Grünflächenamt

Neue Parkschilder im Nerotal sorgen für Irritationen – Regeln für Hunde gelten weiterhin

Mit großer Verwunderung und zunehmendem Unverständnis reagieren zahlreiche Wiesbadener Hundebesitzer auf eine aktuelle Entdeckung im beliebten Nerotal. Frisch aufgestellte Hinweisschilder des Grünflächenamtes scheinen die traditionsreichen Regeln für den Neropark drastisch zu verschärfen. Demnach sollen Hunde künftig selbst an der Leine die weiten Rasenflächen nicht mehr betreten dürfen, sondern ausschließlich auf den asphaltierten und befestigten Wegen geführt werden. Während unter den Bürgern eine hitzige Debatte über Sinn und Verhältnismäßigkeit der Maßnahme entbrannt ist, beschwichtigt das Rathaus: Geändert habe sich im Grunde überhaupt nichts.

Von: |Erschienen am: 26. Juni 2026 13:05|

Foto: privat

Das Nerotal und der angrenzende Neropark gelten seit Generationen als eine der grünsten und schönsten Oasen der hessischen Landeshauptstadt. Seit Jahrzehnten nutzen Familien, Spaziergänger, Senioren, Sportler und eben auch zahlreiche Hundebesitzer die weitläufigen Grünflächen harmonisch gemeinsam. Dass angeleinte Hunde dort jemals ein ernsthaftes Problem dargestellt hätten, ist vielen langjährigen Besuchern völlig neu. Umso größer ist nun der Schock beim Blick auf die neu installierten Metalltafeln.

Neue Schilder im Nerotal führt zu Fragen

Wie das stadtweit einheitliche Schild des Grünflächenamtes Wiesbaden eindeutig dokumentiert, gibt es wenig Spielraum für Interpretationen. Unter dem ersten Symbol für Tierhalter heißt es dort unmissverständlich: „Führen Sie Ihren Hund an der Leine und bleiben Sie auf dem Weg. Hundekot muss entfernt werden.“

Für die verantwortungsvollen Hundehalter der Region bedeutet die Zeile „bleiben Sie auf dem Weg“ de facto einen strikten Ausschluss von den weiten Liegewiesen – selbst dann, wenn das Tier vorbildlich an einer kurzen Leine geführt wird. Viele stellen sich nun die Frage: Wer trifft solch weitreichende Entscheidungen im Wiesbadener Stadtgebiet und auf welcher rechtlichen Grundlage?

Kritik an Doppelmoral – Hundeverbot inmitten von Müll und Gänsekot?

Besonders schwer nachvollziehbar erscheint die strikte Regelung für viele betroffene Wiesbadenerinnen und Wiesbadener vor dem Hintergrund anderer Zustände, die im Neropark regelmäßig zu beobachten sind. Zurückgelassene Abfälle, weggeworfene Windeln, illegale Grillrückstände und die allgemeine Vermüllung nach abendlichen Feierlichkeiten auf den großen Picknickflächen werden gefühlt klaglos hingenommen, kritisieren die Bürgerinnen und Bürger. Auch die erheblichen, großflächigen Verschmutzungen durch die im Park heimischen Enten und Wildgänse gehören zum Alltag. Während diese Missstände scheinbar toleriert werden, greift man nun ausgerechnet bei den Hundehaltern durch.

Dabei zeigt die gesellschaftliche Entwicklung vielerorts genau in die entgegengesetzte Richtung. Immer mehr Unternehmen, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen öffnen sich bewusst für Haustiere. Zahlreiche Baumärkte, Möbelhäuser und große Einzelhändler heißen Hunde inzwischen herzlich willkommen,  so die Aussage eines Wiesbadeners.

Das Grünflächenamt stellt klar – Regeln wurden nicht geändert

Auf Nachfrage von Wiesbadenaktuell bringt die Stadtverwaltung nun Licht ins Dunkel und gibt teilweise Entwarnung. Auf die Frage, ob die Parkregeln vor Kurzem im Allgemeinen oder in Bezug auf die Leinenpflicht im Speziellen geändert wurden, heißt es aus dem Rathaus kurz und knapp: Nein.

Es gilt im Nerotal – wie überall im gesamten Stadtgebiet – unverändert die bewährte Gefahrenabwehrverordnung der Landeshauptstadt Wiesbaden. Diese besagt generell, dass Hunde in öffentlichen Grünanlagen an der Leine zu führen sind und Müll ordnungsgemäß über die vorhandenen Abfallbehälter entsorgt oder wieder mitgenommen werden muss.

Warum wurden dann die neuen Schilder aufgestellt?

Die Erklärung der Stadt ist rein bürokratischer Natur: Bei einer routinemäßigen und regelmäßigen Überprüfung der Beschilderung im Stadtgebiet ist dem Grünflächenamt aufgefallen, dass die in Wiesbadener Grünanlagen an den Hauptzugängen absolut übliche Beschilderung ausgerechnet im Nerotal vollständig fehlte. Daraufhin wurden die Versäumnisse schlichtweg nachgeholt und die Tafeln ergänzt.

Bei den Schildern handelt es sich lediglich um die stadtweit einheitliche Standardtafel, das so in jeder Parkanlage zu finden ist.

Keine vermehrten Beschwerden in den letzten sechs Monaten

Dass im Nerotal kein aktuelles „Hundeproblem“ gibt, bestätigen auch die offiziellen Einsatzzahlen der vergangenen sechs Monate. Weder das Grünflächenamt noch die Stadtpolizei verzeichneten in der letzten Zeit vermehrte Beschwerden über uneinsichtige Hundehalter in diesem Bereich.

Da unter der Woche regelmäßig die städtischen Gärtner vor Ort im Neropark arbeiten, kam es in den letzten Wochen lediglich vereinzelt vor, dass uneinsichtige Hundehalter freundlich auf die eigentlich geltende, aber im Alltag oft lax gehandhabte Leinenpflicht hingewiesen werden mussten. Ein krisenhafter Anstieg von Vorfällen liege ausdrücklich nicht vor. Es bleibt abzuwarten, wie streng die Stadtpolizei das „Weg-Gebot“ für die Vierbeiner in den kommenden Wochen tatsächlich kontrollieren und sanktionieren wird.

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InfoBox
Die Fakten zu den Parkregeln kompakt auf einen Blick:

  • Die Regeln laut Schild: Leinenpflicht, Hunde müssen auf den Wegen bleiben, Verbot von offenem Feuer/Grillen (außer an Grillplätzen), Müllentsorgungspflicht, Fütterungsverbot für Vögel/Fische.