Digitale Transformation

Wettbewerbsvorteil Künstliche Intelligenz: 3. Wiesbadener Innovationsforum in der IHK zeigt konkrete Wege aus der Praxis

Künstliche Intelligenz ist längst kein theoretisches Zukunftsszenario für Science-Fiction-Filme mehr, sondern ein knallhartes Werkzeug im modernen Arbeitsalltag. Doch wie lässt sich die Technologie sicher, effizient und wirtschaftlich sinnvoll in bestehende Unternehmensstrukturen integrieren? Beim 3. Wiesbadener Innovationsforum im Hauptgebäude der IHK Wiesbaden drehte sich am Donnerstag alles um den echten Praxisnutzen für den heimischen Mittelstand. Rund 200 geladene Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik informierten sich bei hochkarätigen Keynotes, interaktiven Workshops und Best-Practice-Beispielen darüber, wie Algorithmen schon heute die Produktentwicklung, das Wissensmanagement und die Auftragsbearbeitung revolutionieren.

Von: |Erschienen am: 12. Juni 2026 12:20|

Foto: Josh Schlasius / IHK Wiesbaden

Wer im globalen Wettbewerb nicht abgehängt werden möchte, muss umdenken. Das wurde in den geschichtsträchtigen Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Wilhelmstraße schnell deutlich. Paul Herwarth von Bittenfeld, Vizepräsident der IHK Wiesbaden und Prokurist der Seibert Group, brachte es bei der Begrüßung der rund 200 Teilnehmer auf den Punkt: Bei der Künstlichen Intelligenz stelle sich längst nicht mehr die Frage, ob man sie im Betrieb nutze, sondern ausschließlich, wie.

Ein produktiver und strategischer Einsatz sei ein absolut „entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts“. Zwar sei die allgemeine Adoptionsrate im hessischen Mittelstand bereits auf einem guten Weg, allerdings falle spürbar auf, dass gerade kleinere, inhabergeführte Unternehmen noch zögern, KI-Systeme konsequent und flächendeckend einzusetzen. Hier bestehe nach wie vor ein enormer Informations- und Aufholbedarf, den das Forum gezielt abbauen wollte.

Genow-Chefin Dr. Sara Jourdan – Wie Sprachmodelle die Wissensarbeit verändern

Den fachlichen Auftakt des straffen Programms machte Dr. Sara Jourdan, Mitgründerin und CEO des erfolgreichen Darmstädter Start-ups Genow. In ihrer Keynote über generative KI im Unternehmenskontext beleuchtete sie tiefgehend, wie hochentwickelte Sprachmodelle (LLMs) die klassische Wissensarbeit, strategische Entscheidungsprozesse und alltägliche Workflows nachhaltig verändern. Ein besonderes Augenmerk legte die Expertin auf das Thema Datensicherheit: Unternehmen müssten penibel darauf achten, wie sie mit ihren eigenen, oft sensiblen Betriebsdaten umgehen, wenn sie diese mit externen KI-Schnittstellen verknüpfen.

Direkt im Anschluss lieferten fünf Kurzimpulse aus der Praxis handfeste Einblicke in unterschiedliche Branchen:

  • Serge Reit (YOND): Sprach über das Phänomen „Vibe Coding“ und stellte völlig neue, KI-gestützte Formen der modernen Softwareentwicklung vor.

  • Dennis Pütz (Pütz Folien): Demonstrierte eindrucksvoll, wie ein klassischer Mittelständer durch den gezielten Einsatz von Algorithmen spürbare Vorteile in der komplexen Produktionsplanung erzielen kann.

  • Susanne Busshart (Schumm und Rösch): Stellte ihren persönlichen KI-Arbeitsalltag vor und gab den Zuhörern den simplen, aber effektiven Rat: „Einfach mal machen“.

  • Elmar Eperiesi-Beck (Bare.ID): Ermunterte das Publikum ebenfalls dazu, Berührungsängste abzubauen und sich konsequent und tiefgehend mit IT-Sicherheit und KI auseinanderzusetzen.

  • Geert Heilmann (Smiths Detection): Zeigte ein hochtechnologisches Anwendungsbeispiel und erklärte, wie sein Unternehmen Sicherheits-Scanner mithilfe von intelligenten Algorithmen optimiert.

Rechtliche Hürden – Der EU AI Act und die Akzeptanz der Mitarbeiter

Neben den rein wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten sparten die Experten auf dem hochkarätig besetzten Panel auch die realen Herausforderungen nicht aus. Ein zentrales Thema war die rechtssichere Vereinbarkeit von KI-Anwendungen mit dem strengen EU AI Act, dem europäischen Gesetz zur Regelung von Künstlicher Intelligenz. Auch der generelle, datenschutzkonforme Umgang mit Kundendaten sowie die psychologische Komponente wurden intensiv diskutiert: Wie schafft man es als Arbeitgeber, die Akzeptanz für den digitalen Kollegen sowohl auf Kundenseite als auch innerhalb der eigenen Belegschaft nachhaltig zu steigern und Ängste vor Arbeitsplatzverlusten abzubauen?

Die ausgedehnte Mittagspause nutzten die Teilnehmer intensiv zum Networken und für praktische Live-Präsentationen an verschiedenen Infoständen regionaler Dienstleister. Am Nachmittag transformierte sich das Forum in eine Denkfabrik: In spezifischen Fach-Workshops erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Strategien zu zukunftsweisenden Themen wie „Sichtbarkeit in der KI-Ära (SEO & Perplexity)“, „Schnelles Prototyping mit KI“ sowie „KI-getriebene Geschäftsmodelle und smarte Anwendungen in der Produktion“.

Das rundum gelungene 3. Wiesbadener Innovationsforum wurde in enger Kooperation mit der Landesinitiative Hessen Innovativ und den starken Netzwerkpartnern der regionalen WITech Alliance durchgeführt.

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