Stärkung der Biodiversität und des Stadtklimas.

  • Gebäude: Sanierung von Trauerhallen und Prüfung kultureller Zusatznutzungen (z. B. Konzerte, Lesungen).

  • Finanzierung: Ziel sind dauerhaft bezahlbare Friedhofsgebühren bei wirtschaftlicher Pflege.

  • Politischer Fahrplan: Information der Ortsbeiräte, gefolgt von Beschlüssen in den städtischen Ausschüssen.