Sommerhitze
Vorsorge für den Extrem-Sommer: Wiesbaden rüstet sich für die heißen Tage
Angesichts steigender Sommertemperaturen setzt Wiesbaden auf Aufklärung und präventiven Schutz. Die Stadtverwaltung hat ein umfassendes Paket geschnürt, das Bürgern verlässliche Orientierung und direkte Anlaufstellen an heißen Tagen bietet. Warum die richtige Vorbereitung effektiv ist und welche neuen Anlaufstellen ab dieser Woche im Stadtgebiet zur Verfügung stehen, zeigt ein Blick auf die Vorkehrungen.
Symbolfoto: Canva
Die Landeshauptstadt Wiesbaden stellt sich auf die gesundheitlichen Herausforderungen durch steigende Sommertemperaturen ein. Am Dienstag, 7. Juli, präsentierten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), Norbert Hagner (Sachgebietsleiter Rettungsdienst und Medizinische Gefahrenabwehr) sowie Dr. Katharina Ferrari-Kühne (stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes) im Rahmen einer Pressekonferenz entsprechende Vorsorgemaßnahmen.
Hintergrund sind unter anderem Modellrechnungen des Deutschen Wetterdienstes im Zuge des Projekts „Klimprax“, die bis zum Jahr 2060 eine deutliche Zunahme von heißen Tagen und Tropennächten im Stadtgebiet prognostizieren.
Aufruf zu gegenseitiger Unterstützung
Neben behördlichen Maßnahmen setzt die Verwaltung stark auf das verantwortungsvolle Handeln der Stadtgesellschaft. „Die Stadt trifft Vorkehrungen für heiße Tage, doch gut durch eine Hitzewelle kommen wir nur gemeinsam“, sagte Oberbürgermeister Mende.
„Hitzeperioden werden uns künftig häufiger begegnen. Deshalb appelliere ich eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger: Achten Sie auf sich und aufeinander. Schauen Sie nach Ihren Nachbarinnen und Nachbarn, Freunden und Angehörigen und unterstützen Sie sie, wo immer Sie können, sei es beim Einkauf, mit regelmäßigen Anrufen oder Besuchen.“
Regelmäßiger Kontakt schützt Leben
Der Oberbürgermeister betonte weiter: „Mir ist dabei wichtig, dass es nicht bei einem einzigen Mal bleibt: Gerade an heißen Tagen kommt es darauf an, regelmäßig nachzufragen und in Kontakt zu bleiben. So können wir Schlimmeres verhindern und gemeinsam gut durch die heißen Tage kommen.“
Umfassende Ratschläge zur Vorbereitung auf extreme Temperaturen, zum Schutz von Risikogruppen wie Schwangeren, Kindern oder Senioren sowie allgemeine Informationen stehen auf der städtischen Internetseite unter www.wiesbaden.de/hitze bereit. Im Falle extremer Wetterlagen wird zudem unter www.wiesbaden.de/krisenfall tagesaktuell informiert.
Auswirkungen auf die medizinische Versorgung
Wie stark extreme Wetterlagen das Gesundheitssystem beanspruchen, verdeutlicht ein Blick auf die Statistik eines zurückliegenden Hitzewochenendes Ende Juni mit Spitzenwerten zwischen 39 und 41 Grad Celsius. Im Vergleich zu einem gemäßigteren Wochenende Ende Juni 2025 (30 bis 34 Grad) verzeichneten die Rettungsdienste rund 42 Prozent mehr Einsätze und 30 Prozent mehr Einweisungen in Krankenhäuser.
Besonders deutlich stieg die Zahl schwerer Erkrankungen (+162 Prozent) sowie die der rettungsdienstlichen Todesfeststellungen, die von 3 auf 33 Fälle stieg. Obwohl nicht jeder Vorfall direkt auf das Wetter zurückzuführen ist, unterstreicht die Häufung das Risiko für vorbelastete Personen. Einfache Verhaltensregeln wie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Verlegen von Anstrengungen in die kühleren Tageszeiten helfen hier effektiv.
Prävention schützt die Einsatzkräfte
„Solche Hitzewellen bringen den Rettungsdienst und auch die Krankenhäuser an ihre Grenzen“, sagte Norbert Hagner, Sachgebietsleiter Rettungsdienst und Medizinische Gefahrenabwehr. „Wenn die Einsätze sprunghaft ansteigen und immer mehr schwer erkrankte Menschen versorgt werden müssen, ist das eine enorme Anstrengung für alle Einsatzkräfte. Umso wichtiger ist es, dass jede und jeder mithilft, Notfälle von vornherein zu vermeiden. So bleiben unsere Kräfte für die wirklich kritischen Fälle einsatzbereit.“
Auch das Gesundheitsamt appelliert an die Eigenverantwortung. Dr. Katharina Ferrari-Kühne, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, wies darauf hin: „Jede und jeder Einzelne kann mit einfachen Maßnahmen dazu beitragen, gut durch die Hitze zu kommen. Passen Sie nicht nur Ihr eigenes Verhalten an die Temperaturen an, sondern achten Sie auch auf besonders gefährdete Mitmenschen – auf Ältere, Kinder sowie gesundheitlich vorbelastete Personen – und suchen Sie den Kontakt zu ihnen. Und lassen Sie Menschen und Tiere niemals in abgestellten Fahrzeugen zurück, hier können schon wenige Minuten lebensgefährlich werden.“
Städtische Sofortmaßnahmen im Überblick
Um die Maßnahmen zum Hitzeschutz in Wiesbaden ämterübergreifend zu bündeln, hat die Stadt einen eigenen Verwaltungsstab eingerichtet. Dieser prüft und koordiniert fortlaufend Schutzkonzepte für die Bevölkerung. Als erste konkrete Hilfe gegen Hitze wurde im Rathaus am Schlossplatz 6, Erdgeschoss, Raum 22, ein klimatisierter Raum mit Sitzmöglichkeiten und Trinkwasserversorgung eingerichtet. Dieser öffnet an Tagen ab 30 Grad Celsius montags bis freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr sowie samstags von 9:00 bis 15:00 Uhr.
Ergänzend dazu schaltet das Gesundheitsamt ab Mittwoch, 8. Juli, unter 0611 / 319090 ein spezielles Hitze-Telefon, erreichbar werktags von 8:00 bis 16:00 Uhr. Ein Informationsflyer mit Verhaltenstipps wird zudem in den nächsten Tagen per Post an alle Haushalte verteilt. Eine vollständige Übersicht zu kühlen Orten und Refill-Stationen ist online abrufbar.
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