Sozialpolitik
Selbstbestimmt und aktiv im Alter: Stadt startet umfassende Senioren-Strategie
Die Zahl der über 65-Jährigen in der Landeshauptstadt steigt in den kommenden Jahren spürbar an. Um Wohnen, Pflege, Mobilität und soziale Angebote rechtzeitig auf diese Entwicklung einzustellen, setzt die Kommunalpolitik auf einen weitblickenden Fahrplan. Welche konkreten Schritte verankert wurden, ab wann die ersten Maßnahmen greifen und wie sich die Bevölkerung selbst einbringen kann, wurde jetzt skizziert.
Symbolfoto: Canva
In der Landeshauptstadt Wiesbaden steht eine spürbare gesellschaftliche Entwicklung bevor: Die Bevölkerungsgruppe der Senioren wächst kontinuierlich. Damit einhergehend steigt der Bedarf an passenden Infrastrukturen und Unterstützungsleistungen in Bereichen wie Gesundheit, Wohnen, Mobilität, Beratung und gesellschaftlicher Teilhabe. Um diesen Wandel strukturiert zu begleiten, erfasst die Stadt im Rahmen eines neu beschlossenen Handlungsprogramms bestehende Angebote, identifiziert Versorgungslücken und ermittelt den künftigen Bedarf.
Auf Basis dieser Bestandsaufnahme sollen zielgerichtete Maßnahmen für die kommunale Altenhilfe erarbeitet werden. Den offiziellen Beschluss für das Handlungsprogramm fasste der Ausschuss für Soziales, Integration, Wohnen, Kinder und Familie am 28. Januar dieses Jahres.
Anstieg der Seniorenzahl
Die Notwendigkeit des Vorhabens belegen die aktuellen Bevölkerungszahlen: Derzeit leben in Wiesbaden 60.754 Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, was einem Bevölkerungsanteil von rund 20 Prozent entspricht.
Nach Berechnungen des Amts für Strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik wird diese Zahl bis zum Jahr 2035 voraussichtlich auf 68.115 Personen ansteigen. Dies entspricht einem Plus von etwa zwölf Prozent.
Fokussierung auf zentrale Lebensbereiche
Das Konzept konzentriert sich zu Beginn auf vier wesentliche Themenfelder: soziale Teilhabe, Digitalisierung, Prävention und Gesundheit sowie Mobilität und Wohnen im Alter. In enger Abstimmung mit Fachleuten der Altenhilfe sowie freien Trägern wird analysiert, inwieweit das aktuelle Netz den künftigen Anforderungen standhält.
Die Wünsche und Alltagserfahrungen der älteren Wiesbadener sollen dabei direkt berücksichtigt werden. Einen zentralen Stellenwert nehmen vorbeugende Maßnahmen ein, die die Selbstständigkeit und Gesundheit fördern und eine Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszögern.
Weiterentwicklung der Angebote
Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) unterstreicht die Zielsetzung des Vorhabens: „Wir wollen Wiesbaden gemeinsam mit den älteren Menschen und allen Akteurinnen und Akteuren der Altenarbeit so weiterentwickeln, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt, gesund und aktiv leben können.
Dafür müssen wir genau wissen, welche Angebote bereits gut funktionieren und wo noch Lücken bestehen. Das Handlungsprogramm schafft die Grundlage, um auf den demografischen Wandel vorausschauend und bedarfsgerecht zu reagieren.“
Mehrstufiger Zeitplan
Die Erarbeitung des Handlungsprogramms erfolgt schrittweise über mehrere Jahre hinweg. Zunächst wird die statistische und fachliche Basis erneuert: Die Fertigstellung des Berichts „Ältere Menschen in Wiesbaden“ ist für Mitte 2027 geplant. In den anschließenden Jahren 2027 und 2028 werden die Themenschwerpunkte vertieft und eine breite Bürgerbeteiligung gestartet.
Die praktische Umsetzung der daraus hervorgehenden Maßnahmen soll ab 2029 beginnen. Dieses etappenweise Vorgehen ermöglicht es, wissenschaftliche Daten, Alltagserfahrungen der Bürger sowie die Expertise der Hilfsorganisationen miteinander zu verbinden.
Anknüpfung an bewährte Netzwerke
Das neue Programm für Senioren und Altenhilfe baut auf einer gewachsenen Infrastruktur auf. Beispielsweise leisten die Beratungsstellen für selbständiges Leben im Alter seit mehr als vier Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der älteren Generation. Koordinationsplattformen wie das GereNetz stärken zudem die Kooperation zwischen städtischen Stellen und freien Wohlfahrtsverbänden.
Die enge Verzahnung von kommunaler Altenarbeit, freien Trägern und der Beteiligung der Wiesbadener Bevölkerung soll gewährleisten, dass künftige Konzepte zielgerichtet, praxistauglich und mit effizientem Ressourceneinsatz realisiert werden.
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!


