Klimaneutralität

Meilenstein für die Energiewende: Magistrat beschließt Kommunale Wärmeplanung für Wiesbaden – So sieht der Fahrplan bis 2045 aus

Ein zentrales und zukunftsweisendes Mammutprojekt für die hessische Landeshauptstadt hat die wichtigste politische Hürde genommen. Der Magistrat der Stadt Wiesbaden hat am Dienstag die Kommunale Wärmeplanung offiziell beschlossen. Damit liegt das strategische Fundament vor, um die lokale Energie- und Wärmeversorgung Schritt für Schritt in eine klimaneutrale Zukunft zu führen. Der fertige Wärmeplan wird nun fristgerecht beim Land Hessen eingereicht. Für die Bürgerinnen und Bürger, die lokale Wirtschaft sowie die Politik fungiert das Werk ab sofort als entscheidender Kompass für die Heizungs- und Sanierungsfragen der nächsten zwei Jahrzehnte.

Von: |Erschienen am: 23. Juni 2026 17:07|

Symbolfoto

Die Weichen für ein treibhausgasneutrales Wiesbaden sind gestellt. In enger Kooperation mit der ESWE Versorgung AG und der Unterstützung durch spezialisierte, externe Fachbüros hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten das gewaltige Datenwerk zusammengetragen. Grundlage für die Ausarbeitung bilden die strengen gesetzlichen Leitplanken des Bundeswärmeplanungsgesetzes sowie die dazugehörigen hessischen Landesregelungen. Nach intensiven Beratungen und Vorstellungen in den jeweiligen Ortsbeiräten der verschiedenen Stadtteile ist das Papier nun beschlossene Sache.

Oberbürgermeister Mende lobt konstruktive Zusammenarbeit mit ESWE

„Die Kommunale Wärmeplanung ist ein wichtiger Meilenstein für die zukünftige Energieversorgung unserer Stadt“, betont Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am Dienstag, 23. Juni, sichtlich zufrieden. Besonders hebt der Rathauschef das partnerschaftliche Vorgehen hervor: „Besonders hervorheben möchte ich die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und der ESWE Versorgung AG. Gemeinsam wurde eine praxisnahe und umsetzungsorientierte Planung entwickelt, die die Besonderheiten Wiesbadens berücksichtigt und eine wichtige Grundlage für die kommenden Jahre bildet.“

Auch Wiesbadens Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Christiane Hinninger (Die Grünen) ordnet das strategische Instrument als unumgänglichen Baustein ein: „Die Kommunale Wärmeplanung ist ein zentraler Baustein, damit Wiesbaden und unsere Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral werden können. Sie ist Orientierungs- und Entscheidungsgrundlage für Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft.“ Die Planung zeige nun transparent für jedes einzelne Stadtgebiet auf, welche Arten der Wärmeversorgung sich in Zukunft eignen und sich dort auch technisch und sinnvoll umsetzen lassen.

Das Zielszenario bis 2045 – Massiver Fernwärme-Ausbau und smarte Alternativen

Im Rahmen der detaillierten Untersuchungen wurde der Ist-Zustand der bestehenden Wärmeversorgung im gesamten Stadtgebiet genau analysiert und den Potenzialen erneuerbarer Energien gegenübergestellt. Das daraus resultierende Zielszenario bis zum Jahr 2045 setzt auf einen breiten Mix aus zukunftsfähigen Technologien. Unter die Lupe genommen wurden dabei Fernwärme, moderne Wärmepumpen, industrielle Abwärme, die Nutzung von Flusswasserwärme und Thermalwasser sowie Geothermie.

Die Kernstrategie für die Landeshauptstadt sieht vor allem zwei Säulen vor:

  • Deutlicher Ausbau der Fernwärme: Insbesondere in den dicht besiedelten, zentralen Lagen des Stadtgebiets soll das Fernwärmenetz massiv erweitert werden, um Quartiere hocheffizient zu versorgen.

  • Fokus auf Wärmepumpen in den Ortsteilen: In jenen Stadtteilen und Randgebieten, in denen sich ein Ausbau der Fernwärme wirtschaftlich nicht darstellen lässt, werden dezentrale Wärmepumpen die wesentliche Rolle bei der Dekarbonisierung übernehmen.

Das erklärte Hauptziel dieses strategischen Umbaus ist die konsequente und dauerhafte Reduzierung fossiler Energieträger (wie Gas und Öl) sowie die massive Senkung der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet.

Wichtig für Eigentümer – Keine direkte rechtliche Wirkung für das eigene Grundstück

Für Hauseigentümer und Vermieter gibt die Stadtverwaltung direkt eine wichtige Entwarnung bezüglich der unmittelbaren Auswirkungen: Bei der Kommunalen Wärmeplanung handelt es sich um ein rein strategisches Planungsinstrument. Das bedeutet, dass der beschlossene Plan keine direkte rechtliche Wirkung oder Verpflichtung auf einzelne private Grundstücke oder bereits bestehende, individuelle Heizungsanlagen entfaltet.

Er dient stattdessen als verlässlicher Fahrplan und langfristige Orientierungshilfe für Bürgerinnen und Bürger, lokale Unternehmen, Energieversorger sowie für die anstehenden Entscheidungen in Politik und Verwaltung.

Nachdem das Dokument fristgerecht beim Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht wurde, wird der Wärmeplan offiziell veröffentlicht und soll in den kommenden Jahren regelmäßig fortgeschrieben und an neue Entwicklungen angepasst werden.

Mehr aktuelle Politik-Nachrichten, Umwelt-Hintergrundberichte und Stadtleben-Updates finden Sie täglich in unserer Rubrik „Politik & Wirtschaft“ auf Wiesbadenaktuell.de.

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InfoBox

Die Wärmeplanung kompakt auf einen Blick:

  • Was: Beschluss der Kommunalen Wärmeplanung für das gesamte Stadtgebiet.

  • Wann: Beschlossen am Dienstag, 23. Juni 2026 // Abgabe beim Land Hessen bis 30. Juni 2026.

  • Ziel: Vollständige Klimaneutralität der Wiesbadener Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045.

  • Technologien: Fokus auf massiven Fernwärme-Ausbau (Zentrum) und Wärmepumpen (Ortsteile) sowie Flusswasser- und Geothermie-Nutzung.

  • Nutzen: Strategischer Wegweiser ohne direkte rechtliche Zwänge für einzelne Privatgrundstücke.

  • Kontakt & Info: Details auf wiesbaden.de (Suchwort „Kommunale Wärmeplanung“), Fragen per E-Mail an das Umweltamt unter waermewende@wiesbaden.de.