Gesundheit

Rettung vor Ort: Neues Pilotprojekt bringt mobile Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz in Wiesbaden

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidet jede Minute über Leben und Tod. Um die Überlebenschancen von Notfallpatienten drastisch zu erhöhen, starten die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) ein bahnbrechendes Pilotprojekt: Ab sofort bringt ein spezialisiertes Notfallteam die hochkomplexe ECMO-Therapie direkt an den Einsatzort.

Von: |Erschienen am: 3. August 2026 15:01|

Foto: Stadt Wiesbaden

Die Landeshauptstadt Wiesbaden und die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) starten am Samstag, 1. August, ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Ziel ist es, den Beginn einer lebensrettenden Therapie deutlich zu beschleunigen und damit die Überlebenschancen zu erhöhen.

Renn gegen die Zeit: High-Tech-Medizin bereits vor der Klinik

Tritt bei einem Menschen ein Herz-Kreislauf-Stillstand ein, zählt jede Sekunde. Zwar gelingt es Rettungsdiensten und Notärzten durch klassische Herzdruckmassage und Beatmung oft, den Blutkreislauf vorübergehend aufrechtzuerhalten, doch mit jeder verstreichenden Minute sinkt die Chance auf eine vollständige neurologische Erholung.

Bislang konnte eine maschinelle Herz-Lungen-Unterstützung erst nach dem Eintreffen und der Übergabe im Krankenhaus eingeleitet werden. Das neue Projekt setzt genau an dieser zeitlichen Lücke an: Künftig startet die Lebenserhaltung in ausgewählten Notfällen schon direkt am Einsatzort – noch während der laufenden Reanimation.

Was ist die eCPR?

Bei dem Verfahren kommt die sogenannte Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz:

  • Eine mobile Herz-Lungen-Maschine übernimmt außerhalb des Körpers die Funktion von Herz und Lunge.

  • Das Blut wird mit Sauerstoff angereichert und zurück in den Kreislauf gepumpt.

  • Lebenswichtige Organe und das Gehirn bleiben optimal versorgt, während Notärzte die eigentliche Ursache des Stillstands behandeln können.

  • Wird dieses System während einer Wiederbelebung angeschlossen, sprechen Mediziner von einer extrakorporalen kardiopulmonalen Reanimation (eCPR).

Spezialisiertes ECMO-Team rückt parallel zum Rettungsdienst aus

Das Verfahren erfordert höchste medizinische Präzision und kommt daher nur nach strengen Kriterien zum Einsatz. Ein eigenständiges, speziell ausgebildetes ECMO-Team der Helios HSK – bestehend aus erfahrenen Intensivmedizinern – wird über die Zentrale Leitstelle Wiesbaden in der Pilotphase (werktags tagsüber) parallel zum regulären Rettungsdienst alarmiert. Mit einem eigens ausgestatteten Einsatzfahrzeug eilen die Experten direkt zum Notfallort.

Ob ein Patient für die eCPR infrage kommt, entscheidet das Ärzteteam vor Ort anhand von Indikatoren wie dem Alter, der vermuteten Ursache des Stillstands sowie der Dauer der bisherigen Reanimation.

Stimmen zum Start des Wiesbadener Pioneer-Projekts

„Die Landeshauptstadt Wiesbaden investiert kontinuierlich in eine moderne und leistungsfähige Notfallversorgung. Mit diesem Pilotprojekt gehen wir mit den Helios HSK einen neuen Weg, um Menschen in einer der kritischsten medizinischen Situationen überhaupt zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen,“ so Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD).

Prof. Dr. Heinrich Groesdonk, Medizinischer Geschäftsführer & Ärztlicher Direktor, Helios HSK: „Die Pilotphase wird wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich ausgewertet. Unser Ziel ist es, belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich dieses Versorgungskonzept in der Praxis bewährt. Die Erfahrungen können dazu beitragen, die Notfallversorgung auch über Wiesbaden hinaus weiterzuentwickeln.“

Marc Dieroff, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Wiesbaden: „Mit der präklinischen eCPR wollen wir wertvolle Zeit gewinnen und damit ausgewählten Patienten eine zusätzliche Chance auf ein Überleben mit guter neurologischer Erholung eröffnen.“

„Die ECMO gehört zu den anspruchsvollsten Verfahren der Intensivmedizin. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Rettungsdienst bringen wir diese Behandlung erstmals direkt zu den Patienten“, erklärt Dr. med. Moritz Unglaube, Klinikdirektor für Intensivmedizin, Helios HSK. 

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InfoBox

Faktencheck: Pilotprojekt eCPR Wiesbaden

  • Projektstart: Samstag, 1. August 2026

  • Partner: Landeshauptstadt Wiesbaden & Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK)

  • Einsatzzeiten: Werktags tagsüber über die Zentrale Leitstelle Wiesbaden

  • Ziel: Schnellstmögliche Sauerstoffversorgung des Gehirns und wichtiger Organe bei Herz-Kreislauf-Stillstand zur Vermeidung von Folgeschäden