Engagement

Wiesbaden Stiftung wächst: 17 neue Stifter setzen Zeichen

Die Institution, die Menschen zusammenbringt, um sich gemeinsam für das Gemeinwohl und die Zukunft Wiesbadens zu engagieren, hat neue Stifter aufgenommen und damit ihr Förderwerk auf eine stattliche Zahl an Mitglieder erweitert. Beim Stifterabend ging es zugleich um Engagement, Kinderförderung und neue Ideen für die Landeshauptstadt.

Von: |Erschienen am: 11. September 2026 18:17|

Foto: Die Wiesbaden Stiftung

Die Wiesbaden Stiftung hat bei ihrem Stifterabend 17 neue Stifter offiziell in ihre Stifterversammlung aufgenommen. Damit umfasst die Gemeinschaft derjenigen, die die Bürgerstiftung mit einer Zustiftung dauerhaft unterstützen, inzwischen 148 Personen.

Voraussetzung für die Aufnahme ist ein Beitrag von mindestens 3.000 Euro zum Stiftungskapital. Die Mitglieder der Stifterversammlung werden mit einem persönlichen Namensschild im Stiftungshaus am Michelsberg sichtbar gemacht. Der Abend verdeutlichte zugleich, dass die Idee der Bürgerstiftung mittlerweile weit über den Kreis der bisherigen Stifter hinaus auf Interesse stößt.

Breites Interesse

Unter den Gästen befanden sich Vertreter des Jugendparlaments sowie zahlreiche Aktive aus gemeinnützigen Organisationen. Auch Menschen aus den Bereichen Engagement, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik waren vertreten. Hinzu kamen viele interessierte Wiesbadener.

Vorstandsvorsitzende Dr. Alrun Schößler betonte die Bedeutung des gemeinsamen Engagements: „Eine Bürgerstiftung lebt von den Menschen, die sich mit ihrer Stadt verbunden fühlen und gemeinsam etwas bewegen wollen“, sagte Schößler. „Wir möchten noch mehr Menschen zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich einzubringen, mit Zeit, Ideen, Netzwerken, Spenden oder einer Zustiftung.“

Ehrenamt im Wandel

Welche Bedeutung bürgerschaftliches Engagement angesichts angespannter öffentlicher Haushalte hat, war Thema eines Podiumsgesprächs zwischen Schößler und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Mende ist zugleich Schirmherr der Wiesbaden Stiftung.

Beide machten deutlich, dass freiwilliges Engagement nicht als Ersatz für staatliche Aufgaben betrachtet werden könne. Vielmehr stelle es eine eigenständige Qualität des gesellschaftlichen Zusammenlebens dar: Menschen übernehmen Verantwortung, bringen sich in die Entwicklung ihrer Stadt ein und fördern das Miteinander.

Gemeinsam mehr bewegen

Zugleich gewinnen Kooperationen zwischen staatlichen Stellen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft sowie privaten zunehmend an Bedeutung. Die Wiesbaden Stiftung sieht sich dabei auch in der Rolle einer Vermittlerin.

Sie bringt unterschiedliche Akteure zusammen, erschließt private finanzielle Mittel und trägt dazu bei, Spenden gezielt dort einzusetzen, wo sie in Wiesbaden Wirkung entfalten können.

Kinder im Mittelpunkt

Ein zentraler Schwerpunkt der Wiesbaden Stiftung sind weiterhin eigene Projekte für Kinder und Jugendliche. Dazu zählen unter anderem die LeseRitter sowie der Leonardo Schul-Award.

Wie die Arbeit der Stiftung unmittelbar bei jungen Menschen ankommt, machten zwei Schülerinnen der Gutenbergschule deutlich. Sie berichteten bei dem Stifterabend von ihren Erfahrungen mit den LeseRittern. Mit verstellten Stimmen, verschiedenen Gefühlslagen und viel Freude hätten sie das laute, deutliche und betonte Vorlesen trainiert. Dabei seien nicht nur ihre Lesekompetenzen gewachsen, sondern auch ihr Selbstvertrauen.

LeseRitter vor Ausbau

Das Projekt LeseRitter wird vollständig über Spenden finanziert und ist derzeit an sieben Wiesbadener Schulen aktiv. Langfristig möchte die Stiftung das Angebot deutlich ausweiten.

Das Ziel ist, die LeseRitter perspektivisch an sämtlichen Wiesbadener Grundschulen anzubieten.

Wechsel an der Spitze

Ein besonderer Moment des Abends war dem Gründer und langjährigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Michel gewidmet. Dr. Alrun Schößler überreichte ihrem Vorgänger eine eigens angefertigte Torte, die einem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse nachempfunden war.

Michel hatte die Auszeichnung im Januar für sein langjähriges Engagement und seine Verdienste erhalten. Die ungewöhnliche Torte bildete zugleich einen symbolischen Abschluss des Generationswechsels innerhalb der Wiesbaden Stiftung.

Gemeinsame Entwicklung

Über sieben Jahre hinweg hatten Michel und Schößler die Entwicklung der Stiftung gemeinsam vorangetrieben. Bereits 2019 war deutlich geworden, dass die gewachsenen Aufgaben nicht mehr allein mit ehrenamtlichen Strukturen zu bewältigen waren.

Schößler übernahm deshalb als geschäftsführende Vorständin den Aufbau hauptamtlicher Strukturen. Gemeinsam mit Thomas Michel und dem Vorstand entwickelte sie anschließend das Team und die Projekte weiter, professionalisierte die internen Abläufe und begleitete sowohl die Sanierung als auch den Umzug in das eigene Stiftungshaus.

Übergang vollzogen

Mit Schößlers Berufung zur Vorstandsvorsitzenden am 29. April 2026 ist der Wechsel an der Spitze nun auch formal abgeschlossen.

Die Wiesbaden Stiftung möchte ihren bisherigen Kurs fortsetzen und gleichzeitig neue Akzente setzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung und Vernetzung der Menschen, die sich bereits in Wiesbaden engagieren.

Neue Angebote

Zu den neuen Formaten gehört der VereinsCampus. Er richtet sich an Vereine und andere gemeinnützige Organisationen und bietet ihnen praxisorientierte Unterstützung, Qualifizierung und Möglichkeiten zur Vernetzung.

Auch das Stiftungshaus am Michelsberg soll sich noch stärker zu einem offenen Treffpunkt entwickeln. Jeden ersten Donnerstagabend im Monat öffnet die Stiftung bereits ihre Räume. Ab dem kommenden Jahr soll zusätzlich an jedem dritten Samstagvormittag ein offenes Angebot hinzukommen.

Stiftungshaus als Treffpunkt

Schößler formulierte das Ziel für die weitere Entwicklung so: „Wir wollen Gemeinschaft noch stärker leben“, sagt Schößler. „Das Stiftungshaus soll ein Ort sein, an dem Menschen zusammenkommen, Ideen entwickeln und erfahren können, wie viel wir gemeinsam für Wiesbaden bewegen können.“

Finanzielle Entwicklung

Zum Abschluss des Stifterabends gab Schatzmeisterin Dominique Pontani einen Überblick über die wirtschaftliche Situation der Wiesbaden Stiftung. Demnach ist die Stiftung finanziell stabil aufgestellt. Besonders die Einnahmen aus Spenden und Zuschüssen konnten deutlich gesteigert werden.

Weiteres Entwicklungspotenzial sieht die Stiftung bei den Erträgen aus der Vermögensverwaltung. Für die Umsetzung ihrer operativen Projekte bleibt sie zugleich auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Spenden bleiben wichtig

Insbesondere Angebote wie die LeseRitter werden vollständig durch Spenden finanziert. Unterstützung aus der Bürgerschaft bleibt daher eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit der Stiftung. Mit mittlerweile 148 Zustiftern, einer steigenden Zahl von Unterstützern sowie zusätzlichen Angeboten für die Wiesbadener Stadtgesellschaft sieht sich die Wiesbaden Stiftung für die kommenden Jahre gut aufgestellt.

An ihrem grundlegenden Ziel will die Stiftung festhalten: Menschen dafür zu gewinnen, Verantwortung, Ehrenamt und Engagement für ihre Stadt zu übernehmen, und ihnen zugleich Möglichkeiten zu eröffnen, gemeinsam etwas für Wiesbaden zu bewirken.

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