Pragmatische Allianz
Ökumenische WG im Ländchesdom: Katholiken und Protestanten teilen sich ein Zuhause
Im Wiesbadener Vorort Delkenheim ist der Startschuss für ein außergewöhnliches Miteinander gefallen: Nach der Schließung einer Kirche rücken die beiden großen Konfessionen eng zusammen und nutzen fortan ein gemeinsames Gebäude. Wie der Alltag in dieser besonderen Gemeinschaft künftig geregelt wird und welche sympathische Bewährungsprobe den beiden Pfarrern direkt beim festlichen Auftakt bevorstand, lesen Sie im Bericht.
Fotos: A. Goerlich-Baumann / Bistum Limburg
In Wiesbaden-Delkenheim hat ein außergewöhnliches ökumenisches Projekt begonnen: Am Sonntag, 16. August, feierten die evangelische Kirchengemeinde Delkenheim sowie die katholische Pfarrei St. Birgid mit einem gemeinsamen Gottesdienst den Auftakt ihrer engeren Zusammenarbeit im Ländchesdom.
Hintergrund dieser Veränderung ist die Entwidmung und Schließung der bisherigen katholischen Kirche St. Stephan in der Stuttgarter Straße. Künftig teilen sich beide Glaubensgemeinschaften sowohl das Gotteshaus als auch das angrenzende Gemeindezentrum. Um den terminlichen Ablauf zu strukturieren, halten die Katholiken ihre Gottesdienste künftig samstags ab, während die Protestanten wie gewohnt am Sonntag zusammenkommen.
Herzlicher Empfang in voll besetzter Kirche
Beim festlichen Auftakt begrüßte der evangelische Pfarrer Oliver Albrecht die katholischen Gemeindemitglieder mit warmen Worten. „Das wird eine christliche WG, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat“, betonte der Geistliche und verwies darauf, dass das Gotteshaus ausreichend Raum für beide Konfessionen biete. Er zeigte sich gewiss, dass es „zusammen besser geht“.
Auch auf katholischer Seite war die Freude über die Aufnahme in der gut gefüllten Kirche groß. „Wir ziehen ein und jeder zieht mit“, zeigte sich Pfarrer Frank Schindling erfreut. Gleichzeitig verwies er darauf, dass das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft intensive Abstimmungen erfordere und sich manches erst einspielen müsse. Dennoch überwiege die Erwartung auf zahlreiche Begegnungen, und „darauf freuen wir uns.“
Positive Signale aus Politik und Kirchenleitung
Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) schloss sich den Vergleichen an und hob hervor, dass die Kooperation im Ländchesdom weit über eine reine Zweckallianz hinausgehe und von einem tiefen inneren Zusammenhalt getragen werde. „Ich wünsche Ihnen eine segensreiche Zusammenarbeit in dieser Wohngemeinschaft“, erklärte das Stadtoberhaupt im Rahmen des Gottesdienstes.
Ergänzend stellte Jürgen Otto von der Leitung der Katholischen Region Wiesbaden-Rheingau-Taunus heraus, dass der Zusammenschluss eine starke Bereitschaft zum Wandel dokumentiere und ein sichtbares Zusammenwachsen zeige. Laut Otto handelt es sich hierbei um ein zukunftsweisendes Modell: Neben St. Birgid geht in der Landeshauptstadt auch die Pfarrei St. Peter und Paul diesen Weg. Deren Kirchort St. Klara wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres in Klarenthal ebenfalls in die Räumlichkeiten der dortigen evangelischen Nachbargemeinde umziehen.
Feierlicher Rahmen
Musikalisch gestaltet wurde die Feier von der Band BON unter der Leitung von Rudi Neu, während eine Vielzahl an Messdienerinnen und Messdienern gemeinsam mit den Seelsorgern und Gremienvertretern feierlich einzog.
Den geistlichen Rahmen untermalten Katja Kober vom evangelischen Kirchenvorstand und Bernhard Reinke vom katholischen Ortsausschuss mit einem im Wechsel vorgetragenen Gebet für das gemeinsame Vorhaben.
Gemeindefest
Zum Abschluss richtete Kober im Ländchesdom in Wiesbaden-Delkenheim ihren Dank an alle Beteiligten des Projekts und bat die Anwesenden auf den Kirchplatz zum ökumenischen Gemeindefest. Dort wartete eine besondere Aufgabe auf die beiden Seelsorger: Sie wurden von Kober schmunzelnd direkt an den Grill gebeten, um ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit beim praktischen Einsatz auf die Probe zu stellen.
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Im Wiesbadener Ortsteil Delkenheim beginnt eine neue ökumenische Phase. Nach der Profanierung von St. Stephan feiern […]

