Urbaner Treffpunkt
Leerstand wird zum Hit: Bereits 20.000 Gäste im WerkRaum Wiesbaden
Wo vor Kurzem noch eingekauft wurde, herrscht jetzt buntes Leben ohne Kaufzwang: Ein temporäres Projekt mitten im Herzen der Wiesbadener Innenstadt zieht nach drei Monaten eine beeindruckende Zwischenbilanz. Was Tausende Menschen in den neuen Treffpunkt lockt und welche spannenden Höhepunkte im August auf Neugierige warten, zeigt das Erfolgsmodell in der Langgasse.
Logo WerkRaum
Eine erfolgreiche Zwischenbilanz nach den ersten drei Monaten: Der WerkRaum Wiesbaden hat sich mitten in der Fußgängerzone zu einer lebendigen Anlaufstelle für die Bürger entwickelt. Seit seiner Eröffnung Anfang Mai lockte der temporäre Ort für Austausch, Kultur, Stadtgeschichte und urbane Entwicklung rund 20.000 Gäste an.
Vor Ort kommen die Besucher direkt mit den Projektverantwortlichen ins Gespräch, entdecken zentrale Wandsbeker und Wiesbadener Zukunftsthemen und lernen die Landeshauptstadt aus frischen Blickwinkeln kennen. Der anhaltende Publikumsandrang belegt deutlich, wie gut das Angebot als Raum für Begegnungen, Dialoge und gemeinsames Gestalten von der Bevölkerung angenommen wird.
Transformation eines leerstehenden Kaufhauses
Hinter dem Projekt steht der Gedanke, ungenutzten Raum neu zu beleben. Ein ungenutztes Kaufhaus im Herzen der Wiesbadener Innenstadt wurde dafür in einen sogenannten „Vierten Ort“ verwandelt, einen öffentlichen, konsumfreien Treffpunkt für gesellschaftliche Debatten. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden zusammen mit der Architektin und Stadtplanerin Sandra Düsterhus (POINT. Architektur).
In Kooperation mit Prof. Jörg Waldschütz sowie Studenten des Studiengangs Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain entstand im Kontext der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 eine Plattform für Miteinander, Ideenreichtum und Zukunftsfragen.
Vom Verkaufsraum zum Dialogort
Seit dem Start ist das Areal stetig in Bewegung. Das Programm aus Wechselausstellungen, Vorträgen, Workshops und Mitmachaktionen verknüpft Kultur, Wissenschaft, Stadtplanung und Zivilgesellschaft. Wo früher Verkaufsflächen dominierten, stehen heute Diskussionen, kreatives Gestalten und gemeinsames Lernen im Vordergrund. Der verwaiste Verkaufsraum hat sich damit Schritt für Schritt mit neuem Leben gefüllt.
Nutzung bestehender Gebäude
Sandra Düsterhus, Architektin und Mitinitiatorin des WerkRaums, betont dazu: „Dass heute so viele Besucherinnen und Besucher den WerkRaum mit Leben füllen, zeigt, wie groß das Bedürfnis nach offenen Orten für Begegnung und Austausch mitten in der Stadt ist.
Die Transformation eines leerstehenden Kaufhauses zu einem offenen Treffpunkt für die Stadtgesellschaft macht zugleich sichtbar, wie viel Potenzial in bestehenden Gebäuden steckt. Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass nachhaltige Stadtentwicklung auch bedeutet, Orte neu zu nutzen und gemeinsam mit Leben zu füllen.“
„Stadtgeschichten“ im August im Fokus
Nachdem in den vergangenen Monaten die Themenschwerpunkte „Gemeinschaft“, „Lebensräume“ und „Sommer in der Stadt“ im Fokus standen, widmet sich der WerkRaum im August den „Stadtgeschichten“. Dabei geht es im Kern um die Fragestellung, wie historische Erkenntnisse zum besseren Verständnis der Gegenwart beitragen und Impulse für die künftige Stadtgestaltung liefern können.
In diesem Rahmen bringt sich auch das Stadtmuseum am Markt ein und präsentiert im WerkRaum erneut sein „Gläsernes Museum“. Interessierte erhalten hier direkte Einblicke in die alltägliche Museumsarbeit und erfahren, wie stadtgeschichtliche Objekte gesammelt, erforscht und vermittelt werden. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des sam im Marktkeller hält Museumsdirektorin Sabine Philipp am Mittwoch, 19. August, einen Vortrag, der die Entwicklung des Stadtmuseums beleuchtet und Zukunftsoptionen aufzeigt.
Buntes Programm
Zu den weiteren Höhepunkten im August gehört die Veranstaltung „Stadtgeschichte und Stadtstruktur“, die am Montag, 10. August, gemeinsam vom Stadtplanungsamt und der Bauaufsicht/Unteren Denkmalschutzbehörde ausgerichtet wird. Zudem stehen Thermalquellenrundgänge auf dem Plan, die im Rahmen des WDC-Projektes „SpotHot“ stattfinden.
Verschiedene Vorträge und Lesungen runden das stadtgeschichtliche Programm ab. Ergänzt wird das Angebot durch Aktionen zur Sonderausstellung „Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“. Unter anderem demonstriert eine Workshow der Staatlichen Zeichenakademie Hanau traditionelle Silberschmiedetechniken live vor Ort und lädt zum Ausprobieren ein. Offene Werkstätten und Formate lokaler Partner ergänzen das Monatsangebot.
Zwangloser Austausch und Bürger-Feedback
Sabine Philipp, Direktorin der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, erläutert die besondere Wirkung der Räumlichkeiten: „Dadurch, dass sich der WerkRaum zur Fußgängerzone hin öffnet, kommen viele Menschen neugierig herein. In der zwanglosen Atmosphäre entstehen ganz selbstverständlich Gespräche. Die Menschen erzählen uns ihre persönlichen Geschichten, teilen ihre Erinnerungen und Meinungen mit uns und zeigen, welche Themen sie bewegen.
Wir erleben jeden Tag viel Zuspruch und große Anerkennung dafür, dass hier eine Alternative zu Geschäften und Konsum entstanden ist. Die Themen, die den WerkRaum während der sechs Monate prägen, sind eng mit Wiesbaden, seiner Geschichte und Entwicklung sowie mit den Menschen verbunden, die hier leben und gelebt haben. Im WerkRaum findet schon jetzt lebendige Stadtgeschichte statt.“
Wunsch nach langfristigem Erhalt
Die Museumsdirektorin ergänzt im Hinblick auf die Rückmeldungen der Besucher: „Die häufigste Rückmeldung, die wir bekommen, lautet: ‚So einen Ort braucht Wiesbaden! Schön wäre es, wenn Sie hier bleiben könnten. Und wenn sich die Idee dieses Ortes mit einem neuen Stadtmuseum verbinden könnte, wäre dies ideal.‘“
Alle Infos zum Besuch
Der WerkRaum demonstriert seit drei Monaten, wie verwaiste Verkaufsflächen in der Wiesbadener Innenstadt in Begegnungsstätten der Kultur umgewandelt werden können. Noch bis Ende Oktober stehen die Türen für Interessenten offen.
Der WerkRaum ist ein Projekt des Stadtmuseums am Markt. Die Räumlichkeiten in der Langgasse 5–9 sind werktags von 11:00 bis 19:00 Uhr, donnerstags von 11:00 bis 20:00 Uhr sowie sonntags nach vorheriger Absprache geöffnet. Detailinformationen zum Augustprogramm sind auf der offiziellen städtischen Website unter wiesbaden.de abrufbar.
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