Fachkräftemangel

Mission am Bosporus: Wie Wiesbaden türkische Pflegekräfte für sich gewinnen will

Der akute Personalmangel in der Medizin zwingt auch in Wiesbaden zum Umdenken. Eine hochkarätig besetzte Gruppe aus der hessischen Landeshauptstadt reiste deshalb nun in die Türkei, um vor Ort neue Netzwerke aufzubauen und sich intensiv über internationale Ausbildungsstandards auszutauschen. Welche vielversprechenden Chancen sich durch den Besuch direkt eröffnet haben und wie ein konkreter Plan für die künftige Zusammenarbeit aussieht, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse dieser besonderen Reise.

Von: |Erschienen am: 16. September 2026 15:24|

Fotos: privat

Eine Gruppe von Fachleuten aus dem Wiesbadener Gesundheits-, Pflege- und Kliniksektor hat kürzlich eine mehrtägige Exkursion in die Türkei absolviert. Die Teilnehmer kehrten im Anschluss mit zahlreichen positiven Eindrücken aus Istanbul in die hessische Landeshauptstadt zurück.

Hinter der Organisation und Initiierung der Reise standen die EGW Gesellschaft für ein gesundes Wiesbaden sowie der Städtepartnerschaftsverein Wiesbaden – Istanbul/Fatih e.V. Die finanzielle Unterstützung des Vorhabens wurde durch die Stiftung Gesundheitsstadt Wiesbaden sichergestellt.

Fokus auf türkische Ausbildung

Das zentrale Anliegen der Fahrt bestand darin, erste Schritte für neue gesundheitliche Kooperationen einzuleiten. Zudem wollten die Verantwortlichen die Strukturen des türkischen Gesundheitswesens besser verstehen und tiefere Einblicke in die Qualifizierung der dortigen medizinischen Fachkräfte gewinnen.

Die elf Personen umfassende Delegation setzte sich aus Vertretern verschiedenster lokaler Institutionen zusammen. Mit dabei waren Abgesandte der Helios HSK Wiesbaden, des St. Josefs-Hospitals Wiesbaden, der Caritas Altenwohn- und Pflegegesellschaft, des Caritasverbands für die Diözese Limburg sowie Vertreter der initiierenden EGW und des Städtepartnerschaftsvereins.

Umfangreiches Besuchsprogramm absolviert

Vor Ort standen Besichtigungen diverser Bildungseinrichtungen und medizinischer Zentren auf der Agenda. Zu den besuchten Stationen zählten die Acibadem Mehmet Ali Aydinlar Universität, das angeschlossene Acibadem Altunizade Krankenhaus, die Bahcesehir Universität, die Istinye Universität mitsamt dem Liv Krankenhaus sowie die Altinbas Universität.

Ergänzt wurde der fachliche Austausch durch Gespräche mit dem Pflegeheimbetreiber Medila. Darüber hinaus stand ein offizieller Empfang der Wiesbadener Reisegruppe im deutschen Generalkonsulat in Istanbul auf dem Programm.

Potenzial für künftige Kooperationen

Die geführten Dialoge lieferten wertvolle Erkenntnisse über die lokalen Ausbildungsstrukturen von Pflegekräften, Therapeuten und Medizinern sowie über das allgemeine Gesundheitssystem der Türkei. Dabei offenbarte sich ein erhebliches Potenzial für eine zukünftige, vielschichtige Zusammenarbeit.

Es gelang der Delegation, wichtige Kontakte zu knüpfen und frische Impulse zu setzen. Diese Bemühungen bauen inhaltlich direkt auf der bereits seit vielen Jahren erfolgreichen Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Istanbuler Bezirk Fatih auf.

Integration ausländischer Fachkräfte

Schon heute sind in Wiesbadener Kliniken und Pflegeeinrichtungen zahlreiche Arbeitskräfte tätig, die ihre Ausbildung in der Türkei absolviert haben. Für die hiesigen Arbeitgeber ist es ein großer Vorteil, die dortigen Ausbildungswege im Detail zu kennen, um die neuen Mitarbeiter beim Start in Deutschland beruflich wie privat gezielter begleiten zu können.

Der spürbare Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitssektor erfordert nachhaltige Konzepte, um internationales Personal zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Neben einer fundierten sprachlichen Qualifizierung und der zügigen Anerkennung von Abschlüssen sind dabei auch eine zielgerichtete fachliche Vorbereitung sowie die kulturelle Integration von großer Bedeutung.

Gegenbesuch in Wiesbaden geplant

Die gemeinsame Vision aller Beteiligten ist es, qualifizierten Gesundheitskräftenund Pflegekräften aus dem Ausland attraktive Perspektiven in Wiesbadener Kliniken zu bieten und die medizinische Brücke zwischen den Gesundheitswesen in beiden Städten weiter zu stärkenund dem Fachkräftemangel so entgegenzuwirken.

Um diese Ziele in die Tat umzusetzen und die begonnenen Gespräche noch weiter zu vertiefen, wurde bereits der nächste Schritt eingeleitet: Die neuen Kooperationspartner aus Istanbul wurden offiziell zu einem intensiven Austausch nach Wiesbaden eingeladen.

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