Neue Tarife
Steigende Kosten: Preise für Bäder und Eisbahn steigen in 2 Stufen um bis zu 40 Prozent
Jahrelang blieben die Tarife stabil, doch stark gestiegene Energie- und Personalkosten machen nun eine Anpassung der Eintrittspreise in Wiesbadens Schwimmbädern und Freizeiteinrichtungen erforderlich. Der Magistrat hat grünes Licht für ein gestaffeltes Konzept gegeben, das ab kommendem Jahr greifen soll. Welche konkreten Erhöhungen auf Badegäste zukommen und welche Gruppe überraschend überproportional belastet wird, zeigt ein Blick auf die Tarifanpassungen.
Archivfoto
Der städtische Bäderbetrieb mattiaqua bereitet eine nach eigenen Worten „moderate“ Erhöhung der Eintrittspreise für seine Thermen, Bäder sowie die Freizeiteinrichtungen vor. Eine entsprechende Sitzungsvorlage passierte am Dienstag, 15. September, erfolgreich den Magistrat.
Das Konzept sieht vor, die Anpassung der Tarife in zwei aufeinanderfolgenden Etappen vorzunehmen. Der erste Schritt soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, während die zweite Stufe zum 1. Januar 2029 folgen soll.
Sonderregelung für Eisbahn
Für die Henkell-Kunsteisbahn ist ein abweichender Zeitplan vorgesehen, damit hier keine Tarifänderung mitten in einer laufenden Wintersaison stattfindet. Die neuen Preise greifen für diesen Standort direkt ab Beginn der Wintersaison 2026/27. Auf die für das Jahr 2029 geplante zweite Erhöhungsstufe wird an der Eisbahn verzichtet, da die Anlage mit der Eröffnung des neuen Sportparks Rheinhöhe ihren Betrieb einstellen wird. Für den künftigen Sportpark erarbeiten die Verantwortlichen ein völlig eigenständiges Preiskonzept, das den städtischen Gremien noch separat zur Entscheidung vorgelegt wird.
Ein Blick auf die geplanten Tariferhöhungen für die Henkel Kunsteisbahn zeigt eine Preisanpassung für Erwachsene von aktuell 3,40 Euro auf 4,50 Euro. Das entspricht 32,4 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen fällt die Anpassung überraschend höher aus, nämlich von 1,70 Euro auf 2,50 Euro oder 47,1 Prozent.
Schrittweises Vorgehen
Zur Begründung des gestaffelten Modells äußerte sich Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD): „Die Anpassung erfolgt bewusst in zwei Stufen. Dadurch soll die zusätzliche finanzielle Belastung für Besucherinnen und Besucher auf zwei moderate Schritte verteilt werden.“ Der Oberbürgermeister führte im Rahmen der Erläuterungen weiter aus: „Gleichzeitig sorgt eine bis 2029 festgelegte Preisentwicklung für Transparenz und Planungssicherheit. Durch die beschlossenen Anpassungen sollen größere Einmalanpassungen künftig vermieden werden.“
Für die Wiesbadener Freibäder bedeutet dies für Erwachsene im ersten Schritt zum 1. Januar 2027 eine Erhöhung von 5,50 Euro auf 6,- Euro und ab 1. Januar 2028 auf dann 6,50 Euro. Dies entspricht vom heutigen Niveau ausgehend 18,2 Prozent Veränderung. Bei Kindern und Jugendlichen fällt die relative Erhöhung wiederrum deutlich stärker aus, als bei den Erwachsenen. Von aktuell 2,50 Euro ausgehend wird zunächst auf 3,- Euro und dann auf 3,50 Euro erhöht, also mit 40 Prozent eine doppelt so starke Mehrbelastung als bei den Erwachsenen.
Jahre ohne Erhöhung
Die momentan gültigen Tarife sind zum großen Teil seit mehreren Jahren unverändert geblieben und stützen sich überwiegend auf Anpassungen aus den Jahren 2020 und 2022. Bei einigen Freizeiteinrichtungen liegt die letzte Preisaktualisierung sogar mehr als ein Jahrzehnt zurück.
Dies betrifft namentlich die Henkell-Kunsteisbahn sowie das beliebte Luft- und Sonnenbad „Unter den Eichen“, das im Sprachgebrauch auch als „Lufti“ bekannt ist. Inzwischen haben sich die ökonomischen Rahmenbedingungen im Betrieb jedoch stark gewandelt.
Veränderte Wirtschaftslage
Neben massiv gestiegenen Aufwendungen für Personal, Energie und Sachmittel verzeichnet auch der Verbraucherpreisindex seit dem Jahr 2020 einen Anstieg von rund 18 Prozent. Diese allgemeinen Preisentwicklungen machen eine Überarbeitung der aktuellen Tarifstruktur unumgänglich.
Für das Freibad „Unter den Eichen“ ist eine differenzierte Regelung vorgesehen. Der Eintrittspreis für erwachsene Besucher wird bereits im Rahmen der ersten Stufe auf ein angemessenes Niveau angehoben und bleibt danach stabil.
Familienfreundliche Gestaltung
Eine zusätzliche, moderate Anpassung der Tarife für Kinder und Jugendliche im „Lufti“ greift hingegen erst zum 1. Januar 2029. Dieser Jugendtarif wird auch danach weiterhin etwa die Hälfte des regulären Erwachsenenpreises betragen, wodurch eine familienfreundliche Ausrichtung gewahrt bleibt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reform liegt auf der Förderung des digitalen Vertriebs. Um Kassenbereiche zu entlasten und Wartezeiten für die Besucher zu verkürzen, soll der Online-Kauf attraktiver gestaltet werden.
Vorteile beim Onlinekauf
Wer seine Einzeltickets über den offiziellen Onlineshop von mattiaqua erwirbt, erhält künftig einen Preisnachlass von zehn Prozent im Vergleich zum Kauf an der Tageskasse.
Dieser Rabatt beschränkt sich ausschließlich auf den Erwerb von Einzeleintritten. Bereits bestehende Vergünstigungen sowie das etablierte Bonussystem der mattiaquaCard bleiben von den geplanten Neuerungen vollkommen unberührt.
Sicherung des Betriebs
Mit der geplanten Tarifreform verfolgt der städtische Eigenbetrieb das Ziel, seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Die höheren Einnahmen sollen dazu dienen, die gestiegenen Kosten im laufenden Unterhalt teilweise auszugleichen.
Zudem bilden die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern einen essenziellen Finanzierungsbeitrag für den Betrieb sowie für anstehende Wartungsarbeiten, notwendige Instandhaltungen und Modernisierungsschritte in den Anlagen.
Ausblick auf Beschluss
Bevor die Neuerungen von Mattiaqua zu Eintrittspreisen für Wiesbadens Freibäder und die Eisbahn umgesetzt werden können, muss die Stadtverordnetenversammlung noch abschließend über die Vorlage entscheiden. Das Parlament wird voraussichtlich in seiner Sitzung am Mittwoch, den 30. September, über das Konzept beraten.
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