Praxisnahe Workshops
Öko-Vorgaben: Wie Wiesbadener Unternehmen den Einstieg in den Nachhaltigkeitsbericht schaffen
Rund 70 heimische Betriebe haben in der IHK Wiesbaden ein neues, kostenfreies Werkzeug der Bundesregierung getestet. Doch was bedeutet der wachsende Druck zur Transparenz konkret für den Mittelstand und welche Hürden müssen Firmen jetzt tatsächlich überwinden?
Foto: Paul Müller
Wtwa 70 Unternehmen aus Hessen nahmen am Donnerstag, 3. September, an einer Informationsveranstaltung in der IHK Wiesbaden teil, um ein kostenfreies Online-Werkzeug der Bundesregierung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung praxisnah zu testen.
Im Mittelpunkt der sogenannten DNK-Roadshow stand die Vorstellung der dazugehörigen Plattform unter www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de. Organisiert wurde der Termin gemeinsam von den Industrie- und Handelskammern in Wiesbaden und Frankfurt am Main sowie dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK).
Eröffnung
Die feierliche Eröffnung der Veranstaltung übernahmen Paul Herwarth von Bittenfeld, Vizepräsident der IHK Wiesbaden, gemeinsam mit Dr. Alexandra von Winning, welche dem Ausschuss Nachhaltigkeit der IHK Frankfurt vorsteht. Dabei machte der Vizepräsident der Wiesbadener Kammer unmissverständlich deutlich, welche strategische Relevanz das Thema für die heimische Wirtschaft besitzt.
Transparenz schafft Zukunft
Paul Herwarth von Bittenfeld betonte: „Beim Nachhaltigkeitsreporting geht es nicht um Regulierung, sondern darum, wie wir unsere Unternehmen langfristig erfolgreich aufstellen und zukunftsfähig machen möchten. Kunden, Banken, Versicherungen, Geschäftspartner und potenzielle Mitarbeitende erwarten heute mehr Transparenz als noch vor einigen Jahren“. Im weiteren Verlauf des Vormittags erhielten die anwesenden Firmen praxisnahe Orientierungshilfen für ihren betrieblichen Alltag.
Nach einer fundierten Einführung in die Thematik durch Tamara Mariela Moll vom DNK folgte eine prägnante Keynote von Dennis Pütz, der als Vertreter der Pütz GmbH + Co. Folien KG beleuchtete, weshalb das Nachhaltigkeitsreporting für Unternehmen gegenwärtig von zentraler Bedeutung ist. Er führte hierzu aus: „Nicht jeder Mittelständler braucht morgen einen Hochglanz-ESG-Report. Aber jedes KMU braucht in den nächsten Jahren eine klare, glaubwürdige Geschichte mit Zahlen dahinter“.
Blick auf Prozessdaten
Im Anschluss ordnete Jakob Kunzlmann von der Bertelsmann Stiftung die Möglichkeiten einer freiwilligen Berichterstattung nach dem VSME-Standard (künftig Voluntary Standard, kurz VS) fachlich ein. Dabei hob er hervor, dass der eigentliche Mehrwert keineswegs allein in dem fertigen Endbericht liege, sondern maßgeblich im zugrundeliegenden Prozess zu verorten ist.
Durch diese strukturierte Herangehensweise lernen Betriebe, ihre eigenen Nachhaltigkeitsdaten tiefgehend zu verstehen und diese gewinnbringend für künftige Gespräche mit Finanzinstituten, Kundschaft oder Geschäftspartnern zu nutzen. Ergänzend dazu präsentierte Victoria Diekkamp-Reimann als Projektleiterin des DNK die konkreten Schritte zur Nutzung der Plattform unter www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de. Das kostenfreie, digitale und modular gestaltete Angebot richtet sich gleichermaßen an bereits berichtspflichtige Betriebe sowie an Unternehmen, die freiwillig nach dem VSME-Standard agieren möchten.
Herausforderungen für Betriebe
Wie groß der reale Bedarf nach unkomplizierten Lösungen in der Praxis ist, zeigte im weiteren Verlauf die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Nachhaltigkeitsberichterstattung im Dialog – Erwartungen, Chancen und gemeinsame Lösungen“. Vertreter aus der Wirtschaft, dem Bereich Sustainable Finance sowie der Versicherungswirtschaft debattierten dabei über die alltäglichen Hürden, mit denen Betriebe derzeit konfrontiert werden.
Kritisch angemerkt wurde in diesem Zusammenhang, dass Unternehmen gegenwärtig mit einer Vielzahl an Datenabfragen, stark voneinander abweichenden Berichtsformaten und unklaren internen Zuständigkeiten zu kämpfen haben. Abhilfe soll hierbei der VSME-Standard schaffen, der auf einheitliche und freiwillige Angaben setzt, um aus den vielen verschiedenen Fragebögen eine einheitliche Sprache zu formen.
Das DNK-Signet
Den praktischen Ausklang des Tages bildeten drei parallele Workshops, welche den Einstieg in die Berichterstattung, den direkten Erfahrungsaustausch zwischen den Firmen sowie den konkreten Weg vom VSME-Bericht zum offiziellen DNK-Signet beleuchteten. Das Signet dokumentiert dabei die erfolgreiche Durchführung des DNK-Plausibilitätschecks durch unabhängige Universitätsgutachter.
Im Rahmen dieses Checks werden die Angaben im Basis- und Zusatzmodul des VSME anhand von Konsistenz, Kohrenz, Verständlichkeit und formaler Vollständigkeit im Sinne des Standards überprüft. Wichtig zu wissen ist, dass Belege, Quellen, sonstige Nachweise sowie die eigentliche Nachhaltigkeitsleistung ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Prüfung sind. Nach erfolgreichem Plausibilitätscheck dürfen Firmen das DNK-Signet tragen und ihren Bericht auf der Website des DNK veröffentlichen.
Fazit der Veranstaltung
Die Veranstaltung in der Wiesbadener IHK verdeutlichte abschließend ein zentrales Signal an die heimische Wirtschaft: Ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsreporting muss keineswegs mit einem perfekten Bericht an den Start gehen.
Oftmals reicht bereits der erste strukturierte Blick auf bereits vorhandene Daten, auf den Energieverbrauch, die Lieferketten, interne Arbeitsprozesse oder bestehende Risiken aus. Von diesem Fundament aus kann schrittweise ein Instrument entstehen, welches nach externen Maßstäben Vertrauen stiftet und den Unternehmen intern wertvolle Orientierung liefert.
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