Präventionsveranstaltung
Eindringlicher Appell an Wiesbadener Jugendliche: „CrashKurs“ am Mosbacher Berg zeigt die ungeschönte Realität von Verkehrsunfällen
Eine Sekunde der Unachtsamkeit, ein Schluck zu viel oder das unüberlegte Imponiergehabe vor den Freunden und das Leben ist von einem Moment auf den anderen komplett zerstört. Mit dieser drastischen, aber lebenswichtigen Botschaft konfrontierte das Polizeipräsidium Westhessen am Mittwoch die Oberstufenschüler des Gymnasiums Mosbacher Berg in Wiesbaden. Bei dem landesweiten Präventionsprogramm „CrashKurs“ ging es nicht um trockene Paragrafen, sondern um authentische, ungeschönte Erfahrungsberichte von Rettungskräften und Medizinern. Vom gefährlichen Gruppenzwang in der Raser-Szene bis hin zu den toxikologischen Folgen von Drogen am Steuer wurde kein Tabu ausgelassen.
Foto: Polizei Wiesbaden
Das Wiesbadener Gymnasium Mosbacher Berg verwandelte sich am Mittwoch, 17. Juni, in ein Zentrum für gelebte Verkehrssicherheit. Das bewährte Präventionsprogramm der hessischen Polizei nahm gezielt die jungen Fahrerinnen und Fahrer der Oberstufe ins Visier – eine Altersgruppe, die statistisch gesehen nach wie vor besonders häufig in schwere Verkehrsunfälle verwickelt ist.
Begrüßt wurden die Jugendlichen gemeinsam von Schulseite durch Lehrer Thorsten Stahl sowie vonseiten der Behörden durch Polizeihauptkommissarin Stephanie Barone aus der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Westhessen. In ihrem Grußwort machten sie unmissverständlich klar, dass jeder Einzelne am Steuer eine enorme Verantwortung für sich und das Leben anderer Verkehrsteilnehmer trägt.
Die Raser- und Poserszene – Wenn falscher Stolz im Totalschaden endet
Ein zentraler und emotionaler Schwerpunkt des Tages war der hochgradig sensibilisierende Vortrag von Polizeihauptkommissar Florian Thrun vom Regionalen Verkehrsdienst Wiesbaden. Er beleuchtete das aktuelle und gefährliche Phänomen der Raser-, Poser- und Tunerszene.
Thrun vermittelte nicht nur theoretische Verkehrsregeln, sondern konfrontierte die Schülerinnen und Schüler direkt mit den psychologischen Abgründen von illegalen Kraftfahrzeugrennen, Imponiergehabe und falschem Stolz. Anhand realer, drastischer Einsatzerfahrungen aus dem Raum Wiesbaden zeigte er auf, wie rasend schnell aus vermeintlichem Fahrspaß tödlicher Ernst wird. Besonders eindringlich war sein Appell zum Thema Gruppenzwang: Echte Stärke zeige sich vor allem darin, sich nicht zu riskanten Manövern verleiten zu lassen – und auch als Beifahrer mutig „Stopp!“ zu sagen, wenn Grenzen überschritten werden.
Blick in die Rechtsmedizin – Die unsichtbare Gefahr von Alkohol und Drogen
Im Anschluss übernahm Dr. Silvana Petzl-Witt vom renommierten Institut für Rechtsmedizin Frankfurt das Wort. Die Toxikologin sezierte die biologischen Auswirkungen von Alkohol, Betäubungsmitteln und anderen berauschenden Mitteln auf die generelle Verkehrstüchtigkeit.
Ausgestattet mit jahrelanger Berufserfahrung schilderte sie die oft verheerenden Folgen von Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Sie verdeutlichte den Jugendlichen auf wissenschaftlicher und zugleich hochemotionaler Ebene, wie stark das Reaktionsvermögen schon bei kleinen Mengen eingeschränkt wird und welche schrecklichen Bilder sich den Medizinern und Ermittlern nach entsprechenden Unfalltragödien regelmäßig bieten.
Aufprallsimulator und Reaktionstest – Die Physik des Unfalls hautnah erleben
Grau ist alle Theorie – deshalb setzte der „CrashKurs“ am Mosbacher Berg im zweiten Teil auf greifbare Praxis. Unterstützt wurde das Programm durch die engagierten Helfer der Verkehrswachten aus Wiesbaden und Frankfurt, die den Schulhof in einen interaktiven Parcours verwandelten.
An einem professionellen Reaktionstest konnten die Jugendlichen am eigenen Leib erfahren, wie wertvolle Millisekunden verstreichen, wenn man abgelenkt ist. Noch eindrucksvoller präsentierte sich der mitgebrachte Aufprallsimulator: Hier spürten die Schüler am eigenen Körper, welche massiven physikalischen Kräfte bereits bei vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten auf den menschlichen Körper einwirken. Ergänzend dazu nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, in intensiven persönlichen Gesprächen Fragen an die Referenten und Polizisten vor Ort zu stellen.
Infos für Schulen im Bereich Westhessen
Das hessenweite Programm „CrashKurs“ verfolgt das Ziel, die Risikowahrnehmung junger Menschen nachhaltig zu schärfen und Unfällen im Vorfeld vorzubeugen. Sollte auch Ihre Schule im Raum Wiesbaden, im Rheingau-Taunus-Kreis oder dem Main-Taunus-Kreis Interesse an der Durchführung einer solchen Veranstaltung haben, können sich Schulleitungen oder Lehrer direkt per E-Mail an Polizeihauptkommissarin Barone unter verkehrspraevention.ppwh@polizei.hessen.de wenden.
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