Feuerwehreinsatz
Flammen-Drama in Amöneburg – Großbrand in Gartenkolonie nach Mähdrescher-Unfall
Dramatische Szenen am späten Sonntagnachmittag in Wiesbaden-Amöneburg. Was als einfacher Flächenbrand begann, entwickelte sich rasch zu einem der größten Feuerwehreinsätze des Jahres. Während Mäharbeiten gerieten Strohballen in Brand, woraufhin eine riesige Flammenwalze auf eine Kleingartenkolonie übergriff und mehrere Hütten zerstörte. Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften, einem Polizeihubschrauber und Drohnentechnik kämpfte die Feuerwehr gegen Explosionen und schützte den Hessler Hof vor der Zerstörung.
Fotos: privat
Ein Flächenbrand hat am späten Sonntagnachmittag einen Großeinsatz der Feuerwehr Wiesbaden ausgelöst. Um 17:32 Uhr waren die Einsatzkräfte über den Notruf in den Bereich Unterer Zwerchweg im Stadtteil Amönebuirg alarmiert worden. Als die ersten Einheiten der Berufsfeuerwehr vor Ort eintrafen, wurden sie von einem Mähdrescherfahrer eingewiesen. Dieser berichtete sichtlich unter Schock, dass während laufender Mäharbeiten plötzlich mehrere Strohballen Feuer gefangen hatten.
Kräftiger Wind treibt Flammenwalze in Gartenkolonie – Hütten in Vollbrand
Die anhaltende sommerliche Trockenheit und ein kräftiger, böiger Wind aus östlicher Richtung wirkten wie ein Brandbeschleuniger. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich das Lauffeuer rasend schnell über die Felder aus und sprang schließlich auf eine angrenzende Gartenkolonie über.
Beim Eintreffen der Löschzüge standen dort bereits mehrere Gartenhütten in Vollbrand. Die Lage verschärfte sich im weiteren Einsatzverlauf drastisch, als es in der Kolonie zu einer explosionsartigen Brandausbreitung – vermutlich durch gelagerte Gasflaschen – kam. Eine riesige, tiefschwarze Rauchwolke stand über dem Stadtgebiet und war kilometerweit im Rhein-Main-Gebiet zu sehen.
Hessler Hof in akuter Gefahr: Bewohner vorsorglich evakuiert
Gleichzeitig drohte die Feuerwalze auf den nahegelegenen und bekannten Hessler Hof überzugreifen. Nur durch einen massiven und koordinierten Riegelstellung-Einsatz der Feuerwehrkräfte konnte die historische Hofanlage in letzter Sekunde vor den Flammen geschützt werden. Die Polizei reagierte geistesgegenwärtig, informierte die dortigen Bewohner vorsorglich und brachte sie rechtzeitig aus dem akuten Gefahrenbereich.
Logistische Meisterleistung – Löschwasser über lange Wegstrecken
Da das betroffene Gelände außerhalb der Wohnbebauung liegt, gestaltete sich die Löschwasserversorgung zunächst als extrem unzureichend. Die Einsatzleitung bildete daher sofort mehrere Abschnitte.
Einsatzabschnitt „Gartenkolonie“: Hier mussten die Wehrführer mühsam eine kilometerlange Wasserversorgung über lange Wegstrecken aus dem städtischen Netz aufbauen.
Einsatzabschnitt „Theuerbornshohl“: Um dauerhaft genügend Löschwasser an den Brandherden zu haben, wurde ein kontinuierlicher Pendelverkehr mit mehreren Großtanklöschfahrzeugen (TLF) eingerichtet.
Alarmstufe „F Wald 2“
Nach einer ersten detaillierten Lageerkundung erhöhte der Einsatzleiter das Alarmstichwort auf „F Wald 2“ (Waldbrand Stufe 2). Dies löste eine beispiellose Kette von Nachalarmierungen aus. Aufgrund der extrem dynamischen Lage wurden zunächst alle 20 Freiwilligen Feuerwehren der Landeshauptstadt Wiesbaden in Alarmbereitschaft versetzt.
In der absoluten Hochphase des Einsatzes kämpften 13 Freiwillige Feuerwehren Seite an Seite mit den Kräften aller drei Wachen der Berufsfeuerwehr. Um den Grundschutz für eventuelle Paralleleinsätze im restlichen Stadtgebiet sicherzustellen, besetzten drei weitere Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr die verwaisten Berufsfeuerwachen. Zudem wurde die Leitstellenverstärkung aktiviert und Vollalarm für die Direktions- und Einsatzleitdienste ausgelöst.
Hubschrauber und Drohnentechnik koordinieren den Kampf gegen Glutnester
Zur präzisen Beurteilung der Brandausbreitung aus der Luft forderte die Einsatzleitung einen Polizeihubschrauber an. Die live übermittelten Luftbilder dienten als essentielle Grundlage für die taktische Planung am Boden. Zeitweise bestand zudem die akute Befürchtung, dass eine unterirdische Gasleitung durch die enorme Hitze gefährdet sein könnte. Ein herbeigerufener Experte der ESWE Versorgung konnte nach einer eingehenden Kontrolle jedoch glücklicherweise Entwarnung geben.
Zur Kontrolle des weitläufigen Areals und zur gezielten Nachlöschung kam außerdem die Drohneneinheit der Feuerwehr Taunusstein aus dem Rheingau-Taunus-Kreis zum Einsatz. Mithilfe moderner Wärmebildtechnik flogen die Drohnen das Gebiet ab, um versteckte Glutnester zu lokalisieren und das Areal nach vermissten Personen abzusuchen. Die Suche verlief ohne Befund.
Extreme Bedingungen – Feuerwehrkraft erleidet Hitzeerschöpfung
Der Einsatz unter schwerem Atemschutz bei den ohnehin hohen hochsommerlichen Außentemperaturen verlangte den Rettern alles ab. Zur Absicherung der Einsatzkräfte waren die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Behandlung, ein Betreuungszug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der Organisatorische Leiter Rettungsdienst sowie zwei Rettungswagen vor Ort. Eine Einsatzkraft der Feuerwehr musste im Verlauf des Einsatzes wegen einer akuten Hitzeerschöpfung medizinisch versorgt werden, befindet sich aber erfreulicherweise bereits auf dem Weg der Besserung.
Die Nachlöscharbeiten der Feuerwehr werden voraussichtlich noch bis tief in die Nacht andauern. Zur genauen Brandursache und der exakten Höhe des Sachschadens hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen.
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