Neustart

Tränen, Dank und Zukunftsmut: Bewegender Abschied von der Heilig-Geist-Kirche

Jahrzehntelang war die Heilig-Geist-Kirche auf der Adolfshöhe in Wiesbaden ein geistliches Zuhause für Generationen. Nun hat sich die Martin-Luther-Gemeinde in einem emotionalen Moment von ihrem vertrauten Ort getrennt. Doch wo Wehmut und Erinnerungen aufeinandertreffen, ist gleichzeitig der Weg für ein wegweisendes Zukunftsprojekt geebnet. Ein Dachkreuz als bleibendes Symbol begleitet einen Neuanfang, der schon bald frisches Leben in die Drususstraße bringen soll.

Von: |Erschienen am: 18. August 2026 11:11|

Fotos: Martin-Luther-Gemeinde

Mit einem bewegenden Gottesdienst hat sich die Martin-Luther-Gemeinde am Sonntag, 16. August, vorerst von der Heilig-Geist-Kirche auf der Adolfshöhe verabschiedet. Mehr als sechs Jahrzehnte diente das Bauwerk den Gläubigen als religiöse Heimat. Nun steht eine umfassende Umgestaltung an: Ab 2027 wird das Stadtjugendpfarramt des Evangelischen Dekanats die Räumlichkeiten nutzen.

Die voll besetzte Kirche bildete den Rahmen für einen Abschied, der von Wehmut und Trauer geprägt war. Da das Gebäude künftig nicht mehr als klassische Gemeindekirche fungiert, haben verschiedene Gruppen und Kreise bereits neue Treffpunkte bezogen. Neben dem Abschiedsschmerz kam jedoch auch tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck, viele Anwesende verbinden prägende Lebensereignisse wie Taufen oder Konfirmationen mit dem Ort, teils über mehrere Generationen hinweg.

Hoffnungsvoller Blick auf künftige Nutzung

Gleichzeitig blickten die Versammelten zuversichtlich in die Zukunft, damit der Ort auch weiterhin Raum für Gemeinschaft und Glaubenserfahrung bietet. Prädikantin Gisela Seip bezog sich in ihren Worten auf die markante Architektur des Hauses und betonte, dass seit der Grundsteinlegung viele lebendige Bögen persönlicher und familiärer Geschichten entstanden seien. Sie wünschte der Gemeinde, dass durch die anstehende Neuausrichtung das Fundament für neue Entwicklungen gelegt werde.

„Ich hoffe darauf, dass Gott hier an diesem Ort etwas Wunderbares geschehen lässt. Und bin gespannt darauf, wie und was das sein wird.“ In ihren Fürbitten schlossen die Zelebrierenden sowohl diejenigen ein, die aufgrund des Endes dieses geschichtlichen Kapitels Trauer oder Unverständnis empfinden, als auch die Verantwortlichen des Umbauprojekts sowie das künftige Team der Jugendkirche.

Anerkennung für ehrenamtlichen Einsatz

Im Anschluss an die Zeremonie kamen die Gäste vor dem Gotteshaus zusammen, um Erinnerungen auszutauschen und eine kleine Ausstellung zu besichtigen. Zuvor würdigten Andreas Keller und Pfarrer Johannes Merkel acht Ehrenamtliche für ihr besonderes Engagement in den vergangenen Monaten und Jahren. Pfarrer Merkel bedankte sich bei den Helfern: „Ihr habt Verantwortung übernommen – einige von euch im Kirchenvorstand, alle von euch ganz handfest. Manchmal mit Tränen in den Augen habt ihr die Kirche ausgeräumt und die Grundlage dafür gelegt, dass hier etwas Neues wachsen kann“

Als sichtbares Zeichen des Dankes erhielten die Besucher am Ausgang kleine Kupferplaketten mit den eingeprägten Umrissen der Heilig-Geist-Kirche, die aus dem früheren Dachkreuz gefertigt wurden. Für die musikalische Gestaltung des von Teilnehmenden hoch gelobten Gottesdienstes zeichnete unter anderem ein Ensemble des Kinderchores „Lerchen und Füchse“ unter der Leitung von Sebastian Möller verantwortlich.

Neuer Knotenpunkt für die regionale Jugendarbeit

Die Entscheidung für den Standortwechsel geht auf ein Votum der Wiesbadener Dekanatssynode von Ende März zurück. Das regionale Kirchenparlament beschloss mit deutlicher Mehrheit, das Stadtjugendpfarramt (Stajupfa) und die Evangelische Jugendkirche im kommenden Jahr an der Heilig-Geist-Kirche zusammenzuführen.

Das Gotteshaus in der Biebricher Drususstraße 26 sowie das angrenzende Pfarr- und Gemeindehaus werden für diesen Zweck umgebaut und energetisch saniert. Die Finanzierung des 600.000-Euro-Projekts erfolgt aus Rücklagen des Dekanats sowie aus Mitteln der Evangelischen Gesamtgemeinde und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Synergien durch gemeinsame Infrastruktur

Dekanin Arami Neumann zeigte sich erfreut über den breiten Konsens aller Beteiligten und betonte das Potenzial des Vorhabens: „Hier wird ein Ort für die Jugend entstehen, der in die Stadt Wiesbaden und die Kirchengemeinden ausstrahlt“. Sie ergänzte im Hinblick auf die Zusammenlegung: „Stajupfa und Jugendkirche an einem Standort, da wird noch mal eine ganz neue Dynamik entstehen“, ist sich Neumann sicher. „Vor allem ist es ein Ort, der in die Zukunft gerichtet ist.“

Bislang nutzte die Evangelische Jugendkirche die Oranier-Gedächtnis-Kirche am Biebricher Rheinufer, während das Stadtjugendpfarramt in der Fritz-Kalle-Straße 40 ansässig war. Dekanatsjugendreferent Denis Wöhrle sieht in der Bündelung am neuen Standort große Vorteile: „Dass wir künftig an einem Standort an der Heilig-Geist-Kirche sind, ist für uns eine riesige Chance. Wir können die Jugendkirche häufiger und auch viel besser auch für kleine Formate nutzen.“

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