Energiezukunft

Wärme, Watt, Wandel: Neues Rechenzentrum stärkt Mainz und Wiesbaden nachhaltig

Kurz vor dem Start des ersten Bauabschnitts gewährt KMW auf der Ingelheimer Aue jetzt exklusive Einblicke in das neue Rechenzentrum „Green Rocks“. Die Anlage verbindet digitale Hochleistung mit einem innovativen Energiekonzept, das Mainz und Wiesbaden langfristig stärken soll. Moderne Technologien geben dem Projekt eine Bedeutung, die über die Region hinaus geht.

Von: |Erschienen am: 19. Juni 2026 14:45|

Foto: KMW AG

Auf der Ingelheimer Aue, der Rheininsel zwischen Biebrich und Amöneburg, hat die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) Medienvertretern erstmals einen umfassenden Blick in das entstehende Rechenzentrum „Green Rocks“ ermöglicht. Kurz vor der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts präsentierte das Unternehmen eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben der Region – an der Schnittstelle von digitaler Leistungsfähigkeit und moderner Energieversorgung.

Rechenzentrum der nächsten Generation

Das Rechenzentrum soll bis 2028 vollständig fertiggestellt sein. Der erste Abschnitt geht Ende 2026 ans Netz. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 80 Megawatt, davon 54 Megawatt reine IT-Kapazität, entsteht eine leistungsstarke Plattform für Serverbetrieb und Datenverarbeitung. Die Versorgung erfolgt über das deutsche Stromnetz mit Herkunftsnachweis aus erneuerbaren Energien. Das Gelände selbst wurde zuvor als Industriefläche saniert.

Insgesamt stehen bis zu 18.000 Quadratmeter vorbereitete IT-Fläche, sogenannter „White Space“, zur Verfügung, die bereits vollständig vermietet sind. „Rechenzentren sind eine Grundvoraussetzung für digitale Infrastruktur. Mit Green Rocks stellt KMW nicht nur den Erzeugungsstandort Mainz-Wiesbaden breiter auf, sondern liefert ein nachhaltiges Konzept für den Betrieb, der als Vorreiter für die Branche gilt“, sagt Oliver Malerius, Vorstand der KMW.

Abwärme wird zum Vorteil für Mainz

Ein wesentlicher Mehrwert entsteht für die Stadt Mainz: Die Abwärme der Server wird über eine Großwärmepumpe in das Fernwärmenetz eingespeist. Perspektivisch können so bis zu 20.000 Haushalte versorgt werden. „Das ist eine sehr gute Nachricht für Mainz. Wir bekommen ein Rechenzentrum, das unsere Stadt im internationalen Wettbewerb stärkt. Zugleich können wir die Abwärme sinnvoll nutzen, indem wir sie in unser Fernwärmenetz einspeisen. Damit ist Mainz Vorreiter. So muss Stadtentwicklung heute aussehen: wirtschaftlich stark, technologisch modern und ökologisch vorbildlich“, so Nino Haase, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz und Aufsichtsratsvorsitzender der KMW.

Die Kühlung des Rechenzentrums erfolgt vorrangig über die Wärmeauskopplung, ergänzend über Rheinwasser und nur nachrangig über klassische Kompressionskälte. Das entnommene Rheinwasser wird ausschließlich mit Genehmigung der SGD Süd wieder in den Fluss zurückgeführt.

Notstromversorgung ohne Dieselaggregate

Rechenzentren dieser Größenordnung benötigen eine zuverlässige Notstromversorgung. Während branchenüblich Dieselgeneratoren eingesetzt werden, setzt KMW auf eine alternative Lösung: Zwei bestehende bzw. geplante Kraftwerke am Standort übernehmen die Absicherung.

Das Blockheizkraftwerk aus dem Jahr 2020 wurde bereits für den Notstrombetrieb ertüchtigt und kann bis zu 40 Megawatt bereitstellen. Ein zusätzlich geplantes Motorenkraftwerk mit 54 Megawatt elektrischer Leistung soll ebenfalls 40 Megawatt Notstrom liefern. Damit ersetzt KMW rund 21 Dieselaggregate, die sonst notwendig wären – inklusive der CO₂-intensiven Testläufe.

Nachhaltigkeitskonzept

„Nur im Falle eines Stromausfalls werden wir diese Anlagen für Notstrom benötigen. Deshalb nutzen wir sie zusätzlich zur Stromerzeugung. Der Betrieb erübrigt die Testläufe, die sonst für eine gesicherte Notstromversorgung nötig wären. Das macht unser Konzept so nachhaltig im Vergleich zu Dieselgeneratoren“, sagt Oliver Malerius.

Flexibles Motorenkraftwerk

Das neue Motorenkraftwerk wird nicht ausschließlich als Reserve vorgehalten. Zu Beginn soll es rund 2.000 Stunden jährlich Strom in das deutsche Verbundnetz einspeisen – vor allem dann, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend verfügbar sind.

Es erfüllt drei Funktionen:

  • Bereitstellung von Notstrom im seltenen Fall eines Ausfalls
  • Ausgleich von Stromlücken, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichen
  • Teilnahme am Regelenergiemarkt, auch im Bereitschaftsbetrieb

Die tatsächliche Nutzung entspricht etwa 23 Prozent der Jahresstunden. Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien wird der Bedarf weiter sinken. Die im Genehmigungsverfahren genannten Lastbereiche beschreiben lediglich den rechtlichen Rahmen, nicht die geplante Betriebsweise.

Modular und zukunftsfähig

Das Kraftwerk basiert auf zwölf modularen Gasmotoren, die einzeln betrieben oder gewartet werden können. Zudem ist die Anlage so ausgelegt, dass sie künftig auf Wasserstoffbetrieb umgestellt werden kann. Wann dies möglich sein wird, hängt von der Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft und der Infrastruktur ab.

„Wir bauen das neue Motorenkraftwerk so, dass es sich mit der Energiewende mitentwickelt. Zwölf einzelne Motoren bedeuten, dass wir nicht ein Kraftwerk in Betrieb haben, sondern zwölf Modules, die einzeln gefahren, gewartet und perspektivisch umgestellt werden können. Diese Modularität ist der wesentliche technische Unterschied zu einem klassischen Gaskraftwerk“, erklärt Stephan Krome, Vorstand der KMW.

Batteriespeicher ergänzt das Energiesystem

Parallel investiert KMW in einen Batteriespeicher mit 22 Megawatt Leistung und 60 Megawattstunden Kapazität. Dieser dient dazu, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und Spitzenlasten abzufedern. Für eine langfristige Notstromversorgung eines Rechenzentrums sind Batterien jedoch ungeeignet – die benötigte Fläche wäre enorm.

„Die KMW investiert konsequent in eine Energieversorgung, die wirtschaftlich tragfähig und technologisch vielseitig ist. Erneuerbare, Speicher, flexible Erzeugung, Wärmenutzung – das sind die Bausteine, die Mainz und Wiesbaden gemeinsam stark machen. Wir profitieren als Gesellschafter und als Region davon, dass hier nicht auf eine einzige Lösung gesetzt wird, sondern auf das kluge Zusammenspiel neuer Technologien“, betont Gert-Uwe Mende, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.

Einordnung in das deutsche Energiesystem

Die Anlagen der KMW sind in das bundesweite Stromsystem eingebunden und unterliegen den geltenden gesetzlichen Vorgaben. Der erzeugte Strom wird in das überregionale Netz eingespeist.

Die Verbindung zur Stadt Mainz besteht vor allem über die Nutzung der Wärme aus den Kraftwerken und künftig aus dem Rechenzentrum. Das geplante Zukunftskraftwerk ist derzeit ausgesetzt, da politische Abstimmungen auf Bundesebene noch laufen.

Über das Unternehmen KMW

KMW ist seit 95 Jahren ein kommunaler Erzeuger von Energie für den Großraum Mainz Wiesbaden. Mit hoher Verfügbarkeit und Effizienz zählen die Anlagen auf der Ingelheimer Aue zu den leistungsfähigsten weltweit. Über 500 Mitarbeitende sorgen für eine stabile Versorgung mit Strom, Dampf und Fernwärme.

Neben der konventionellen Erzeugung hat KMW in den vergangenen Jahren neue Geschäftsfelder in den Bereichen erneuerbare Energien, Speichertechnologien, Energiemanagement und Wasserstoff aufgebaut. Die Investition in das Rechenzentrum „Green Rocks“ setzt diese strategische Diversifikation der Infrastruktur fort. Gesellschafter der KMW sind die Mainzer Stadtwerke AG und die ESWE Versorgungs AG, jeweils mit einem Anteil von 50 Prozent.

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