Zeitreise

Caligari feiert Jubiläum mit packender Stummfilm-Rarität

Von: |Erschienen am: 17. September 2026 13:40|

Fotos: Sammlung ÖFM / Christian Dekant

Die Caligari FilmBühne am Wiesbadener Marktplatz 9 lädt am 25. September um 19:00 Uhr  zu einer besonderen filmhistorischen Aufführung ein. Gezeigt wird das Werk „Nach dem Gesetz“ des Regisseurs Lew Kuleschow aus dem Jahr 1926, das als ungewöhnlicher Western osteuropäischer Prägung gilt.

Die Vorstellung ist Teil einer großen Jubiläumsreihe anlässlich des 100-jährigen Bestehens des traditionsreichen Kinos. Für die akustische Untermalung des Abends sorgen der Pianist Uwe Oberg sowie der Schlagzeuger Rudi Fischerlehner, die das stumme Werk live mit einer neuartigen musikalischen Interpretation begleiten werden.

Der Film basiert auf der Abenteuererzählung „The Unexpected“ des Autors Jack London und verfolgt das Schicksal einer fünfköpfigen Gruppe von Goldsuchern in Alaska. Während die Truppe gemeinsam versucht, Reichtümer anzuhäufen, kommt es zu einer tragischen Eskalation.

Einer der Schürfer verliert den Verstand und tötet während einer Mahlzeit in der Hütte unvorhergesehen zwei seiner Kollegen. Die Überlebenden, Edith und Hans, stehen nun in der abgelegenen Wildnis vor einem moralischen Dilemma: Sollen sie den Täter kurzerhand hinrichten oder ihm den von Edith geforderten, rudimentären Prozess machen?

Lew Kuleschow verwandelte diese literarische Vorlage in ein beklemmendes Kammerspiel von hoher Dynamik, das sich auf minimalem Raum abspielt. Durch seine ausgefeilte Schnitttechnik erschafft der Regisseur einen völlig neuen Raum für sein starkes Darsteller-Ensemble, das durch extreme emotionale Präsenz besticht.

Bemerkenswert ist zudem die visuelle Gestaltung des Werks. Mit eindrucksvollen Kontrasten, gezieltem Gegenlicht und speziellen Nachtaufnahmen kreiert die Kamera eine finale Szene, die bereits die spätere Bildsprache berühmter amerikanischer Western vorwegnimmt.

Die musikalische Gestaltung durch Uwe Oberg und Rudi Fischerlehner macht die herausragende technische Qualität des Films hinsichtlich Beleuchtung, Materialität und Schnittkunst auf einer weiteren Ebene erfahrbar. Oberg betrachtet die historischen Aufnahmen mit großer Ruhe und Präzision.

Der Musiker verzichtet dabei bewusst darauf, den Fokus der Zuschauer rein auf die Handlung zu lenken. Vielmehr nutzt er seine freie musikalische Ausdrucksweise, um dem Publikum einen frischen Blickwinkel auf die damaligen filmischen Erfindungen zu gewähren.

Die laufende Veranstaltungsreihe hat am 6. September begonnen und feiert die Eröffnung des Hauses als ‚Ufa-Palast‘ im Dezember 1926. Insgesamt stehen acht Stummfilmkonzerte, drei Fachvorträge sowie fünf komplett neu geschaffene Musikwerke auf dem Programm.

Da das Caligari zu den seltenen, gänzlich bewahrten Kinobauten aus der Ära vor dem Tonfilm zählt, rückt das Jubiläum gezielt die Verbindung zwischen visuellem Erlebnis und Live-Musik in den Mittelpunkt. Neben den Konzerten beleuchten Vorträge die historischen Entwicklungen des Stummfilms, während ein Mitmach-Projekt Kinder und Jugendliche animiert, unter professioneller Anleitung eigene Kurzfilmmusiken zu entwerfen.

Für die Konzeption der Reihe zeichnet Nina Goslar verantwortlich, die lange Zeit als Stummfilmredakteurin tätig war und im Jahr 2020 mit dem Deutschen Stummfilmpreis ausgezeichnet wurde.

Zur Konzeption des Programms erklärt die Kuratorin der Jubiläumsreihe: „Die Musiken betreiben keine nostalgische Rückschau, sondern schaffen einen Resonanzraum, in dem sich historische Bezüge und moderne Spieltechniken treffen.“

Goslar betont bezüglich der Neuvertonungen weiter: „Alle fünf Filmmusiken stellen verschiedene stilistische Ansätze vor, Stummfilme aus einer heutigen Perspektive zu begleiten.“

Die fünf ausgewählten Hauptfilme der Reihe demonstrieren exemplarisch die immense Bandbreite des Kinojahres 1926. Für die Umsetzung konnte die Kuratorin erfahrene Künstler verpflichten, welche die Werke musikalisch neu interpretieren.

Unter der Leitung von Diego Ramos Rodríguez ermöglichen die Beteiligten einen völlig neuen Zugang zu den fast einhundert Jahre alten Produktionen. Bei drei der Vorstellungen handelt es sich um exklusive Neukompositionen, die speziell für diese Feierlichkeiten geschrieben wurden.

Organisiert wird das Jubiläum vom städtischen Kulturamt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum sowie der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Finanzielle Unterstützung leisten der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Hessen Film & Medien und die SV SparkassenVersicherung.

Das vollständige Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum des Caligari Kinos kann auf der städtischen Internetseite www.wiesbaden.de/caligari eingesehen werden. Der Eintritt für das Konzert zum Stummfilm am 25. September beläuft sich regulär auf 14 Euro.

Für berechtigte Personen gibt es ermäßigte Karten für 12 Euro, während Inhaber der Wiesbadener Filmkunstkarte lediglich 10 Euro zahlen. Tickets sind an der Kinokasse am Marktplatz 9, in der Tourist-Information am Marktplatz 1 sowie online erhältlich.

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